Naturschutzwächter Andre Eitler

Dieser Allgäuer vertreibt Müllsünder und Wildcamper am Schrecksee

Er ist der Schreck aller Umweltsünder am Schrecksee! Naturschutzwächter Andre Eitler kämpft gegen Wildcamper an einem der schönsten Flecken im Allgäu.
20.07.2020 | Stand: 16:51 Uhr

Wenn er auftaucht, gibt es lange Gesichter am malerischen Schrecksee in 1813 Metern Höhe. Naturschutzwächter Andre Eitler (33) aus Bad Hindelang weist Wildcamper und Müllsünder im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen in die Schranken. "Ich will, dass unsere wunderbare Allgäuer Bergwelt auch für unsere Kinder erhalten bleibt", sagt der begeisterte Bergsteiger.

Der Forstwirt und frühere Zeitsoldat engagiert sich seit zwei Jahren ehrenamtlich für die bayerische Naturschutzwacht. Bis zu 15 Mal pro Jahr bricht er - meist in der aller Früh - zu Streiftouren in "seinem" Gebiet auf. Zu diesem gehören bekannte Gipfel wie der Iseler, Hochvogel, Nebehorn oder Sonnenköpfe. Und vor allem: der Schrecksee.

Genießen erlaubt: Eine Rast am Schrecksee einzulegen, ist Wanderern erlaubt. Zelten und biwakieren sind jedoch verboten.
Genießen erlaubt: Eine Rast am Schrecksee einzulegen, ist Wanderern erlaubt. Zelten und biwakieren sind jedoch verboten.
Bild: Julian Schmeißer (Archivfoto)

Der Gebirgsee gehört zu den bekanntesten Flecken im Allgäu. Tausende Fotos auf allen Social-Media-Kanälen zeugen davon. Oftmals belassen es Besucher jedoch nicht beim obligatorischen Selfie vor traumhafter Kulisse, sondern stellen gleich ihre Zelte oder Biwaks auf.

Doch genau das ist am Schrecksee - wie generell im Naturschutgebiet Allgäuer Hochalpen - verboten!

Darauf wird auf Schildern explizit hingewiesen. Genau wie auf die Überwachungskamera, die von der Gemeinde Bad Hindelang aufgestellt wurde. Doch an das Verbot hält sich längst nicht jeder. Getreu dem Motto "wird schon keiner merken" übernachten immer wieder Wildcamper am See, stören die Natur und lassen teils sogar noch ihren Müll liegen.

Umso mehr sind sie verwundert, wenn plötzlich Andre Eitler vor ihnen steht und seinen Ausweis zeigt. Als einer von 19 Naturschutzwächtern im Allgäu unterstützt ehrenamtlich die Natuschutzbehörden und die Polizei. Wenn er Übertritte gegen Rechtsvorschriften feststellt, zählt zu seinen Aufgaben:

  • Personalien festellen
  • Platzverweise auszusprechen
  • Verstöße an die Behörden zu melden, damit diese Strafen oder Geldbußen verhängen

Wer am Schrecksee und generell auf dem Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen zeltet, muss mit einer Geldbuße von 400 Euro rechnen.

 

Im Interview berichtet Andre Eitler von seinen Einsätzen:

Wie reagieren Wilcamper, wenn Sie von Ihnen am Schrecksee aufgeschreckt werden?

Andre Eitler: Die meisten sind erst einmal überrascht, dass ich in aller Frühe auftauche. Ich laufe oft schon nachts um 2 Uhr los. Wenn ich Personalien notieren will, reagieren manche aggressiv. Teils auch, weil sie noch betrunken sind. Nach längeren Diskussionen beruhigt sich die Lage dann. Wenn die Leute erfahren, dass ich das ehrenamtlich mache, wird der Ton freundlicher. Meist sind es jüngere Leute zwischen 18 und 40 Jahre, die den Schrecksee aus Social Media kennen.

Wie oft stellen Sie Müllsünder und Wildcamper?

Andre Eitler: Pro Streifgang gibt es im Schnitt eine Beanstandung. Ich bin nicht nur am Schrecksee unterwegs, sondern in meinem gesamten zugewiesenen Gebiet.

Wie wurden Sie Naturschutzwächter?

Andre Eitler: Als vor vier Jahren die Situation am Schrecksee immer übler wurde, habe ich mir einen Ruck gegeben und mich für die Naturschutzwacht bei der Unteren Naturschutzbehörde beworben. Ich will die Leute für den Erhalt der Bergwelt sensibilisieren. Nach einer Ausbildung an der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) in Laufen bin ich seit zwei Jahren als Naturschutzwächter im Einsatz.

Aktuell ist der Ansturm auf die Alpen groß. So ging beispielsweise die Bergwacht im Außerfern hart gegen Wilcamper vor. Wie wirkt sich die gestiegene Zahl von Tagestouristen in den Bergen auf ihr ehrenamtliches Engagement aus?

Andre Eitler: Durch die große Zahl von Tagestouristen kommen leider auch mehr Leute in die Berge, für die die Natur nur eine Kulisse ist. Das Bewusstsein für den Naturschutz, zu dem ja auch beispielsweise gehört, auf den Wegen zu bleiben, ist nicht so stark ausgeprägt wie das bei Einheimischen oder bei Stammgästen der Fall ist. Das kann man sicher nicht verallgemeinern. Auch unter den Tagestouristen gibt es viele vernünftige Leute. Aber mir fällt auf, dass mit dem Andrang die Rücksichtslosigkeit in diesem Jahr zugenommen.

 

Infos zur Naturschutzwacht

In Bayern gibt es über 800 Naturschutzwächter. Die Angehörigen der bayerischen Naturschutzwacht sind ehrenamtlich engagierte Mitglieder der unteren Naturschutzbehörden, die Bürger vor Ort über den richtigen Umgang mit der Natur informieren und die Einhaltung der Naturschutzgesetze überwachen. Sie haben die Aufgabe, Verstöße gegen das Naturschutzrecht in der freien Natur festzustellen, zu verhüten und zu unterbinden. Wer sich ehrenamtlich als Naturschutzwächter engagieren will, kann sich bei der zuständigen untere Naturschutzbehörde am Landratsamt bzw. bei der kreisfreien Stadt melden.

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