Kommt im April die Wende?

Der trockenste März seit 50 Jahren - und nun wieder Schnee?

Der März war in der Region so trocken wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Unser Bild zeigt einen Acker bei Wolfertschwenden im Kreis Unterallgäu.

Der März war in der Region so trocken wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Unser Bild zeigt einen Acker bei Wolfertschwenden im Kreis Unterallgäu.

Bild: Matthias Becker

Der März war in der Region so trocken wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Unser Bild zeigt einen Acker bei Wolfertschwenden im Kreis Unterallgäu.

Bild: Matthias Becker

Bis Ende März wird es im Allgäu wohl nicht mehr regnen. Der Pegel sinken immer weiter. Wie geht das Allgäu dagegen vor und wie ist die April-Vorhersage?
26.03.2022 | Stand: 09:11 Uhr

In Sachen Trockenheit ist der März 2022 weiter auf Rekordkurs: Bisher ist beispielsweise in Teilen des südlichen Allgäus überhaupt noch kein Niederschlag in diesem Monat gefallen. An der Wetterstation Kempten waren es gerade einmal 0,9 Liter Regen pro Quadratmeter im ersten Frühlingsmonat. Zur Einordnung: Die langjährige durchschnittliche Niederschlagsmenge in einem März liegt an der Wetterstation Kempten bei 117 Litern pro Quadratmeter und in Oberstdorf fallen in diesem Monat im Schnitt 137 Liter.

Niedrige Wasserstände: 1972 hat es im Allgäu ähnlich wenig geregnet

„Der diesjährige März ist damit einer der trockensten in der Klimageschichte“, sagt Joachim Schug, Chefmeteorologe bei Meteogroup. Nur 1972, 1929 und 1918 sei es ähnlich niederschlagsarm gewesen, erzählt Schug mit Blick auf die Statistik. Entsprechend sind die Pegel vieler kleiner Bäche im Allgäu auf ein Minimum gefallen.

Anders ist die Situation an der Iller und an alpinen Bächen, die vom Schmelzwasser aus den Bergen gespeist werden. Die tagsüber hohen Temperaturen und das sonnige Wetter bewirken mit dem in der vergangenen Woche abgelagerten Saharastaub eine schnellere Schneeschmelze: Eis- und Schneeoberflächen nehmen durch die dunklere Färbung mehr Sonnenstrahlung auf, was zu einer stärkeren Erwärmung führt. So schmelzen mit dem gelb-roten Saharastaub bedeckte Schneeflächen und Gletscher schneller.

Klimawandel sorgt für Trockenheit und Waldbrandgefahr im Allgäu

Zurückgehende Grundwasserpegel registriert das für das gesamte Allgäu zuständige Wasserwirtschaftsamt in Kempten bereits seit dem Hitzesommer 2003. Ursachen seien offensichtlich der Klimawandel mit zunehmend heißen und trockenen Wetterperioden im Sommer und jetzt auch der trockene Winter, sagt Behördenchef Karl Schindele. Wegen der Trockenheit herrscht derzeit auch eine große Waldbrandgefahr. Die Regierung von Schwaben hat deshalb eine „Luftbeobachtung“ angeordnet. Vom Flugzeug aus überprüfen speziell ausgebildete Kräfte, ob es Brandherde in den Wäldern gibt.

(Lesen Sie auch: Waldbrandgefahr im Allgäu weiterhin groß: Was Auslöser sein können)

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Wie es an den letzten Märztagen weitergeht? Bis Ende des Monats sei zumindest noch mit etwas Regen oder Schnee zu rechnen, prognostiziert Meteorologe Joachim Schug. Mehr als fünf Liter pro Quadratmeter im Unterland und 15 Liter in den Bergen seien aber nicht zu erwarten. Zudem soll es im Laufe der kommenden Woche deutlich kälter werden.

Zuerst Schnee, dann trocken und warm: So lauten die Prognosen für den April im Allgäu

Im höheren Allgäu könnte der 1. April sogar etwas Schnee bringen. „Das ist kein Scherz“, sagt Schug. Der Kälteeinbruch sei aber nur vorübergehend: Bereits zum ersten Aprilwochenende werde wieder mit milderen Temperaturen gerechnet. Allerdings werde der April vor allem in der ersten Monatshälfte im Allgäu nicht so trocken wie der März. Schugs Prognose für die zweite Aprilhälfte lautet jedoch: „Eher wieder trocken und warm.“ Auch der Sommer fällt laut Langzeitprognosen im Juni und Juli zu warm aus im Vergleich zum langjährigen klimatologischen Mittel.

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