Corona-Lage in Bayern immer schlimmer

Macht Omikron Bayerns Kampf gegen die vierte Welle zunichte?

Wie hier in Rosenheim stehen in ganz Bayern Menschen teilweise stundenlang für eine Corona-Impfung Schlange.

Wie hier in Rosenheim stehen in ganz Bayern Menschen teilweise stundenlang für eine Corona-Impfung Schlange.

Bild: Peter Kneffel, dpa

Wie hier in Rosenheim stehen in ganz Bayern Menschen teilweise stundenlang für eine Corona-Impfung Schlange.

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Die Furcht vor der Omikron-Variante wächst - erste Fälle wurden in München entdeckt. Doch auch ohne neue Mutation müssen schon Patienten ausgeflogen werden.
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dpa
28.11.2021 | Stand: 09:40 Uhr

In München sind nach Angaben des zuständigen Max-von-Pettenkofer-Instituts zwei Fälle der neuen Omikron-Variante des Coronavirus nachgewiesen worden. Die beiden Reisenden seien am 24. November mit einem Flug aus Südafrika eingetroffen, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Samstag. Nach Angaben des Institutsleiters und Virologen Oliver Keppler steht eine Genomsequenzierung noch aus. Aber es sei "zweifelsfrei bewiesen, dass es sich um diese Variante handelt", sagte er auf Anfrage. Die Kombination aus einem mutationsspezifischen PCR-Test und der Reiseanamnese lasse keinen Zweifel zu.

Im besonders hart von der vierten Corona-Welle getroffenen Bayern kämpfen derweil Ärzte, Pfleger und Politik weiter mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die ausgeuferte Corona-Welle, während sich die Anzeichen für einen bevorstehenden Lockdown mehren. Nach einem Vorschlag der wissenschaftlichen Akademie Leopoldina für einen Lockdown auch für Geimpfte fordern Ministerpräsident Markus Söder und sein Gesundheitsminister Klaus Holetschek (beide CSU) rasche Beratungen auf Bund-Länder-Ebene.

Markus Söder: Leopoldina-Vorschlag ein Corona-"Weckruf"

Die Vorgaben der Leopoldina bezeichnete Söder als "Warn- und Weckruf an Berlin". Söder spielte damit auf das neue Infektionsschutzgesetz an, das er für zu wenig schlagkräftig hält und das aus seiner Sicht rasch nachgebessert werden muss. In Bayern, dem Bundesland mit dem nach Sachsen und Thüringen heftigsten Infektionsgeschehen, gelten noch bis Mitte Dezember ohnehin verschärfte Maßnahmen, vor allem in den Hotspots, wo die Sieben-Tage-Inzidenzen bei mehr als 1000 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern liegt.

Die Leopoldina hatte vorgeschlagen, rasch mehrwöchige Kontaktsperren auch für Geimpfte zu verhängen. Außerdem müssten bis Jahresende 30 Millionen Menschen in Deutschland eine Booster-Impfung erhalten. Eine Impfpflicht, zumindest für Bedienstete im Gesundheitswesen, sei notwendig.

Operation Kleeblatt: Bayern verlegt Corona-Patienten

Unterdessen gingen am Samstag die Verlegungsflüge aus besonders strapazierten bayerischen Krankenhäusern in den Regierungsbezirken Schwaben, Niederbayern und Oberbayern weiter. Bereits am Freitag hatte ein Bundeswehr-Airbus sechs bayerische Intensivpatienten ausgeflogen. Bis zum Samstagabend sollten insgesamt 24 Patienten nach Hamburg und Nordrhein-Westfalen geflogen oder per Bodentransport ins Saarland und nach Rheinland-Pfalz gebracht werden, hieß es aus dem Innenministerium.

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An diesem Sonntag sollte demnach auch der Bundeswehr-Airbus mit seiner "fliegenden Intensivstation" wieder eingesetzt werden. Er hatte bereits am Freitag die ersten sechs Intensivpatienten aus Bayern zum Flughafen Münster/Osnabrück in Nordrhein-Westfalen gebracht.

Die Intensivstationen vieler Krankenhäuser im Freistaat sind überlastet, weil dort viele schwer an Corona erkrankte Menschen versorgt werden müssen. Das Münchner Universitätsklinikum meldete, es sei gelungen, einige zusätzliche Intensivbetten zu mobilisieren, weil Personal mit Intensiverfahrung aus anderen Abteilungen habe herausgelöst werden können.

Aktuelle Corona-Zahlen und Inzidenzwerte in Bayern

Unterdessen sank die Sieben-Tage-Inzidenz in Bayern am Samstag. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche am Samstagmorgen mit 634,5 an - am Tag zuvor lag der Wert bei 652,3.

13.422 neue Infektionen und 72 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona meldeten die bayerischen Gesundheitsämter laut RKI innerhalb von 24 Stunden (Stand: Samstag, 9.45 Uhr).

Die höchste Inzidenz wies demnach der Landkreis Freyung-Grafenau mit 1410,2 aus - gefolgt von den Kreisen Rosenheim und Rottal-Inn. Insgesamt lagen neun Landkreise und Städte über der 1000er-Marke. Am Freitag waren es noch zwölf Regionen (alle aktuellen Inzidenzwerte im Allgäu hier).

Nachdem am Freitag nach RKI-Daten auch im Landkreis Deggendorf die Inzidenz erstmals seit Geltung der neuen Hotspot-Regelung über der 1000er-Schwelle gelegen hatte, griffen nun auch dort die Vorgaben für einen regionalen Hotspot - Restaurants, Hotels, Sport- und Kulturstätten müssen schließen, obwohl die Inzidenz am Samstag wieder unter der 1000er-Grenze lag (950,0).

Der Sozialethiker Andreas Lob-Hüdepohl hat sich gegen eine Benachteiligung ungeimpfter Patienten bei der Behandlung von Covid-19-Erkrankungen ausgesprochen. Entscheidend sei nur die Dringlichkeit einer Behandlung, weniger die Erfolgsaussicht, sagte das Mitglied des Deutschen Ethikrats im Bayerischen Rundfunk.

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