Theater-Analyse

Warum Kathrin Mädler und Silvia Armbruster prickelnde Bühnenkunst machen

Bringt tolle Stücke auf die Bühne: Kathrin Mädler.

Bringt tolle Stücke auf die Bühne: Kathrin Mädler.

Bild: Ralf Lienert

Bringt tolle Stücke auf die Bühne: Kathrin Mädler.

Bild: Ralf Lienert

Landestheater-Intendantin Kathrin Mädler verlässt 2022 Memmingen. Das ist bitter: Mädler bringt packende Stücke auf die Bühne - wie auch ihre Kemptener Kollegin Silvia Armbruster.
13.01.2021 | Stand: 14:12 Uhr

Theaterleute sind Nomaden. Festangestellte Schauspieler, Regisseurinnen, Intendanten ziehen oft nach einigen Jahren wieder weiter; das gehört zu dieser Kulturbranche wie der Applaus der Zuschauer. Insofern ist es gar nicht so überraschend, dass die Intendantin des Landestheaters Schwaben, Kathrin Mädler, das Allgäu im Sommer 2022 Richtung Ruhrgebiet verlässt. Wie berichtet, kann sie dann die Leitung des Theaters Oberhausen übernehmen. Eine Herausforderung für die ambitionierte Mädler, schließlich sind Spielstätte und Stadt erheblich größer.

Für Allgäuer Theaterfreunde ist der Weggang freilich bitter. Schließlich hat Kathrin Mädler die Memminger Bühne, die auf die ganze Region ausstrahlt, binnen ihrer vierjährigen Tätigkeit zu prächtiger Blüte gebracht. Auch wenn nicht alle Inszenierungen zündeten, viele Stücke, die sie als Leiterin ermöglichte oder als Regisseurin auf die Bühne brachte, überwältigten das Publikum – inhaltlich wie formal. Mehr noch als ihr Vorgänger Walter Weyers hat sie den Finger am Puls der Zeit. Die Inszenierungen, oft unkonventionelle Ur- und Erstaufführungen, greifen Themen der Zeit auf, untersuchen aktuelle politische, gesellschaftliche und ökonomische Verhältnisse wie die Flüchtlingsdramen, die Klimakatastrophe oder die Genderdebatten. Gern beleuchten sie auch die Geschichte, um sie nach dem Hier und Heute zu befragen.

Kathrin Mädler hat ihr Theater mit anderen Insitutionen verzahnt

Das präsentieren Mädler und ihr Team nicht trocken, abgehoben oder abstrakt, sondern unterhaltsam, bisweilen bissig-satirisch. Die Theaterfrau mit dem Doktortitel verzahnt ihre Bühne zudem mit anderen Institutionen. Und im vergangenen Coronasommer schickte sie ihre Spieler in den Stadtraum. Kein Wunder, dass ihr Haus den Theaterpreis des Bundes erhielt.

Mädler hat also Theater im besten Sinn ermöglicht und vergessen lassen, dass das Allgäu fern der großen, bedeutenden Häuser liegt. Mit Leidenschaft und Mut hat sie das – ständig wachsende – Publikum zum Nachdenken und zum Lächeln gebracht. Und noch ein Verdienst muss erwähnt werden: Sie hat das Theater zu einer unüberhörbaren Stimme im gesellschaftlichen Diskurs werden lassen. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger wird es also nicht leicht haben. Die Latte liegt hoch, dem Zweckverband des Landestheaters Schwaben mit dem Memminger Oberbürgermeister Manfred Schilder an der Spitze ist ein gutes Händchen bei der Suche zu wünschen.

Silvia Armbruster, Direktorin am Theater in Kempten.
Silvia Armbruster, Direktorin am Theater in Kempten.
Bild: Ralf Lienert

Silvia Armbruster lockt immer mehr Zuschauer ins Theater

Dass die Allgäuer Theaterlandschaft so herrlich blüht, ist aber nicht nur Kathrin Mädler zu verdanken, sondern noch einer weiteren Frau: Silvia Armbruster, der Chefin des Theaters in Kempten. Die seit 2015 amtierende Intendantin hat ihrem Haus, das personell und finanziell erheblich kleiner dimensioniert ist als das Landestheater, zu einem erstaunlichen Höhenflug verholfen. Seit sie das Zepter in der Hand hat, steigen die Besucherzahlen kontinuierlich – binnen vier Jahren von 17 000 auf 26 000. Plus weitere 5000 durch den Märchensommer in den Sommermonaten. Beharrlich arbeitet sie daran, das einstige Gastspieltheater mit wenigen Eigenproduktionen zu einem Repertoiretheater mit Gastspielen umzuwandeln und ihr kleines Ensemble zu vergrößern. Gerade hat sie einen weiteren Schauspieler auf einer halben Stelle eingestellt. Nun will sie eine Liga höher steigen und in den Deutschen Bühnenverein aufgenommen werden. Das würde Zuschüsse vom Freistaat Bayern bringen. Armbrusters Schauspiel-Welt atmet übrigens denselben Geist wie jene von Kathrin Mädler: Auch sie möchte nichts Belanglos-Banales auf die Bühne bringen, sondern Themen, die relevant sind. Man darf annehmen, dass anderswo diese erfolgreiche Arbeit aufmerksam verfolgt wird ...

Zwei Frauen sorgen für ein Allgäuer Theaterwunder

Silvia Armbruster und Kathrin Mädler haben ein kleines Allgäuer Theaterwunder beschert. Sie machen so attraktive Angebote, dass wieder mehr Menschen, auch junge ins Theater gehen, dieser bisweilen belächelten Kunstform. Solange wir solche Theatermacherinnen haben, wird den Zuschauerinnen und Zuschauern nicht langweilig werden.