Pop-Ausstellung in Ottobeuren

Schamlos kreativ: Wie Aubrey Powell und sein Team berühmte Platten-Cover kreierten

Aubrey Powell in Ottobeuren – vor einem berühmten Pink-Floyd-Cover.

Aubrey Powell in Ottobeuren – vor einem berühmten Pink-Floyd-Cover.

Bild: Martina Diemand

Aubrey Powell in Ottobeuren – vor einem berühmten Pink-Floyd-Cover.

Bild: Martina Diemand

Die Fotodesign-Agentur Hipgnosis schuf verrückte Platten-Cover für berühmte Bands. Sie sind in Ottobeuren zu sehen – mit Anekdoten von Fotograf Aubrey Powell.
10.08.2022 | Stand: 17:52 Uhr

„Und nun zu etwas ganz anderem“ – den Running Gag der britischen Comedy-Truppe Monty Python könnte man nun aufs Kunerth-Museum in Ottobeuren münzen. Zwar sind im Obergeschoss weiterhin Collagen und Land-Light-Paintings des Namensgebers zu sehen, im großen Raum des Erdgeschosses aber hängt in den nächsten Monaten Konträres an den Wänden: Albumcover von Langspielplatten. Museumsleiter Markus Albrecht hat eine Wanderausstellung an Land gezogen mit 50 LP-Bildern, darunter einige der berühmtesten der Pop- und Rockgeschichte, sowie 40 Musiker- und Bandporträts.

Die Musiker von Pink Floyd waren Freunde - und die ersten Kunden

Die großformatigen Sieb- und Kunstdrucke stammen aus dem Archiv der legendären Londoner Fotodesign-Agentur Hipgnosis. Aubrey Powell und Storm Thorgerson, zwei ziemlich coole Hippies mit langen Haaren, gründeten sie 1968. Die ersten, die sich ihrer Dienste versicherten, waren die Musiker von Pink Floyd, mit denen sie befreundet waren. Bei der visuellen Gestaltung ihrer LPs schlugen Powell und Thorgerson ganz neue Töne an. Auf das 1970er-Album „Atom Heart Mother“ blickt eine Kuh den Betrachter an. Provokativ-revolutionär war freilich nicht nur das rurale Rind auf dem Plattencover einer großstädtischen Psychedelic-Band.

Das Plattencover für das Pink-Floyd-Album "A Collection of Great Dance Songs" 1981.
Das Plattencover für das Pink-Floyd-Album "A Collection of Great Dance Songs" 1981.
Bild: Martina Diemand

Die beiden Fotografen, die die erstbeste Kuh am Stadtrand von London abgelichtet hatten, verzichteten auch auf Text. Kein Bandname, kein Album-Titel. Die Scheibe landete dennoch auf Platz eins der Charts – vielleicht auch, weil sie dank des Designs in den Plattenläden auffiel. Wenn Aubrey Powell davon erzählt, kann er sich noch heute köstlich über diesen Coup amüsieren – der 75-Jährige war zur Ottobeurer Ausstellungseröffnung aus England angereist.

Es sollten noch viele visuelle Handstreiche folgen. Powell, der vor der Hipgnosis-Zeit als Bühnenbildner am Filmset arbeitete und sich nebenbei das Fotografieren aneignete, sowie der Fotograf und Filmemacher Thorgerson (1944 - 2013) besaßen nicht nur das handwerkliche Rüstzeug. Sie sprühten zudem vor Einfällen und ließen Konventionen hinter sich. Dabei nahmen sie auch keinerlei Rücksicht auf kommerziell motivierte Wünsche von Plattenfirmen. „Wir machten Kunst“, sagt Powell.

Led Zeppelin ließen sich dieses Cover für ihre 1979er-Scheibe "In Through the Out Door" machen (Ausschnitt).
Led Zeppelin ließen sich dieses Cover für ihre 1979er-Scheibe "In Through the Out Door" machen (Ausschnitt).
Bild: Martina Diemand

Der Dadaismus des frühen 20. Jahrhunderts und der Surrealismus etwa eines René Magritte scheinen in vielen ihrer Bilder durch. Da trägt ein Astronaut eine leichtbekleidete Frau (10cc, 1977), rollen rote Bälle durch die Wüste (The Nice, 1971), kämpft ein Mann in einer mit Wasser gefüllten Telefonzelle um sein Leben (Strawbs, 1978), zieht ein melancholisch blickender Mann eine klebrige Masse von der Brust einer Frau (Scorpions, 1979). „Schamlose Kreativität“ nennt dies der Sänger Peter Gabriel (Ex-Genesis) im Vorwort eines Buchs über das Schaffen von Hipgnosis („Vinyl. Album. Cover. Art“; bei Edel Books; 35 Euro; erhältlich in der Ausstellung).

Das Platten-Cover von "Lovedrive" der Scorpions 1979 (Ausschnitt).
Das Platten-Cover von "Lovedrive" der Scorpions 1979 (Ausschnitt).
Bild: Martina Diemand

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Ausstellung in Ottobeuren zeigt Plattencover als Kunstform

Aubrey Powell, Storm Thorgerson und später Peter Christopherson schufen ikonografische Bilder, die Millionen von Menschen auf der ganzen Welt elektrisierten, wenn sie eine Vinyl-Scheibe aus dem Cover fischten, um sie auf den Plattenspieler zu legen. Immer sorgen die Hipgnosis-Leute für einen visuellen Mehrwert. Den stellten sie nicht nur mit Fotografien her, sondern auch mit Schere, Klebstoff, Pinsel. Oft sind es Collagen und Montagen, mit denen sie fantastische Welten und skurrile, theaterartige Szenen schufen – humorvoll, ironisch, frech, verspielt. Für Shootings war ihnen kein Weg zu weit, keine Realisierung zu aufwändig. Für das Pink-Floyd-Album „Wish you were here“ arrangierten sie einen Handschlag zwischen zwei Männern, bei dem einer brennt – nicht retuschiert, sondern real. Die Hipgnosis-Leute flogen extra nach Hollywood und engagierten einen Stuntman.

Dass es mit Musikern intensive Diskussionen gab, versteht sich von selbst. Die machten auch nicht alle Verrücktheiten mit. Die Rolling Stones etwa verzichteten nach aufwändigen Shootings in Strumpfhosen auf die Darstellung als Zentauren. Diese Anekdote und viele weitere sind in den Bildtexten von Aubrey Powell nachzulesen.

Bis 27. November; geöffnet Dienstag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 17 Uhr.