News zur Grippewelle 2020/2021

Grippewelle 2020/2021: Spahn widerspricht Befürchtungen über Engpass bei Grippe-Impfstoff

Besonders in der kalten Jahreszeit ist das Risiko erhöht, sich eine Grippe einzufangen.

Besonders in der kalten Jahreszeit ist das Risiko erhöht, sich eine Grippe einzufangen.

Bild: Maurizio Gambarini, dpa (Symbolbild)

Besonders in der kalten Jahreszeit ist das Risiko erhöht, sich eine Grippe einzufangen.

Bild: Maurizio Gambarini, dpa (Symbolbild)

Die Grippewelle 2020/2021 wirft ihre Schatten voraus. Doch eine Grippeschutzimpfung ist vielerorts schwierig derzeit - der Impfstoff fehlt. Hier die News zu Influenza.
Besonders in der kalten Jahreszeit ist das Risiko erhöht, sich eine Grippe einzufangen.
Von Allgäuer Zeitung
17.10.2020 | Stand: 15:24 Uhr

Die jährliche Grippewelle könnte zum Jahreswechsel 20/21 eine besondere Brisanz bekommen. Denn bis dahin dürfte die Corona-Pandemie noch nicht im Griff sein. Hier im Newsblog berichtet die Allgäuer Zeitung über die aktuelle Entwicklung in Sachen Influenza.

17. Oktober: Apotheken klagen vielerorts über fehlenden Grippe-Impfstoff

Während Bundesgesundheitsminister Spahn versichert, es sei genug Grippe-Impfstoff da, widersprechen Patienten und Apotheker vor Ort. „Wir haben gar keinen Impfstoff mehr“, sagt etwa Armin Kling, Inhaber der Post-Apotheke in Weiler-Simmerberg. Und auch Alexander Reichert von der Brunnen-Apotheke in Kaufbeuren erzählt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir sind fast blank, was den Grippe-Impfstoff angeht.“ Daniel Hierl, Apotheker und Inhaber der Stadt-Apotheke in Füssen, hatte am Donnerstag sogar einen Kunden, der in elf Apotheken versuchte, noch eine Impfdose zu ergattern. „Das ist ein irrer Aufwand für alle“, sagt Hierl.

15. Oktober: Spahn widerspricht Befürchtungen über Engpass bei Grippeschutzimpfungen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Befürchtungen vor Versorgungsengpässen beim Grippeimpfstoff zurückgewiesen und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen. Es könne momentan lokal und zeitlich zu Lieferengpässen kommen, sagte er am Mittwoch in Berlin. "Das heißt aber nicht, dass wir Versorgungsengpässe bei diesem Grippeimpfstoff haben." Ärztevertreter riefen die Politik unterdessen dazu auf, für schnellen Nachschub zu sorgen.

Das Bundesgesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben für diese Saison 26 Millionen Dosen bestellt. "So viele Impfdosen standen noch nie zuvor in Deutschland für die Grippeimpfung zur Verfügung", sagte Spahn. Der Impfstoff werde aber nicht an einem Tag ausgeliefert, sondern stehe nach und nach zur Verfügung. Es sei sinnvoll, sich auch noch im November oder Dezember impfen zu lassen.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

8. Oktober: Grippeschutzimpfung: In der Region werden die Impfdosen schon knapp

Die Nachfrage nach Grippeimpfungen ist heuer viel höher - die Menge ist begrenzt. Apotheker aus dem Allgäu wissen nicht, wann und ob Nachbestellungen ankommen.

5. Oktober: In Deutschland stehen 26 Millionen Impfdosen für die Grippeschutzimpfung zur Verfügung

In Deutschland gibt es für die aktuelle Influenzasaison 26 MIllionen Impfdosen. Damit ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, hatte das BUndesgesundheitsministerium nach eigenen Angaben zusätzlich zur Regelversorgung - nach Auskunft des Paul-Ehrlich-Institutes rund 20 Millionen - sechs Millionen Dosen Influenzaimpfstoffe für die Versorgung in Deutschland beschafft, so dass insgesamt 26 Millionen Dosen Influenzaimpfstoffe für die Saison 2020/21 für Deutschland verfügbar sind.

