Projekt der Hochschule Kempten

Wie Digitalisierung der Pflege im Allgäu helfen kann

Die Lebensqualität von Senioren verbessern - das ist das Ziel des Projekts Care Regio.

Die Lebensqualität von Senioren verbessern - das ist das Ziel des Projekts Care Regio.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Die Lebensqualität von Senioren verbessern - das ist das Ziel des Projekts Care Regio.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Die Hochschule Kempten arbeitet an einem Projekt, das Fachkräfte entlasten und Senioren unterstützen soll. Was ein Boden mit Sensoren damit zu tun hat.
19.03.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Durch den Einsatz von technisch-digitalen Systemen sollen Pflegekräfte, pflegende Angehörige und Pflegebedürftige entlastet werden: Dies ist das Ziel des Projekts Care Regio, an dem auch die Hochschule Kempten beteiligt ist. Am Donnerstag hat Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) den Verantwortlichen einen Förderbescheid in Höhe von über sechs Millionen Euro überreicht.

Digitalisierung in der Pflege schafft Daten für die Forschung

Doch wie kann Digitalisierung in der Pflege helfen? Professorin Petra Friedrich, die Projektleiterin, nennt ein Beispiel: Ein 70-Jähriger stürzt und erleidet einen Oberschenkelhalsbruch – eine klassische Verletzung bei Senioren. Er kommt in eine Klinik, wird operiert und entlassen, dann beginnt der Papierkram. Nach einer Operation müssen die Patienten nicht selten in Reha-Einrichtungen oder Pflegeheime. Medizinische Berichte würden auch heute noch häufig dorthin gefaxt, sagt Friedrich. „Wir wollen das Vorgehen generalisieren und digitalisieren.“

Auch ambulante Pflegedienste sollen von den digitalen Berichten profitieren. Auszüge davon sollen anonymisiert und der Forschung zur Verfügung gestellt werden. Ist der alleinstehende 70-Jährige schließlich wieder zuhause, können ihm Assistenzsysteme helfen – beispielsweise ein Sensorboden, der bemerkt, wenn der Mann erneut stürzt. „Es gibt bereits zahlreiche solcher Hilfsmittel, aber nicht alle kennen sie auch“, sagt Petra Friedrich. Care Regio will daran mitwirken, dass die Senioren die passenden Hilfsmittel erhalten und so ihre Lebensqualität verbessern.

Frei zugängliche Lehr- und Nachschlageplattform

Ein weiterer Aspekt dieses Projekts ist die Erstellung einer frei zugänglichen Lehr- und Nachschlageplattform für Pflegefachkräfte, Auszubildende und pflegende Angehörige. Das gesamte Vorgehen wird laut Friedrich wissenschaftlich begleitet, dabei spiele auch die Ethik eine wichtige Rolle.

An Care Regio beteiligt sind neben der Hochschule Kempten die Universität Augsburg, das Universitätsklinikum Augsburg sowie die Hochschulen Neu-Ulm und Augsburg. Das Projekt läuft bis September 2024 in Bayerisch-Schwaben.

Projekt als Blaupause

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„Care Regio kann aber als Blaupause dienen und ist von Bedeutung für ganz Bayern und darüber hinaus“, sagte Gesundheitsminister Holetschek bei der Scheckübergabe. Thomas Kreuzer, der CSU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, betonte: „Es geht nicht darum, menschliche Nähe durch Technik zu ersetzen.“ Im Gegenteil: Durch vereinfachte Prozesse bleibe im Optimalfall mehr Zeit für eine pflegebedürftige Person.

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