DAV-Hütte bei Oberstdorf

Die Mindelheimer Hütte - wo sich Gäste neben Steinböcken tummeln

Die Mindelheimer Hütte bei Oberstdorf ist bei Wanderinnen und Wanderern bekannt dafür, dass man dort gut Steinböcke beobachten kann. Doch nicht nur die, sondern zahlreiche weitere Wildtiere lassen sich des Öfteren blicken.

Die Mindelheimer Hütte bei Oberstdorf ist bei Wanderinnen und Wanderern bekannt dafür, dass man dort gut Steinböcke beobachten kann. Doch nicht nur die, sondern zahlreiche weitere Wildtiere lassen sich des Öfteren blicken.

Bild: Ralf Lienert

Die Mindelheimer Hütte bei Oberstdorf ist bei Wanderinnen und Wanderern bekannt dafür, dass man dort gut Steinböcke beobachten kann. Doch nicht nur die, sondern zahlreiche weitere Wildtiere lassen sich des Öfteren blicken.

Bild: Ralf Lienert

Zur Mindelheimer Hütte kommen viele Gäste - und wilde Tiere. Für Hüttenwirt Jochen Krupinski ist es seit über 40 Jahren "der schönste Arbeitsplatz der Welt".
04.05.2022 | Stand: 11:15 Uhr

Murmeltiere, die sich im Häuschen der Material-Seilbahn verstecken. Rotwild, das beinahe jeden Abend an der Hütte auftaucht, um die Kompost-Reste zu fressen. Steinböcke, die in der Herde fast bis zur Hütte herunter kommen. All das ist auf der Mindelheimer Hütte (2.058 Meter) bei Oberstdorf Alltag, der Jochen Krupinski auch nach 43 Jahren als Hüttenwirt noch immer voll begeistert. "Die Hütte ist mein Lebensinhalt", erzählt der 70-Jährige.

Übernommen habe Krupinski die Mindelheimer Hütte 1977, zuvor war er Wirt auf dem Kemptener Naturfreundehaus bei Immenstadt. Im Laufe der Zeit habe sich so vieles verändert, sagt Krupinski, nicht aber seine Leidenschaft für den Beruf. 1977 habe es auf der Mindelheimer Hütte 70 Schlafplätze gegeben mit Seegras-Matratzen. "Wir haben damals auch ganz wenig Wasser gehabt", sagt der Wirt. Dieses sei in Kanistern in der Material-Seilbahn nach oben gefahren worden. Irgendwann wurden dann auch Aufstellklos aus Blech mit der Bahn zur Hütte gebracht. "Die Gäste sind dann oft in Unterhosen nachts nach draußen gelaufen, wenn sie aufs Klo mussten", erzählt er lachend. (Lesen Sie auch: Projekt "Bergalp": Tüftler aus Pfronten hat App und Plattform für Allgäuer Hütten entwickelt)

Auf 2.058 Metern ist die Mindelheimer Hütte ein beliebtes Ziel für Wanderinnen und Wanderer, die sich auch vor etwas anspruchsvolleren Touren nicht scheuen.
Auf 2.058 Metern ist die Mindelheimer Hütte ein beliebtes Ziel für Wanderinnen und Wanderer, die sich auch vor etwas anspruchsvolleren Touren nicht scheuen.
Bild: Ralf Lienert

Mindelheimer Hütte: Gäste reservierten Übernachtungsplätze per Postkarte

Früher habe das Team mit dem Funkgerät Nachschub an Lebensmitteln im Tal bestellt oder darüber auch die Bergrettung alarmiert. Eine Bekannte von Krupinski wachte über das Funkgerät im Tal. Außerdem hätten die Leute ihre Übernachtungsreservierung oft per Postkarte geschickt. Seine 72-jährige Ehefrau Centa Krupinski ist mittlerweile wieder im Tal und kümmert sich um das Ferienhaus in Eschach, nachdem sie 25 Jahre auf der Hütte geholfen hatte. "Danach habe ich es eine Weile allein gemacht", sagt Jochen Krupinski.

Doch der Hüttenwirt hat sich Verstärkung geholt. "Das sind tolle und wertvolle Menschen", sagt er über Lucia Kitzelmann sowie Rainer Müller, die beide schon jahrelang gemeinsam mit dem 70-Jährigen auf der Hütte arbeiten. Nun sind sie Mit-Betreiber. "Das funktioniert sehr gut", so Krupinski. Kitzelman, die gelernte Bäckerin ist, kümmere sich vor allem um die Anmeldungen und den gesamten Schriftverkehr. Müller sei gelernter Zahntechniker und auf der Hütte vor allem in der Küche anzutreffen, wo auch der gelernte Maschinenbauer Krupinski oft mit anpackt. Beide hätten mehrere Kochfortbildungen gemacht.