Bei den sechs Millionen Dosen Influenzaimpfstoffen handelt es sich laut Ministerium um Impfstoffe der Unternehmen:

  • Influsplit Tetra, GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
  • Influvac Tetra, Mylan Healthcare GmbH
  • Flucelvax Tetra, Seqirus GmbH
  • Vaxigrip Tetra (französische Aufmachung), Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
  • Fluzone High-Dose Quadrivalent (US-amerikanische Aufmachung; Markenname in der EU „Efluelda“), Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

2. Oktober: Kassenärzte wollen wieder Krankschreibung per Telefon

Die Kassenärzte machen sich angesichts steigender Corona-Infektionszahlen dafür stark, im Herbst und Winter auch wieder Krankschreibungen per Telefon zu ermöglichen. "Dieses Instrument hat die Praxen bereits im März und April erheblich entlastet", sagte der stellvertretende Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, am Mittwoch. Damit könne man schneller agieren, wenn es regional hohe Corona-Fallzahlen und Überschneidungen mit Symptomen von Grippe- und Erkältungskrankheiten gebe.

29. September: Apotheker: Zu wenige Menschen planen Grippe-Impfung

Fast jeder zweite Erwachsene, der zu einer Risikogruppe gehört (45 Prozent), will sich einer Umfrage zufolge nicht gegen Grippe impfen lassen. Das teilte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) am Dienstag in Berlin mit Verweis eine repräsentative Umfrage mit. "Dabei ist die Impfung sicher und gut verträglich", sagte Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands. "Wer geimpft ist, schützt nicht nur sich, sondern auch andere vor Ansteckung."

Die Grippeschutzimpfung wird laut ABDA vor allem für Risikogruppen empfohlen. Dazu zählen Menschen, die älter als 60 Jahre sind, chronisch Kranke, Mitarbeiter von medizinischen Einrichtungen und jeder, der beruflich Kontakt zu vielen Personen hat. Insgesamt planen laut der Umfrage, für die im August rund 1.000 Bundesbürger befragt wurden, 38 Prozent der Erwachsenen eine Grippeschutzimpfung.

29. September: Umfrage: Nicht jede Kasse zahlt die Grippeschutzimpfung

Wegen der aktuellen Corona-Pandemie raten viele Experten dazu, sich 20/21 gegen die Influenza impfen zu lassen. Das Problem: Nicht jede Krankenkasse übernimmt dafür die Kosten. Auch einige Privatversicherte müssen selbst zahlen, hat die "Welt" bei einer Abfrage der Versicherungen herausgefunden. Von 26 befragten Versicherungen zahlen lediglich neun tatsächlich allen Patienten die Grippeschutzimpfung. Alle anderen zahlen nur für den Fall, dass der Betroffene zu den bekannten Risikogruppen gehört.

Bei den sechs befragten Privatkassen war das Ergebnis geteilt: Drei zahlten die Schutzimpfung grundsätzlich, drei ebenfalls nur den Risikogruppen.

28. September: Lauterbach fordert kostenlose Grippeschutzimpfung für alle

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert wegen der Corona-Pandemie in diesem Herbst und Winter kostenlose Grippeschutz-Impfungen für bundesweit alle Versicherten. "Wir wissen schon lange, Corona und Grippe sind [eine] gefährliche Mixtur", erklärte der Bundestagsabgeordnete am Sonntag auf Twitter. In der "Welt am Sonntag" sprach er von einer "sehr sinnvollen Maßnahme mit geringen Kosten". Derzeit übernehmen einige Krankenkassen die Kosten nur für Patienten, die zu einer Risikogruppe zählen, andere dagegen für alle Versicherten.

Wegen der Pandemie raten Ärzte in diesem Jahr besonders eindringlich zur Grippeimpfung - einerseits, weil sie schwere Doppelerkrankungen mit Covid-19 und Grippe fürchten, aber auch um eine Überforderung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Bei einer starken Grippewelle könnte es sehr viele Patienten mit Atemwegserkrankungen geben, die versorgt und getestet, teils in Krankenhäuser und auf Intensivstationen gebracht werden müssten.

