Verbrechen

Um Telefonbetrüger zu stoppen: Die Polizei warnt per Mail, wenn die Anrufwelle rollt

Die Polizei will bei aktuellen Anrufwellen von Telefonbetrügern schnell warnen.

Die Polizei will bei aktuellen Anrufwellen von Telefonbetrügern schnell warnen.

Bild: Ulrich Weigel

Die Polizei will bei aktuellen Anrufwellen von Telefonbetrügern schnell warnen.

Bild: Ulrich Weigel

Ein E-Mail-Verteiler soll Betrüger ausbremsen. Die Polizei setzt auf die Menschen in Banken, Pflegeeinrichtungen und Taxibetrieben. So können sie alle helfen.
10.06.2021 | Stand: 09:00 Uhr

Die Masche ist knallhart: Betrüger rufen an und behaupten, ein Angehöriger brauche dringend Hilfe. Sie geben sich zum Beispiel als Arzt, Bekannter oder einen in Not geratenen Enkel aus. Ihr Ziel: Bargeld, Gold und Schmuck. Immer wieder fallen Menschen auf die Verbrecher rein. Nun setzt die Polizei auf die Hilfe von Pflegekräften, Bankmitarbeitern und Taxifahrern. Die sind nah an den Menschen dran und könnten sie warnen. (Lesen Sie auch: Nun auch Paketdienst-Betrug per E-Mail – Fall aus Sulzberg)

Bei einer anderen Betrugsmasche behaupten falsche Polizeibeamte, dass Einbrecher unterwegs seien und deshalb die Polizei zur Sicherheit Geld und Schmuck aus der Wohnung holen wolle. Wie auch immer – wenn Betrüger aktiv sind, treten deren Anrufaktionen nach bisherigen Erfahrungen fast immer regional und zeitlich begrenzt auf.

Bei solchen Anrufwellen verschickt das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West jetzt per E-Mail aktuelle Warnmeldungen. Zielgruppen sind Banken (dort werden womöglich große Summen abgehoben oder Schließfächer geleert), Taxizentralen, Pflegeeinrichtungen, öffentliche Nahverkehr und Einkaufszentren. Deren Mitarbeitende könnten andere über Betrugsmaschen informieren. Und sie können handeln, wenn Verdacht besteht, ein Kunde/Patient wird gerade womöglich Opfer eines Betrugs.

Bankmitarbeiter sind oft der letzte Kontakt vor einer Geldübergabe

Taxis etwa werden laut Polizei teils von Betrügern selbst bestellt, um ein Opfer zur Bank zu bringen oder dort abzuholen. Die Fahrer könnten hellhörig sein, wenn ihnen ein Fahrgast erzählt, er müsse Geld abheben, um jemandem zu helfen. Bankmitarbeiter wiederum seien oft der letzte Kontakt vor einer Geldübergabe.

„Sprechen Sie die Seniorinnen und Senioren an, wenn Ihnen etwas ungewöhnlich vorkommt und informieren Sie die Polizei“, appelliert Leitender Kriminaldirektor Michael Haber. Unter dem Notruf „110“ gibt es dann alle weiteren Verhaltensempfehlungen. Hier gibt die Polizei im Internet allgemeine Tipps zum Schutz vor häufigen Betrugsmaschen.

Über 500.000 Euro Schaden

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Im Vorjahr registrierte das Polizeipräsidium erstmals einen Rückgang solcher Straftaten, weil gut informierte potenzielle Opfer immer öfter Betrugsversuche abblockten. Dennoch ereigneten sich im Jahr 2020 noch 50 erfolgreiche Taten mit über 500.000 Euro Gesamtschaden.

Dieses Phänomen betreffe alle, sagt Polizeipräsidentin Dr. Claudia Strößner. „Auch unsere Eltern und Großeltern können jederzeit Opfer werden. Indem wir informieren, nachfragen und vorsichtig sind, können wir großen seelischen und materiellen Schaden abwenden.“

Die Polizei hat dazu bereits etliche Firmen und Einrichtungen angeschrieben und zur Mithilfe aufgefordert. Frage ist unter anderem, wohin aktuelle Warnhinweise geschickt werden sollen. Wer in den Verteiler will, muss eine Einverständniserklärung erteilen, damit die Polizei Adressdaten speichern darf.

(Hier lesen Sie: Betrugswelle im Allgäu: Polizei nimmt zwei Tatverdächtige fest)