Die Alpenvereinshütten, wie die Mindelheimer Hütte bei Oberstdorf, ziehen ihre Bilanz nach der Sommersaison.
Die Alpenvereinshütten, wie die Mindelheimer Hütte bei Oberstdorf, ziehen ihre Bilanz nach der Sommersaison.
Bild: Ralf Lienert

Auf der Mindelheimer Hütte werden Gerichte an die Lebensmittel angepasst

"Wir kochen Hausmannskost, bodenständig", sagt Krupinski. Die Speisen wechselten regelmäßig und würden immer so geplant, dass bei Fleischgerichten alles vom Tier verbraucht werde. Nudeln würden in der Regel selbst hergestellt, der Käse komme aus dem Stillachtal und Rappenalptal, die Getränke aus Rettenberg. Auch seien immer zwei vegetarische Gerichte auf der Karte. Von veganen Gerichten hingegen ist Krupinski kein Fan - zumal es auch schwierig umzusetzen sei, da in der Küche Fleisch und Milchprodukte verarbeitet werden. "Ich kann nicht garantieren, dass da nichts reinkommt", sagt der 70-Jährige. Wenn ein Gast vegan essen möchte, müsse sie oder er sich seine Verpflegung selbst mitbringen. "Wir haben gute Gäste, weil sie weit laufen müssen und hungrig sind", sagt Krupinski lachend. (Lesen Sie auch: "Das wissen die Menschen zu schätzen" - Regionales und Vegetarisches auf der Hündeleskopfhütte)

Steinböcke, Gämsen, Rotwild, Murmeltiere und ein Adler rund um die Hütte

Etwa zehn Tage im Sommer sei Jungvieh auf der Hütte, rund 240 Stück. "Das ist schön, wenn die da sind", erzählt der Wirt. Doch auf der Hütte seien noch einige weitere Tiere anzutreffen. Die Mindelheimer Hütte sei bekannt für ihre Steinböcke. Etwa 15 bis 25 von ihnen kämen regelmäßig bis zur Hütte herunter. "Der Steinbock ist ein tolles Tier, so stolz", schwärmt Krupinski. "Die machen manchmal Sätze in den Wänden drin, da denkst dir: 'Hoffentlich geht das gut!'" Auch Rotwild komme fast jeden Abend an die Hütte, um aus dem Kompost zu naschen. Die Strunke vom Blumenkohl seien sehr beliebt, erzählt der Wirt. Manchmal erschrecke ihn auch ein Murmeltier im Häuschen der Material-Seilbahn, das sich dort versteckt und plötzlich laut aufpfeifft. Gämsen seien sowieso regelmäßig zu sehen und mit etwas Glück könnten Wanderinnen und Wanderer auch einen Adler bestaunen, der seine Runden über der Hütte dreht. (Lesen Sie auch: Das sind die tierischen Stars der Allgäuer Alpen)

Ein ungewöhnliches Bild? Nicht auf der Mindelheimer Hütte. Dort halten sich die Steinböcke gern mal in Nähe des Gebäudes auf.
Ein ungewöhnliches Bild? Nicht auf der Mindelheimer Hütte. Dort halten sich die Steinböcke gern mal in Nähe des Gebäudes auf.
Bild: Hubert Oelhaf

Stark gestiegene Übernachtungszahlen auf der Mindelheimer Hütte

Mittlerweile bietet die Hütte Platz für 145 Übernachtungsgäste. Im Jahr 2019 - vor Corona - habe es in der Saison insgesamt 14.000 Übernachtungen gegeben. "Als ich angefangen habe, waren es um die 3.000 Übernachtungen", erinnert sich der Hüttenwirt. Um die 1990er Jahre seien die Übernachtungszahlen dann stark gestiegen. Manche Gäste habe Krupinski seit 15 Jahren nicht mehr gesehen, nun besuchten sie ihn plötzlich wieder auf der Hütte. Möglich würden das unter anderem E-Bikes machen. Denn für die Wanderinnen und Wanderer, denen der Weg zu Fuß zu weit oder anspruchsvoll ist, radelten nun bis zur Schwarzen Hütte im Rappenalptal, stellten ihre Fahrräder dort ab und liefen von dort hinauf.