Das Messen der Körpertemperatur in den Fieberambulanzen könnte nicht nur im Kampf gegen die Corona-Pandemie sinnvoll sein. Auch die Ansteckung mit der Grippe könnte eventuell gebremst werden.
Das Messen der Körpertemperatur in den Fieberambulanzen könnte nicht nur im Kampf gegen die Corona-Pandemie sinnvoll sein. Auch die Ansteckung mit der Grippe könnte eventuell gebremst werden.
Bild: Ronny Hartmann, dpa

Lauterbach erklärte: "Grippeschutzimpfung wäre für alle sinnvoll. Natürlich sollten sie insbesondere Risikogruppen nutzen. Aber auch andere geben [eine] Infektion weiter, sind oft lange krank." Es könne nicht sein, dass zu der Impfung geraten werde, die Kassen sie dann aber nicht bezahlten. "Sie ist medizinisch notwendig und wirtschaftlich, sollte daher komplett erstattet werden", schrieb Lauterbach auf Twitter.

Umstritten ist jedoch, ob der Grippe-Impfstoff für alle Versicherten ausreicht. Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Impfung für Risikogruppen - Menschen ab 60, Schwangere, Personen mit Vorerkrankungen, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie Berufsgruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko.

23. September: Wichtige Infos zu Ansteckung Symptomen der Grippe im Überblick

Wie zeigt sich eine Grippe beim Menschen und was kann man tun, um sich gar nicht erst anzustecken? Unsere Redaktion hat die Empfehlungen des Bundesministeriums für Gesundheit, des Bayerischen Gesundheitsministeriums sowie des Robert Koch Instituts zusammengefasst.

22. September: Spahn: Fieberambulanzen auch während der Grippesaison sinnvoll

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Pläne zur Einrichtung sogenannter Fieberambulanzen mit Blick auf einen befürchteten Anstieg der Corona-Zahlen konkretisiert. "Es geht darum, eine Infrastruktur zu haben, die sicherstellt, dass nicht im Wartezimmer sich die Menschen untereinander anstecken. Das macht Sinn für Corona und auch bei der Grippe und einer möglichen Grippewelle", sagte Spahn am Montag in Berlin. Der CDU-Politiker sprach von "Schwerpunktsprechstunden", "Schwerpunktpraxen" und "regionalen Fieberambulanzen", an die sich Patienten mit entsprechenden Symptomen künftig wenden können sollen.

Der Rheinischen Post hatte Spahn zuvor gesagt, er setze darauf, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen solche "Fieberambulanzen" vor Ort anbieten würden. "Konzeptionell gibt es die schon - sie sollten im Herbst idealerweise flächendeckend zugänglich sein."

Mit Blick auf die kalte Jahreszeit und der damit ansteigenden Gefahr einer Grippewelle kündigte der Gesundheitsminister für Mitte Oktober eine neue Corona-Teststrategie, Testverordnung sowie neue Quarantäneregeln an. So sollen etwa Schnelltests Bestandteil der neuen Teststrategie werden, weil sie mittlerweile auch qualitativ besser seien. Spahns Angaben zufolge könnten so beispielsweise Besucher von Pflegeheimen schnell getestet werden, um direkt ein Ergebnis zu erfahren.

Anstatt in die Hände sollte man sich besser in den Ellenbogen husten. So lässt sich eine Virenübertragung eher vermeiden.
Anstatt in die Hände sollte man sich besser in den Ellenbogen husten. So lässt sich eine Virenübertragung eher vermeiden.
Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

20. September: Medienbericht: Für Privatpatienten könnte Grippe-Impfstoff knapp werden

Sollte der Grippe-Impfstoff in der kommenden Influenza-Saison knapp werden, könnten Privatpatienten unter Umständen einen Nachteil haben. Das berichtet die FAZ. Denn die Hersteller lieferten ihre Impfstoffe nicht in Einzeldosen aus, sondern in Zehnerpackungen. Diese Großpackungen würden dann gemäß einer Vereinbarung zwischen gesetzlichen Krankenversicherungen und kassenärztlichen Vereinigungen Patient für Patient verbraucht. "Privatpatienten dürfen mit diesem Impfstoff-Kontingent daher im Prinzip nicht versorgt werden", so die FAZ.

