Volksbefragung

Für den Zensus 2022 fehlen im Allgäu noch Interviewer

Die Befragung von Haushalten – der Zensus – beginnt auch im Allgäu am kommenden Montag.

Die Befragung von Haushalten – der Zensus – beginnt auch im Allgäu am kommenden Montag.

Bild: Daniel Karmann, dpa

Die Befragung von Haushalten – der Zensus – beginnt auch im Allgäu am kommenden Montag.

Bild: Daniel Karmann, dpa

Montag startet Zensus 2022, der Informationen über die Haushalte liefern soll. Behörden warnen vor Trickbetrügern und erklären, wie man echte Befrager erkennt.
12.05.2022 | Stand: 08:40 Uhr

Die nächste Volkszählung beginnt am Montag (16. Mai) – doch auch im Allgäu fehlt es teilweise noch an Interviewern für den „Zensus 2022“, wie die Aktion offiziell heißt. Dabei werden unter anderem Alter, Familienstand und Haushaltsgröße abgefragt.

„Werden Sie Interviewerin oder Interviewer beim Zensus 2022“, wirbt das Statistische Landesamt auf seiner Internetseite. Auf einer Karte sind die Landkreise und kreisfreien Städte dargestellt, in denen noch Befragerinnen und Befrager fehlen, im Allgäu sind es das Unter-, Ober- und Ostallgäu sowie Memmingen. Komplett sind demnach Kempten, Kaufbeuren und der Kreis Lindau. Beispiel Kaufbeuren: Dort suchen 40 Personen 617 Adressen auf.

Jetzt noch melden, wer Interviewer für Zensus 2022 werden möchte

Etwa 220 Interviewer haben sich bisher im Landkreis Ostallgäu angemeldet, um dort die ausgewählten 10.396 Anschriften mit 39.652 registrierten Bewohnern zu befragen, sagt Kreissprecher Stefan Leonhart. „Im südlichen Landkreis besteht zum Teil noch Bedarf, zum Beispiel für die Gemeinden Pfronten, Halblech oder Schwangau.“ Die Stadt Memmingen benötigt für die 641 zu befragenden Haushalte etwa 45 Erhebungsbeauftragte.

Derzeit sind es erst 33, sagt Sprecherin Alexandra Wehr. Der Landkreis Oberallgäu braucht 295, hat aber erst 185. Auch Kempten sucht trotz der Info des Landesamts weitere Befrager. Dort seien einige der 75 benötigten Personen nach der Schulung wieder abgesprungen, erklärt Daniel Gern, der bei der Stadtverwaltung für den Zensus zuständig ist. Was passiert, wenn nicht ausreichend Interviewer gefunden werden oder Kreise und Städte nicht alle geforderten Interviews weiterleiten, ist noch unklar. "Wir müssen liefern...", sagt Franziska Springer, Pressesprecherin des Landkreises Oberallgäu.

Wer Interesse als Befragerin oder Befrager hat, kann sich auch jetzt noch bei der jeweiligen Erhebungsstelle melden. Es gebe dann entsprechende Nachschulungen. Was Interviewer alles zu beachten haben, regelt ein Handbuch auf 178 Seiten.

Zensus 2022 lockt Betrüger an

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Die Erfahrungen aus dem letzten Zensus von 2011 zeigten, dass sich auch Betrüger die Volksbefragung zunutze machten und an Haustüren und Telefonen beispielsweise Kontodaten, PIN-Codes oder das Einkommen erfragen wollten. Als Gegenzug gab es Geldversprechen für die „Teilnahme“. Entsprechend warnt das Statistische Landesamt vor Trittbrettfahrern.

„Die offiziellen Interviewer haben einen speziellen Ausweis samt Foto, den wir als Erhebungsstelle ausstellen – und sie zeigen unaufgefordert auch ihren Personalausweis“, erklärt Daniel Gern. Zudem kündigen sie ihr Kommen per Brief vorher an. Wer Zweifel hat, soll sich an die jeweilige Erhebungsstelle wenden.

Doch was passiert, wenn sich ein Haushalt trotz gesetzlicher Auskunftspflicht nicht interviewen lassen will oder niemand aufmacht? „Sollte der Haushalt nicht angetroffen werden, erfolgt ein zweiter Termin. Sollte auch hier niemand angetroffen werden, wird der Fall an die Erhebungsstelle abgegeben und es erfolgt von dort aus ein Mahnverfahren“, erläuter Kaufbeurens Pressesprecher Tobias Müller. Wer dann immer noch keine Auskünfte gebe, muss mit mehreren hundert Euro Strafgeld rechnen.

Daten des Zensus 2022 werden anonym weitergegeben

Dabei sei die knapp zehnminütige Befragung eigentlich unproblematisch für die Teilnehmer, ergänzt Daniel Gern. Denn die Daten würden ausschließlich anonym an das Statistische Landesamt weitergeben – „und zum Beispiel nicht ans Sozialamt oder eine andere Behörde“. Die Befragten brauchen die Interviewer auch nicht in ihre Wohnung zu lassen. „Nach Möglichkeit werden die Erhebungsbeauftragten auch nicht direkt am eigenen Wohnort zugeteilt, sodass es nicht zu häufigeren Begegnungen mit Bekannten kommt“, sagt Wehr.

In Memmingen bekommen die Befrager eine Aufwandsentschädigung von durchschnittlich 800 Euro, andere Kommunen nennen zehn Euro pro Interview – steuerfrei. Die verwendeten Tablets müssen übrigens zurückgegeben werden – sie sollen nach den Befragungen in bayerischen Schulen zum Einsatz kommen.

Hintergrund der Volksbefragung

  • Alle zehn Jahre findet in Deutschland eine Volksbefragung statt – der sogenannte Zensus. Er soll vor allem klären, wie viele Menschen in Deutschland und in den jeweiligen Kreisen und Kommunen leben. Zudem geht es darum, wie die Menschen hier leben – also auch um die Wohnungs-, Sozial- oder Arbeitssituation.
  • Die Erhebung startet am Montag, 16. Mai, und geht zwölf Wochen lang.
  • Stichprobenartig wählen die jeweiligen Landesbehörden die Teilnehmer aus. Die Teilnahme ist Pflicht. Wer sich weigert, wird erst freundlich schriftlich aufgefordert, dann droht ein Zwangsgeld von mehreren hundert Euro.
  • Wer jetzt noch Befragerin oder Befrager werden will, kann sich bei seiner jeweiligen Kommune bzw. beim Kreis melden. Es gibt eine Aufwandsentschädigung. Weitere Informationen gibt es unter www.statistik.bayern.de

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