Buch "Herzblessuren"

Was bewegt die junge Poetry Slammerin Ines Stohmaier? Ihr Gedichtband gibt Auskunft

Ines Strohmaie _Autorenbild

Einen Gedichtband hat die 19-jährige Poetry Slammerin Ines Strohmaier veröffentlicht.

Bild: Fabian Fischer

Einen Gedichtband hat die 19-jährige Poetry Slammerin Ines Strohmaier veröffentlicht.

Bild: Fabian Fischer

Die junge Autorin und Poetry Slammerin Ines Strohmaier aus dem Kleinwalsertal schreibt in ihrem Gedichtband „Herzblessuren“ über das, was sie bewegt. Das ist nicht nur Liebesleid
19.12.2020 | Stand: 17:30 Uhr

Herzblessuren – ein Buch, das solch einen Titel trägt, hört sich nach Herz und Schmerz, also nach Liebe und Leid, Lachen und Weinen an. Zumal wenn es von einer jungen Frau geschrieben worden ist. Aber diese Überschrift legt eine falsche Fährte. Der Autorin Ines Strohmaier, gerade mal 19 Jahre alt, geht es nicht nur um Liebe und das Leid, das so gerne beschrieben und besungen wird. Die meisten ihrer 30 kürzeren und längeren Geschichten haben mit allem Möglichen aus ihrem Leben zu tun. Sie sei, so schreibt Strohmaier im Vorwort, auf der Suche nach sich selbst und einem von Liebe erfüllten Leben – „mit allem was dazugehört“. Kein Wunder, dass eine wie sie, die sensibel fühlt und viel nachdenkt, in der relativ kurzen Zeit von 19 Jahren genügend Stoff für Blessuren findet.

Ines Strohmaier war bei Poetry Slams erfolgreich

Die junge Frau aus Rietzlern im Kleinwalsertal, die seit ein paar Monaten auch Zugabe-Kolumnen für unsere Zeit schreibt, hat einen speziellen Weg gefunden, um das auszudrücken, was sie sieht, hört, fühlt, denkt. Strohmaier fasst dies in Reime, mal gebunden, mal ungebunden, und trägt sie bei Poetry Slams, den Dichterwettbewerben vorwiegend junger Leute, vor. Sie hat sich damit einen Namen gemacht. 300 Mal stand sie in ihrem kurzen Leben schon auf Bühnen, meist als Lyrikerin. Im Jahr 2018 gewann die den Vize-Titel bei der Vorarlberger U19-Slam-Meisterschaft, den bayerischen U20-Vize-Titel errang sie 2019.

Wer so oft mit den eigenen Gedichten, Geschichten und Gedanken an die Öffentlichkeit geht, sammelt viel Material, und Ines Strohmaier bringt sie nun in Buchform auf den Markt. Übrigens nicht zum ersten Mal. 2018 erschien der Lyrikband „Nach(t)denken“, ein Fotogedichtbuch unter dem Titel „Fragmente“, den sie zusammen mit dem Fotografen Fabian Fischer schuf, steht kurz vor der Veröffentlichung.

Die Lippen werden sich nicht mehr vereinigen ...

Was bewegt diese junge Frau genau? Natürlich ist es ganz Persönliches wie Liebesleid und Herzschmerz. Im großartigen Gedicht „Zwei Meter“ beginnt sie so: Zwei Meter / Zwischen deinen Lippen und meinen. / Du sagst mir, sie werden sich nie mehr vereinen. Und so endet es: Auch wenn jeder Herzschlag dich jetzt noch vermisst, / ist es so, dass du meine schönste Narbe bist.

In „14 Stunden“ sinniert Ines Strohmaier übers Abhauen: Einfach 14 Flugstunden zwischen sich und dem bisherigen Leben bringen. Sie verbindet den Genuss von (zu viel) Rotwein mit Liebesgefühlen („Rotweinblessuren“). Gleichzeitig denkt sie über die Gott und Welt nach, übt Gesellschaftskritik mit philosophischen Anklängen – etwa in „Tischlein deck dich“, wo es um den Hunger von Kinder geht. Oder reflektiert über sexuelle Gewalt gegen Frauen.

Ines Strohmaier weckt Emotionen

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Es klingt gut, wie Strohmaier ihr Denken und Fühlen mit dem verknüpft, was sie sieht und weiß. Sie kann daraus stimmige Szenen und Assoziationen schaffen, Emotionen wecken. Das erkannte auch der Chef des Lektora-Verlags, der sie bei Poetry Slams erlebt hatte. Er hat sie regelrecht überreden müssen, ihm ihre Manuskripte zuzusenden, damit er ein Buch daraus machen kann, berichtet die Autorin.

Die Gedichte sind aufgrund ihres eigenwilligen Sprachrhythmus’ nicht immer leicht zu lesen. Wahrscheinlich, weil Strohmaier sie vor allem fürs Vortragen auf Slam-Bühnen geschrieben hat. Wer sie hören möchte, für den liefert das Buch QR-Codes zu den meisten Texten mit; diese kann man mit dem Smartphone scannen und gelangt dann zu Tonaufnahmen, in denen die Autorin ihre Gedichte vorliest.

Sie hat genau das richtige Studium gewählt

Ines Strohmaier studiert Literarisches Schreiben in Biel (Westschweiz). Sie habe genau das Richtige gewählt, sagt sie am Telefon, und es klingt euphorisch. Allerdings fehlen ihr die Auftritte auf den Poetry-Slam-Bühnen, die ja wegen Corona derzeit nicht möglich sind. Und die Vorlesungen können nur online stattfinden. Sie wisse, so fügt sie an, dass sie auf dem richtigen Weg sei und Schriftstellerin werden möchte. Das Buch „Herzblessuren“ ist ein wesentlicher Schritt auf diesem Weg.

Ines Strohmaier: Herzblessuren. Lektora-Verlag. 136 Seiten; 13,90 Euro.