Orgelmusik

Gabler-Orgel in Maria Steinbach klingt wieder prächtig

KU Orgelrenovierung

Die mehrmonatige Generalsanierung der Gabler-Orgel aus dem Jahr 1756 in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Steinbach ist abgeschlossen.

Bild: Isolde Göppel

Die mehrmonatige Generalsanierung der Gabler-Orgel aus dem Jahr 1756 in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Steinbach ist abgeschlossen.

Bild: Isolde Göppel

Alle 1528 Pfeifen des Instruments von 1756 wurden repariert, gereinigt und gestimmt. Das Ergebnis soll bei einer Konzertreihe zu hören sein.
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Von Isolde Göppel
18.11.2021 | Stand: 12:14 Uhr

Nach einer mehrmonatigen Generalsanierung der Orgel in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Steinbach ist die kleinste der drei noch existierenden Gabler-Orgeln aus 1756 nun wieder spielbar. Dachte man erst, dass die jahrhundertealte Berühmtheit zum Fest Mariä Himmelfahrt im August wieder einsatzfähig sein würde und nur noch eine Gesamtreinigung anstünde, so stellte sich dann heraus, dass es noch mehr zu tun gab.

Gut Ding will also Weile haben und so war Orgelbauer Hermann Weber (Leutkirch) noch mehrere Wochen damit beschäftigt, sämtliche der 1528 Orgel-Pfeifen zu reparieren, zu reinigen und am Ende zu stimmen. Durch sogenannte Rückbaumaßnahmen in den Originalzustand ist die Orgel nun laut Weber „ein Konglomerat aus historischer Substanz und diversen ,Verbesserungen’, die alle unter dem Aspekt der ‚Annäherung’ an einen mutmaßlichen Gabler-Stil gerechtfertigt wurden.“

Webers Intention war es, „der Gemeinde für ihre liturgischen Belange das Instrument so aufzubereiten, dass alle benötigten Funktionen nachhaltig gewährleistet sind und das Klangbild sich im Großen und Ganzen zu einer gewissen Einheit zusammenfügt, das auch mit dem wunderbaren Sakralraum in Einklang zu bringen ist.“ Dies ist dem Orgelbauer bestens gelungen, was auch Pater Stefan Kling, amtlicher Orgelsachverständiger des Bistums Augsburg, bestätigt hat. Das Ergebnis der Restaurierung soll nun der Öffentlichkeit im Rahmen einer Konzert-Reihe vorgestellt werden.

  • Den Auftakt bildet die Orgelvesper zum Cäcilientag am Sonntag, 21. November, um 15.30 Uhr mit Organist Josef Miltschitzky (Ottobeuren) zusammen mit Susanne Jutz-Miltschitzky (Sopran). Zu hören gibt es schwäbisch-süddeutsche Musik aus der Erbauungszeit der Gabler-Orgel mit Werken von Martini, Bachmann, Gass, Muffat, Auffmann, Nauss, Brixi, Lederer und Eberlin.
  • Am Dreikönigstag, 6. Januar 2022, konzertiert um 15.30 Uhr Maximilian Pöllner, Chordirektor von St. Josef in Memmingen.
  • Dorothea Ewadinger und Orgelbauer Hermann Weber spielen am Samstag, 22. Januar, um 19.30 Uhr.
  • Die Reihe endet am Samstag, 19. Februar, um 19.30 Uhr mit Familie Ewadinger.

Wissenswertes über den Orgelbaumeister Joseph Gabler

  • Anfänge: Joseph Gabler gilt neben Karl Joseph Riepp und Johann Nepomuk Holzhey als einer der bedeutendsten Orgelbaumeister in Süddeutschland. Er wurde am 6. Juli 1700 in Ochsenhausen geboren und machte eine Lehre in der dortigen Klosterschreinerei. Wie es üblich war, ging Gabler mit 18 Jahren auf Wanderschaft. In Mainz kam er zum ersten Mal mit dem Orgelbau in Berührung. Er fand dort beim Zimmerer- und Tischlermeister Anton Ziegelhorn Arbeit. Man kann davon ausgehen, dass er sich Gabler seine Kenntnisse im Orgelbau in Mainz angeeignet hat.
  • Selbstständigkeit: Nach dem Tod Anton Ziegelhorns (1720) und von dessen Sohn (1726) übernahm Gabler die Werkstatt und heirate später seine Witwe. Er wendete sich mehr und mehr dem Orgelbau zu. 1729 kehrte Gabler in seine Heimat Ochsenhausen zurück und baute bis 1750 die Große Orgel auf der Westempore der Klosterkirche St. Georg sowie von 1763 bis 1768 in Ravensburg. Danach versah er in Ochsenhausen sein Erstlingswerk mit einem freistehenden, also nicht an das Orgelgehäuse angebauten Spieltisch. Diese neuartigen Spieltische wurden damals immer beliebter und schließlich von den meisten süddeutschen Orgelbauern übernommen, weil sie dem Organisten freie Sicht zum Altar oder Dirigenten, Chor und Orchester gewährten.
  • Werke: Gablers weitere Tätigkeiten sind nur lückenhaft bekannt: Von 1753 bis 1755 baute er die Chororgel des Münsters in Zwiefalten, von 1756 bis 1759 baute und erweiterte er die Chororgel in Maria Steinbach, baute die Orgel in der Memminger Martinskirche und zwei Positive für die Memminger Lateinschule und das Musikkollegium. Von 1763 bis 1766 arbeitete er in Ravensburg an den Orgeln der Karmeliter- und Dreifaltigkeitskirche. Die letzten Lebensjahre verbrachte Gabler in Bregenz, wo er 1769 an der Stadtpfarrkirchen-Orgel arbeitete – seinem letzten und zugleich unvollendeten Werk: Gabler starb am 8. November 1771 an einem Schlaganfall mitten in der Arbeit. Erhalten sind von seinen Werken nur noch drei: Die Orgeln in Weingarten, Ochsenhausen und Maria Steinbach, wobei letztere die kleinste ist. (Quelle: Dehio Baden-Württemberg II, 1997, S. 836)