Immer weniger Bauern

Statistik zeigt: Das Höfesterben in Bayern geht weiter

Ein Landwirt düngt auf dem 1055 Meter hohen Auerberg vor dem Panorama der Alpen eine Wiese mit Gülle.

Ein Landwirt düngt auf dem 1055 Meter hohen Auerberg vor dem Panorama der Alpen eine Wiese mit Gülle.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Ein Landwirt düngt auf dem 1055 Meter hohen Auerberg vor dem Panorama der Alpen eine Wiese mit Gülle.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Über Jahrhunderte wurde Bayern von der Landwirtschaft geprägt - nach dem Ersten Weltkrieg gab es fast 700.000 Höfe. Das einstige Bauernland ist keines mehr.
dpa
21.01.2021 | Stand: 18:09 Uhr

Die Zahl der bayerischen Bauern schrumpft unaufhaltsam: Ende 2020 gab es im Freistaat noch 84.600 Höfe, wie das Statistische Landesamt in Fürth am Donnerstag mitteilte. Zehn Jahre zuvor waren es noch über 100.000, zur Jahrtausendwende noch 150.000. Aufgegeben haben in den vergangenen zehn Jahren vor allem hauptberufliche Bauern - mehr als 12.000. Mittlerweile wird auch mehr als die Hälfte der verbliebenen bayerischen Bauernhöfe von ihren Besitzern im Nebenerwerb geführt. Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) plant eine "Hofnachfolgestrategie" inklusive Existenzgründerförderung, wie das Ministerium mitteilte.

Im ganz langfristigen Vergleich wird das Ausmaß des Wandels besonders deutlich: Vor hundert Jahren gab es 670.000 Höfe im damals noch sehr landwirtschaftlich geprägten Bayern. Das Höfesterben ist keine bayerische Besonderheit, die Zahl der Landwirte in ganz Europa geht seit Jahrzehnten zurück. Allerdings macht sich dies im Freistaat besonders bemerkbar, weil Bayern Heimat eines guten Drittels aller deutschen Landwirte ist.

Übrig gebliene Höfe werden größer

"Mit jedem familiären Hof, der aufgegeben muss, stirbt auch ein Stück bayerischer Kultur", sagte Kaniber dazu. Folge des permanenten Strukturwandels ist, dass die übrig bleibenden Höfe im Schnitt größer werden. Die durchschnittliche Betriebsgröße ist innerhalb von zehn Jahren von 32 auf 36 Hektar gestiegen.

Wie weitreichend die wirtschaftlichen Veränderungen auf dem Land sind, zeigt sich aber keineswegs nur an der nackten Zahl der Höfe. Aus der Statistik geht klar hervor, wie viele Bauern ihre Wirtschaftsweise geändert haben, vor allem in der Tierhaltung. Ein Beispiel ist die Käfighaltung von Hühnern. Die Behörde zählte zum Jahresende nur noch gut 22 700 "Haltungsplätze" in Käfigen, vor zehn Jahren waren es noch 1,7 Millionen. Die ehedem üblichen und besonders beengten Legebatterien sind bereits seit 2010 verboten.

Kaniber: Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie

Kaniber plädierte für eine gute Balance zwischen den "gesellschaftlichen Erwartungen an mehr Naturschutz und Tierwohl auf der einen Seite und wirtschaftlichen Zukunftsperspektiven für die Betriebe auf der anderen Seite". Der Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie sei das Ziel einer modernen Landwirtschaftspolitik.

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