Augsburg

Tragödie in Augsburg: Mann springt von Rathausdach

Ein junger Mann war auf die Spitze des Rathauses geklettert und stürzte sich vor den Augen der Besucher des Christkindlesmarkt in den Tod.

Ein junger Mann war auf die Spitze des Rathauses geklettert und stürzte sich vor den Augen der Besucher des Christkindlesmarkt in den Tod.

Bild: Bernd Hohlen

Ein junger Mann war auf die Spitze des Rathauses geklettert und stürzte sich vor den Augen der Besucher des Christkindlesmarkt in den Tod.

Bild: Bernd Hohlen

Passanten beobachten am Samstagmittag einen Mann, der das Augsburger Rathaus emporkletterte. Polizei und Feuerwehr rücken an. Der Einsatz endet tragisch.
27.11.2022 | Stand: 21:53 Uhr

Eine Tragödie hat den ersten Adventssamstag in Augsburgs Innenstadt überschattet. Ein Mann ist vor den Augen zahlreicher Besucher des Christkindlesmarkts vom Dach des Rathauses gesprungen. Zuvor hatte der Mann einen großen Einsatz ausgelöst.

Die Stadt informierte daraufhin am Nachmittag, dass das für Samstagabend (18 Uhr) angekündigte Engelesspiel abgesagt wird. Der Christkindlesmarkt bleibt am Samstag bis 21.30 Uhr geöffnet. Mitarbeiter des Kriseninterventionsdienstes und speziell geschulte Polizisten waren vor Ort, um sich um Augenzeugen zu kümmern. Die Stadt verweist auch auf die Angebote der Telefonseelsorge, die von Betroffenen in Anspruch genommen werden können.

Mann klettert nahe des beliebten Christkindlesmarkts an Fassade empor

Aufregung hatte sich gegen Mittag auf dem Augsburger Rathausplatz breit gemacht. Teilnehmer einer Stadtführung hatten gegen 12.15 Uhr am Elias-Holl-Platz einen Mann entdeckt, der an der Rückseite das Rathaus erkletterte.

Über Balustraden gelangte er auf eine Art Balkon, dann war er zunächst nicht mehr gesehen. Ein Augenzeuge berichtet, der Mann habe wirr gesprochen. Bald wurde der Mann von Einsatzkräften auf der Spitze des Dachs an der Vorderseite des historischen Gebäudes entdeckt. Berufsfeuerwehr und Polizei rückten mit zahlreichen Einsatzfahrzeugen an. Auch Höhenretter der Feuerwehr waren vor Ort. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei wurde mit zusätzlichen Höhenrettern angefordert. Der Verkehr der Straßenbahnlinie 1 wurde unterbrochen.

Bereich vor dem Augsburger Christkindlesmarkt wurde abgesperrt

Der Bereich vor dem gut besuchten Christkindlesmarkt am Rathaus wurde abgesperrt. Die Polizei mahnte über Durchsagen, den betroffenen Bereich zu meiden. Trotzdem blieben zahlreiche Schaulustige an den Absperrbändern stehen. Vor dem Rathaus wurde ein Sprungkissen aufgeblasen. Kurz darauf aber sprang der Mann vom Dach und starb.

Einsatzkräfte kümmerten sich anschließend um unter Schock stehende Augenzeugen. Am Christkindlesmarkt lief der Betrieb weiter. Ein Sichtschutz wurde vorübergehend aufgestellt, der Bereich vor dem Rathaus und ein Teil der Maximilianstraße bis kurz vor der Moritzkirche blieben bis gegen 14.45 Uhr abgesperrt. Auch Oberbürgermeisterin Eva Weber und Ordnungsreferent Frank Pintsch waren vor Ort.

Einsatzkräfte betreuen unter Schock stehende Augenzeugen

In einer städtischen Mitteilung äußerte sich Eva Weber zu dem Vorfall: "Die adventliche Stimmung in Augsburg ist heute durch ein schreckliches Ereignis jäh unterbrochen worden. Ein Mensch hat sich entschieden, mitten im Herzen unserer Stadt seinem Leben ein Ende zu bereiten. Wir wissen nicht, was ihn dazu bewogen hat und wollen seine Beweggründe nicht be- oder verurteilen. Aber wir sind alle sehr erschüttert über diese Tragödie und trauern um den Unbekannten, der für sich keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat, als seinem Leben mit einem Sprung vom Rathaus ein Ende zusetzen." Es sei jetzt an der Zeit für die Augsburgerinnen und Augsburger, innezuhalten und zusammenzustehen. Weber dankte allen Einsatzkräften "für ihr hochprofessionelles Engagement."

Der wöchentliche Demonstrationszug des "Bürgerforums Schwaben" durch die Innenstadt, der auch am Rathaus vorbeiführen sollte, wurde von den Organisatoren ebenfalls abgesagt.

Manche waren froh, dass der Christkindlesmarkt in Augsburg weiterlief

Im Internet wurde diskutiert, ob man den Christkindlesmarkt nicht doch hätte schließen müssen. Ordnungsreferent Frank Pintsch betonte, dass die Absage des Engelesspiels, das in den Fenstern des Rathauses stattfindet, wichtig und der Situation angemessen sei. Dass der Markt aber weiter geöffnet habe, sei für die Menschen auch wichtig. Augsburg komme aus einer schwierigen Zeit der Pandemie. Für viele sei eine Ablenkung bedeutend.

Das sehen auch Renate Bläsing und Peter Ratte so. Die beiden stehen am späteren Nachmittag bei der Engelspyramide und trinken Glühwein. Den Vorfall finden beide schlimm und traurig. "Dass das Engelesspiel abgesagt wurde, ist aus Pietätsgründen richtig", sagen sie. Aber auch die Entscheidung, den Christkindlesmarkt offenzulassen. "Die Menschen brauchen in diesen Zeiten ein geselliges Beisammensein, vor allem auch nach so einem Vorfall." Eine Händlerin, die ihren Stand in der Nähe des Rathauses betreibt und den Einsatz mitbekam, sieht das auch so. Sie sei froh, dass sie sich nun ablenken könne, meint sie.

Kriseninterventionsteam am Markt im Einsatz

Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr kümmerten sich um die Menschen auf dem Markt und um etwaige Augenzeugen. Der Rettungsdienst mit Kriseninterventionsdienst war mit über 60 Helferinnen und Helfern unterwegs, wie auch die Polizei. Sie sprachen aktiv Passantinnen und Passanten an, boten ihre Hilfe und Gespräche an. Teilweise wurde das Angebot auch dankbar angenommen.

Großeinsatz am Augsburger Rathaus: Ein Bus stand für unter Schock stehende Augenzeugen bereit.
Großeinsatz am Augsburger Rathaus: Ein Bus stand für unter Schock stehende Augenzeugen bereit.
Bild: Annette Zoepf

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