Entweder habe also sich der behandelnde Arzt neben dem Sprechstundenbedarf auf eigenes unternehmerisches Risiko einen kleinen zusätzlichen Vorrat an Einzeldosen angelegt, um damit Privatpatienten zu impfen. Oder die Apotheke, wo der Privatpatient mit seinem Rezept vorstellig wird, verfügt über einen solchen Vorrat. Darauf sei aber nicht immer Verlass. Die Folge, so die FAZ: Sollten sich besonders viele Menschen dieses Jahr gegen Grippe impfen lassen wollen, könnten Privatversicherte das Nachsehen haben, weil für sie kein Stoff mehr da ist.

18. September: Corona-Teststrategie der EU-Kommission: Gleichzeitig auf Corona und Grippe untersuchen

Corona-Tests sollten von der ersten Anfrage bis zum Ergebnis aus Sicht der EU-Kommission nicht länger als 24 Stunden dauern, damit Kontakte sinnvoll nachverfolgt werden können. Ihre Empfehlungen für eine gemeinsame Teststrategie legte die Brüsseler Behörde am Freitag den EU-Staaten vor. Auch Deutschland müsste demnach mehr Tempo machen. Nach Angaben der Kommission vergehen hier bis zu 36 Stunden zwischen Test und der Bekanntgabe des Ergebnisses.

Die Bevölkerung solle leichten Zugang zu Teststellen haben, betont die Kommission. Es müsse Priorität sein, alle Fälle von Covid-19-änlichen Symptomen zu testen. Möglichst solle gleichzeitig auf das Coronavirus, Grippe und andere Atemwegsinfekte untersucht werden.

Die Empfehlungen decken sich weitestgehend mit denen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Uneinig sind sich die Institutionen jedoch bei lokalen Ausbrüchen. Das ECDC schrieb in einem ebenfalls am Freitag veröffentlichten Bericht, Länder sollten in diesen Fällen Massentests der gesamten Bevölkerung im betroffenen Gebiet in Erwägung ziehen. Die Kommission warnte, dies könnte deutlich kostspieliger sein, als strengere Gesundheitsregeln einzuführen.

Das ECDC äußerte die Befürchtung, dass wegen der Corona-Pandemie nicht ausreichend Ressourcen für Grippetestungen zur Verfügung stehen könnten. Krankenhauspatienten mit Symptomen einer Atemwegserkrankung sowie Pflegepatienten sollten in der Grippesaison aber stets auf Covid-19 und Influenza getestet werden. Bei anderen Patienten sei zuerst ein Coronatest durchzuführen.

17. September: Hoffnung für den Herbst: Schutzmaßnahmen vor Corona könnten auch vor Grippe schützen

Masken, Handhygiene und Hustenetikette könnten in diesem Herbst und Winter neben dem Schutz vor Corona auch dafür sorgen, dass bestimmte andere Infektionskrankheiten zurückgehen. Eine schon ältere Studie aus Hongkong mache ihr da "ein bisschen Hoffnung", sagte die neue Gesprächspartnerin im vielbeachteten NDR-Podcast "Coronavirus-Update", die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek.

Die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt wechselt sich mit dem Berliner Virologen Christian Drosten künftig wochenweise ab. Am Dienstag gab die Frankfurterin ihren Einstand als Interviewpartnerin.

Die Hongkonger Wissenschaftler hatten im Jahr 2003, als Sars - ebenfalls ein Coronavirus - grassierte, die Zahl von Atemwegsinfektionen mit der in den Vorjahren verglichen. Aus Angst, sich anzustecken, hätten in Asien damals die meisten Menschen die sogenannten AHA-Regeln befolgt, sagte Ciesek. Die Frage war: "Was hatte das für einen Einfluss auf andere Viren?"

Verglichen wurden die Daten für vier Erreger, darunter den der Grippe. "Man hat gesehen, dass das Verhalten dazu geführt hat, dass diese Infektionen alle deutlich zurückgingen in den Monaten", sagte Ciesek. Es habe sogar ein Kontrollvirus gegeben: Hepatitis B. Hier gingen die Zahlen nicht zurück - das Virus wird nicht über die Luft, sondern über Sexualkontakte übertragen. "Die Studie gibt mir ein bisschen Hoffnung für den Herbst/Winter", sagte Ciesek. "Ich denke schon, dass man sicherlich durch die AHA-Regeln auch andere Virusinfektionen seltener sehen wird".

