Singende Seminaristen aus Wigratzbad stürmen US-Charts

Angehende Priester der Petrusbrüder aus dem Westallgäu auf Platz eins der US-Klassik-Charts

Das Priesterseminar St. Petrus steht neben der Gebetsstätte Wigratzbad in der Westallgäuer Gemeinde Opfenbach.

Das Priesterseminar St. Petrus steht neben der Gebetsstätte Wigratzbad in der Westallgäuer Gemeinde Opfenbach.

Bild: Anja Worschech (Archiv)

Das Priesterseminar St. Petrus steht neben der Gebetsstätte Wigratzbad in der Westallgäuer Gemeinde Opfenbach.

Bild: Anja Worschech (Archiv)

Ihr Album "Sancta Nox" bringt die Männer der Petrusbruderschaft Wigratzbad auf Platz eins der "Traditional Classical Albums" des US-Medienhauses Billboard.
25.10.2021 | Stand: 12:09 Uhr

Angehende Priester der in Wigratzbad (Gemeinde Opfenbach) im Westallgäu ansässigen Petrusbruderschaft haben mit ihrem Gesangsalbum "Sancta Nox - Christmas Matins from Bavaria" den ersten Platz in einem US-Klassik-Ranking erreicht.

Dort stehen die Petrusbrüder seit mittlerweile drei Wochen auf Platz Eins in der Rubrik "Traditional Classical Albums" des US-Medienhauses Billboard. Das vermeldeten zunächst die Portale katholisch.de und domradio.de.

Matutin: Ein altes Stundengebet

Der Titel des Albums "Sancta Nox - Christmas Matins from Bavaria" steht für "Heilige Nacht - Weihnachtsmatutin aus Bayern". "Matutin ist in der Katholischen Kirche ein Stundengebet, das vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil üblich war," sagt der angehende Priester Michael Marschall aus dem Priesterseminar Salzburg.

"Sancta Nox": 17 Titel und neun Sänger aus sechs Nationen

Das Weihnachtsalbum umfasst 17 Titel, "gregorianischen Choral, mehrstimmige Vertonungen der Texte aus der Weihnachtsmatutin und eine mehrsprachige Version von 'Stille Nacht, heilige Nacht'", heißt es auf dem Portal domradio.de. Ein offizieller Trailer, sowie die einzelnen Titel sind auf Youtube abrufbar. Laut Trailer sangen für die Aufnahmen neun Sänger aus sechs Nationen, der laut eigenen Angaben weltweit rund 500 Mitglieder zählenden Petrusbruderschaft.

Aufnahmen im oberschwäbischen Bad Schussenried

Die Aufnahmen fanden im Juli unter Regie des in Hamburg tätigen Musikproduzenten Chris Alder in der ehemaligen Klosterkirche St. Magnus in Bad Schussenried statt. Das sagte Markus Reiner, Pressesprecher des "deutschsprachigen Distrikts" der "Priesterbruderschaft St. Petrus", im Gespräch mit allgaeuer-zeitung.de. Die Sänger in "Sancta Nox" sind allesamt Seminaristen des Priesterseminars, das die Petrusbruderschaft in Wigratzbad betreibt. Dort singen sie normalerweise in der sogenannten Choralschola des Seminars. Das ist eine eigene Gesangsgruppe, die für die Gestaltung der liturgischen Feiern innerhalb des Seminars zuständig ist.

Markus Reiner: "Wir wollten die Gelegenheit nutzen"

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"Wir hatten in diesem Jahrgang Sänger mit einer außerordentlichen Qualität", berichtet Reiner. "So lag der Gedanke nahe, wieder eine Aufnahme zu machen." Bereits 2017 hatten Sänger der Petrusbruderschaft ein Album mit dem amerikanischen Plattenlabel "DeMontfort Music" aufgenommen, dass auf religiöse Inhalte spezialisiert ist. Damals waren es Sänger des amerikanischen Distrikts der Bruderschaft, die mit dem Album "Requiem" auch einen ersten Platz bei Billboard landeten. (In einer früheren Fassung wurde berichtet, dass das Album "Requiem" auch von Sängern aus Wigratzbad gesungen worden sei. Das ist wie vorangehend beschrieben nicht korrekt. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen)

Zwei Organisationen an einem Ort

Die Petrusbruderschaft ist nicht zu verwechseln mit der Gebetsstätte Wigratzbad. Die Gebetsstätte gehört zum Bistum Augsburg und wird seit April 2021 von der "Familie Mariens" geleitet. Das ist eine Art Ordensgemeinschaft mit dem kirchenrechtlichen Titel "Vereinigung Päpstlichen Rechts". Wigratzbad ist seit 1976 als diözesane Gebetsstätte anerkannt. Der Pilgerort hat seinen Ursprung in den Dreißigerjahren. Die Einheimische Antonie Rädler, die der Erzählung nach Eingebungen der Gottesmutter Maria hatte, legte dort den Grundstein für den heutigen Marienwallfahrtsort.

(Lesen Sie auch: "Wir können das hier nur zusammen" - Pater Kerschbaumer wird neuer Direktor in Wigratzbad")

Die Petrusbruderschaft

  • Die Priesterbruderschaft St. Petrus, wie die Petrusbruderschaft offiziell heißt, wurde 1988 als Abspaltung der Piusbruderschaft gegründet. Letztere war im gleichen Jahr von Papst Johannes Paul II. exkommuniziert worden. Die Petrusbruderschaft konnte sich hingegen so aufstellen, dass sie von Papst Johannes Paul II. als "Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechtes" anerkannt wurde und somit in der Kirche verbleiben.
  • Laut eigenen Angaben hat sie das auch dem damaligen Präfekten der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger zu verdanken. Die Petrusbruderschaft versucht eigenen Angaben zufolge, alte Traditionen der Kirche hochzuhalten. Allen voran die heilige Messe nach dem "außerordentlichen römischer Ritus". Das ist die heilige Messe, wie sie prinzipiell vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) in der katholischen Kirche gefeiert wurde.
  • Die Suche nach einer Niederlassung und einem Ort für ein Seminar führte die Petrusbrüder nach Wigratzbad. Im Gegensatz zur Piusbruderschaft erkennt die Petrusbruderschaft die derzeit überwiegende Glaubenspraxis in der katholischen Kirche offiziell an.

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