Immer mal wieder stecke jemand seinen Kopf durch die Hüttentür und sagt: "He Jochen, bist du denn immer noch da?", erzählt Krupinski lachend. Auch seien schon Enkelkinder auf die Hütte gelaufen, hätten Fotos von ihren Großeltern mit Krupinski gezeigt und Grüße ausgerichtet. Genau wegen solchen Momente liebt er seinen Job besonders, erzählt der 70-Jährige, der noch nicht wirklich ans Aufhören denkt. "Das ist eine Sucht, aber etwas Schönes", sagt der Allgäuer. Auch die saubere Luft und die Berge, die zwar jeden Tag die gleichen sind, jedoch nie gleich aussähen, machten das Leben auf der Hütte so besonders. "Das ist einfach der schönste Arbeitsplatz der Welt."

Für Hüttenwirt Jochen Krupinski ist die Mindelheimer Hütte "der schönste Arbeitsplatz der Welt". Bei solchen Bilder fällt es wohl nicht schwer, das zu verstehen.
Für Hüttenwirt Jochen Krupinski ist die Mindelheimer Hütte "der schönste Arbeitsplatz der Welt". Bei solchen Bilder fällt es wohl nicht schwer, das zu verstehen.
Bild: Hubert Oelhaf

Öffnungszeiten auf der Mindelheimer Hütte

  • Die Hütte hat von Mitte Juni bis Anfang Oktober geöffnet.
  • Frühstück gibt es in der Regel von 7 Uhr bis 8 Uhr.
  • Warme Küche bieten Krupinski und sein Team von 11 Uhr bis 19 Uhr an.

Übernachten auf der Mindelheimer Hütte

  • Auf der Hütte gibt es nur Matratzenlager. Betten und Zimmer sind nicht vorhanden.
  • Wolldecken sind im Lager nicht vorhanden. Gäste müssen einen Schlafsack mitbringen.
  • Übernachten darf nur, wer eine bestätigte Reservierung hat.
  • Ab 22 Uhr gilt Hüttenruhe.
  • Hunde sind zwar als Tagesgäste auf der Hütte willkommen, dürfen aber nicht übernachten.

Übernachtungs-Preise auf der Mindelheimer Hütte

  • Erwachsene (DAV-Mitglied): 13 Euro
  • Erwachsene (Nicht-Mitglieder): 24 Euro
  • Jugendliche (DAV-Mitglied): 6,50 Euro
  • Jugendliche (Nicht-Mitglied): 16,50 Euro
Wer auf der Mindelheimer Hütte übernachtet, kann bei gutem Wetter die Sonne hinter den umliegenden Berggipfeln untergehen sehen.
Wer auf der Mindelheimer Hütte übernachtet, kann bei gutem Wetter die Sonne hinter den umliegenden Berggipfeln untergehen sehen.
Bild: Hubert Oelhaf

Anreise zur Mindelheimer Hütte

  • Mit dem Auto bis Oberstdorf fahren und dort vom Parkplatz Fellhornbahn aus die Wanderung starten.
  • Alternativ kann man auch ins Kleinwalsertal bis Mittelberg fahren und am Parkplatz Schwendle parken, von wo aus die Wanderung zur Mindelheimer Hütte startet.
  • Auch ist eine Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis Oberstdorf möglich. Vom Bahnhof fährt ein Bus bis Birgsau oder ins Kleinwalsertal.

Wanderungen zur Mindelheimer Hütte

  • Vom Parkplatz der Fellhornbahn fahren Wanderinnen und Wanderer am besten mit dem Fahrrad bis zur Material-Seilbahn der Mindelheimer Hütte, was etwa eineinhalb Stunden dauert. Von dort geht es über den Wanderweg 445 zu Fuß in etwa zwei Stunden zur Hütte.
  • Ein weiterer Weg führt durch das Wildental. Vom Parkplatz Schwendle im Kleinwalsertal geht es auf dem markierten Wanderweg 441 zur Hinteren Wildenalpe über die Kemptner Scharte (teilweise mit Drahtseilen gesichert) in etwa drei Stunden zur Mindelheimer Hütte.
  • Von Bödmen können Wanderinnen und Wanderer zur Oberen Gemstelalpe und über den Geißhornsattel auf dem Wanderweg 444 in etwa vier Stunden die Mindelheimer Hütte erreichen.
  • Ein weiterer Weg führt von der Bushaltstelle in Birgsau über den Panoramaweg 442 am Guggersee vorbei und danach auf dem Krumbacher Höhenweg 443 in etwa fünf Stunden zur Hütte.

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