Eine Impfung ist besonders für ältere und schwächere Menschen empfehlenswert, um sich vor einer Grippe zu schützen.
Eine Impfung ist besonders für ältere und schwächere Menschen empfehlenswert, um sich vor einer Grippe zu schützen.
Bild: Martin Schutt, dpa (Archivbild)

Dennoch sei es sehr wichtig, dass sich die Risikogruppen impfen lassen. Welche Personengruppen geimpft werden sollten, sei abhängig von der Menge der verfügbaren Dosen, sagte Ciesek. Der Vorschlag, auch alle Kinder gegen Grippe zu impfen, sei "sicher eine gute Idee", aber nur, wenn der Impfstoff dafür reicht. "Das ist ganz wichtig, dass man jetzt genaue Kriterien festlegt, damit die Dosen möglichst sinnvoll verteilt werden", mahnte Ciesek an.

Verschiedene Infekte anhand ihrer Symptome zu unterscheiden sei "total schwer", so Ciesek. Klarheit bringe nur eine Laboruntersuchung. Da gebe es im Herbst eine Neuerung: die Multiplex-PCR. "Das heißt, Sie machen einen Abstrich und können dann im Labor verschiedene Erreger auf einmal testen - nicht nacheinander, sondern parallel."

16. September: Grippe trifft auf Corona: Was passiert während der Influenzasaison?

Im Herbst beginnt die Grippesaison. Dann haben Ärzte voraussichtlich vermehrt mit zwei schweren Infektionskrankheiten zu tun: Covid-19 und Influenza. Was haben beide gemeinsam - und was unterscheidet sie?

Was passiert, wenn die Corona-Pandemie auf eine Grippewelle trifft?

Nach Ansicht des Leiters der Abteilung für Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Gérard Krause, würde eine nennenswerte Grippe-Aktivität das Gesundheitswesen herausfordern. Denn dann könnte es mehr Patienten mit Atemwegserkrankungen geben, die versorgt und getestet, teils in Krankenhäuser und auf Intensivstationen gebracht werden müssten.

Wie stark die Grippesaison ausfallen wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Es gibt Jahre mit starken und mit weniger starken Grippewellen. In der vorigen Saison gab es relativ wenige Kranke, zwei Jahre davor sehr viele. Influenzaviren, die die Grippe hervorrufen, zirkulieren nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zwischen Anfang Oktober und Mitte Mai. Grippewellen - also eine erhöhte Influenza-Aktivität - beginnen meist im Januar und dauern drei bis vier Monate.

Wie kann man sich vor einer Ansteckung mit Influenza schützen?

Prinzipiell mit einer Impfung. Gegen das Coronavirus ist hingegen bislang kein Impfstoff erhältlich. Weltweit gibt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weit mehr als 100 Impfstoffprojekte, mehr als 30 sind in klinischer Prüfung.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am RKI empfiehlt die Grippeimpfung nur für Risikogruppen. Das sind etwa Menschen über 60, Frauen ab der 14. Schwangerschaftswoche, Personen mit Vorerkrankungen und Menschen, die berufsbedingt ein erhöhtes Infektionsrisiko haben.

Eine Grippeimpfung hilft Krause zufolge nicht nur den geimpften Menschen aus den Risikogruppen, sondern entlastet indirekt auch bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie: Denn so müssten weniger Patienten mit Symptomen behandelt oder vorsorglich in Quarantäne geschickt werden, weniger Leute landeten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen.

Samstag, 10. Oktober. Wegen erhöhter Corona-Fallzahlen verschärft auch das Unterallgäu nun seine Regelungen. Besucherzahlen müssen begrenzt werden und es gelten verschärfte Regelungen in Kitas und Schulen. Währenddessen hat Bayern seine innerdeutschen Corona-Risikogebiete ausgeweitet. Unter anderem die Stadt Berlin.
Samstag, 10. Oktober. Wegen erhöhter Corona-Fallzahlen verschärft auch das Unterallgäu nun seine Regelungen. Besucherzahlen müssen begrenzt werden und es gelten verschärfte Regelungen in Kitas und Schulen. Währenddessen hat Bayern seine innerdeutschen Corona-Risikogebiete ausgeweitet. Unter anderem die Stadt Berlin.
Bild: Gil Cohen Magen, dpa (Symbolbild)

Wenn eine Grippeimpfung Engpässe in Krankenhäusern verhindert - warum wird sie nicht für die ganze Bevölkerung empfohlen?

