Greifvögel

Steinadler-Weibchen „Luisa“ stirbt an Bleivergiftung

Steinadler

Ein junger Steinadler an der Salmaser Höhe im vergangenen Jahr: Für die Aasfresser können geringe Mengen Blei tödlich sein.

Bild: Günter Jansen (Symbol)

Ein junger Steinadler an der Salmaser Höhe im vergangenen Jahr: Für die Aasfresser können geringe Mengen Blei tödlich sein.

Bild: Günter Jansen (Symbol)

Bleihaltige Jagdmunition ist wahrscheinlich der Grund für die Verletzungen. Gefunden wurde der Steinadler Tier in den Ammergauer Alpen.
25.03.2021 | Stand: 20:55 Uhr

Ein am Montag in den Ammergauer Alpen bei Unterammergau gefundener, verletzter Steinadler ist am Freitag gestorben – an einer Bleivergiftung. Vermutlich stammt das tödliche Schwermetall aus Jagdmunition.

Rückblick: Nach dem Fund des Tieres wird in einem Speziallabor eine Kotprobe untersucht. Eine erste Vermutung bewahrheitet sich: Bleivergiftung. Bei dem gefundenen Greifvogel handelt es sich um ein fünfjähriges weibliches Tier, das in einer Auffangstation in Sauerlach bei München aufgepäppelt wird. Der Zustand bleibt über Tage kritisch. Es wird vermutet, dass der durch die Bleivergiftung stark geschwächte Vogel mit einem Auto kollidiert sein könnte und dabei zusätzliche Verletzungen davontrug. Wegen der massiven Vergiftung hängt das Steinadler-Weibchen an einer Infusion, keiner weiß, ob „Luisa“ – wie das Tier von Rettern und Helfern genannt wird – überlebt. Gestern starb das Tier.

Bleivergiftung: Steinadler tot

Der Sonthofener Wildbiologe Henning Werth verfolgt seit vielen Jahren die Diskussion um den Einsatz von bleihaltiger Munition beim Jagen. „Natürlich wäre es sinnvoll im Interesse des Artenschutzes, wenn auf bleihaltige Munition generell verzichtet würde“, sagt Werth. Auch wegen anderer Greifvögel in den Alpen, dem Bartgeier beispielsweise. Der ist ein reiner Knochenfresser und reagiert mindestens genauso empfindlich auf geringste Bleimengen wie ein Steinadler.

Geringste Mengen Blei führen zu schweren Vergiftungen

Die Zusammenhänge sind eigentlich ganz einfach: Für verschiedene Greifvögel, sogenannte Aasfresser, sind geschossenes Wild oder Teile davon, die im Gelände verbleiben, eine willkommene Nahrungsquelle. Das Problem: Darin befinden sich bei verwendeter bleihaltiger Munition gewisse Rückstände dieses Schwermetalls. Aber bereits geringste Mengen Blei führen bei Vögeln wie Steinadler oder Bartgeier zu schwersten Vergiftungen. Deshalb haben die Bayerischen Staatsforsten Sonthofen komplett auf das Verwenden bleihaltiger Munition verzichtet. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) begrüßt das und fordert einen generellen Verzicht auf bleihaltige Munition. „Das wäre wegweisend“, sagt LBV-Sprecher Markus Erlwein.

Max Peter Graf von Montgelas vom Bayerischen Jagdverband (BJV) beteuert: „Wir sind an einem Dialog mit Vogel-und Naturschützern interessiert.“ Mit bleihaltiger Munition sei es aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften am besten möglich, ein Tier schnell und waidgerecht zu erlegen. Montgelas hofft nach eigenen Worten auf eine wissenschaftlich fundierte „Geschosstypenprüfung“.

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