Weil es laut Stiko voraussichtlich nicht genügend Impfstoff gibt. Für die Saison 2020/21 würden rund 25 Millionen Dosen zur Verfügung stehen - allein für die Versorgung jener Menschen, denen die Stiko die Impfung empfiehlt, bräuchte es aber rund 40 Millionen Dosen. Eine Ausweitung der Empfehlung auf die Gesamtbevölkerung könnte also zu einer Unterversorgung der Risikogruppen führen. "Weil dann alle möglichen Betriebe ihre eigentlich gesunden Mitarbeiter, die keine Risikofaktoren haben, impfen", sagt Krause. "Und dann bleibt am Ende vielleicht für die Altersheime nicht mehr genug, oder sie bekommen es später. Das wäre ja tragisch."

Gibt es weitere Wechselwirkungen zwischen Covid-19 und Influenza?

Die Erreger von Covid-19 und Grippe werden auf ähnlichem Weg übertragen - folglich helfen auch die gleichen Schutzmaßnahmen. Krause geht davon aus, dass etwa Händewaschen, Abstand Halten und ein Mund-Nasen-Schutz auch gegen die Verbreitung der Grippe helfen. "Wir werden vielleicht - so paradox das klingt - im kommenden Winter weniger schwere Atemwegsinfektionen haben als die Jahre zuvor", sagt Krause. "Wenn wir denn das Verhalten so beibehalten."

Wie unterscheiden sich die Krankheiten bei Verlauf und Behandlungsdauer?

Der Anteil schwerer Verläufe ist bei Covid-19-Patienten deutlich höher als bei Grippe-Patienten. Das geht aus einer aktuellen RKI-Studie hervor, die Covid-19-Patienten mit Grippe-Erkrankten verglich, die jeweils ins Krankenhaus mussten. Im Schnitt blieben Covid-19-Patienten länger in stationärer Behandlung und öfter und länger auf der Intensivstation. 22 Prozent der Covid-19-Patienten, aber nur 14 Prozent der Grippe-Patienten mussten an Beatmungsgeräte angeschlossen werden.

Kann man die Zahlen der Todesfälle vergleichen?

Die absoluten Todeszahlen für Corona und Influenza kann man kaum seriös miteinander vergleichen. Sie werden unterschiedlich erhoben. Als Covid-19-Todesfall gelten für das RKI Personen, "bei denen ein laborbestätigter Nachweis von SARS-CoV-2 vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind". Erfasst werden sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung gestorben sind, als auch Menschen, bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, ob das Virus die Todesursache war.

Weil bei weitem nicht alle Todesfälle, die mit Influenza zusammenhängen, erkannt werden, behilft man sich hier laut RKI mit einer statistischen Erhebung: Die Zahl der Influenza-Toten wird errechnet, indem man von der Zahl aller Todesfälle während einer Influenzawelle die Zahl jener Todesfälle abzieht, die es ohne Influenzawelle gegeben hätte - diese wird aus historischen Daten berechnet.

Todesfälle von Patienten, die wegen ihrer Krankheit ins Krankenhaus mussten, hat das RKI in einer Studie genauer untersucht. Demnach starben 21 Prozent der Covid-19-Patienten in stationärer Behandlung, bei den Grippe-Patienten waren es 12 Prozent.

Lassen sich die Symptome vergleichen?

Eine Unterscheidung von Grippe- und Covid-19-Symptomen kann schwierig sein. "Die Symptomatik kann insbesondere in der Frühphase der Infektion sehr ähnlich sein", sagt die Virologin Sandra Ciesek von der Universität Frankfurt. Ohne einen Test könnten die Symptome gerade in diesem Stadium nicht sicher unterschieden werden.

Theoretisch können Labore künftig Proben gleichzeitig auf Corona- und Influenzaviren untersuchen. Dafür geeignete Tests sollen nach Angaben von Herstellern in Kürze in Deutschland verfügbar sein.

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Das sind die typischen Symptome einer Grippe

10. September: Grippe oder Covid-19? Diagnose anfangs laut Virologin Ciesek knifflig

Die üblicherweise zum Winteranfang beginnende Grippesaison und die gleichzeitig andauernde Corona-Pandemie werden die Ärzte nach Ansicht der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek vor besondere Herausforderungen stellen. Es lasse sich anfangs nicht leicht beantworten, ob eine Grippe oder eine Infektion mit der vom Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelösten Krankheit Covid-19 vorliege, sagte Ciesek der Deutschen Presse-Agentur.

"Die Symptomatik kann insbesondere in der Frühphase der Infektion sehr ähnlich sein", erklärte die Professorin für Medizinische Virologie an der Frankfurter Goethe-Universität. "Bei beiden Erkrankungen sind Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Schnupfen und abdominelle Beschwerden wie Bauchschmerzen und Erbrechen häufige Symptome." Ohne einen Test könnten die Symptome nicht sicher unterschieden werden.

Ob eine Grippe oder Covid-19 für den Einzelnen gefährlicher sei, lasse sich nur sehr schwer sagen. "Die Gefahr, an Covid-19 zu sterben, ist nämlich sehr stark altersabhängig", sagte Ciesek. "Insgesamt kann man festhalten, dass bei älteren Menschen Covid-19 noch viel gefährlicher ist als Influenza." Die Corona-Pandemie müsse ernstgenommen werden und sei nicht mit einer Grippewelle zu vergleichen.

7. September: Mediziner: Grippeschutzimpfung reicht im November

Die richtige Grippesaison beginnt in der Regel erst im Januar in Europa, deswegen reicht eine Impfung im November. Das sagt der Mediziner Boris Ott aus Burgberg. Er ist Beisitzer im Hausarztverein Oberallgäu. "Aktuell ist noch kein Grippeimpfstoff verfügbar. Deshalb ist Geduld gefragt", so Ott. Es werden alle rechtzeitig bis zum Jahresende geimpft werden können."

30. August: Kinderärzte raten 2020/21 dringend zur Grippeschutzimpfung

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Johannes Hübner, hat Eltern dringend dazu geraten, ihre Kinder gegen Grippe impfen zu lassen. „Wir wissen, dass Kinder den Influenza-Virus maßgeblich übertragen“, sagte er der Welt am Sonntag. Abgesehen von den Risiken für die Gesundheit der Kinder gebe es in Zeiten der Corona-Pandemie eine gesellschaftliche Verpflichtung zum Schutz anderer. „Die klinische Symptomatik zwischen einer Grippe und einer Covid-Infektion ist nicht unterschiedlich“, sagte Hübner. „Daher kann und sollte man den Kindern und ihren Familien diese Verdachtsmomente ersparen und alles, was damit verbunden ist: Aufenthalte beim Arzt, in der Klinik, Krankmeldungen der Eltern.“

„Wir wissen, dass Kinder den Influenza-Virus maßgeblich übertragen
„Wir wissen, dass Kinder den Influenza-Virus maßgeblich übertragen": Johannes Hübner, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI).
Bild: Paul Zinken, dpa

22. August: Correctiv: Kein Hinweis, dass Grippe-Tote als Corona-Tote gezählt wurden

Das Recherche-Team von Correctiv ist Behauptungen in Sozialen Medien nachgegangen, in diesem Jahr seien eigentliche Grippe-Tote als Corona-Tote in die Statistik eingegangen. Das Fazit der Prüfung: "Es gibt keine Hinweise für die Behauptung, dass Grippe-Tote in der diesjährigen Saison als Corona-Tote gezählt wurden." Eine in den Sozialen Medien dazu verbreitete Grafik sei irreführend, so das Recherchezentrum. Während der Influenzasaison habe es laut RKI nur einen Nachweis einer Doppelinfektion von SARS-CoV-2 und Influenza gegeben. Das Statistische Bundesamt schrieb Correctiv auf Anfrage, dass bei einer vorliegenden Doppeldiagnose (Influenza und Covid-19) nicht automatisch das Eine durch das Andere ersetzt werde. Hierbei komme es auf den Einzelfall an.

14. August: Bayerns Hausärzte warnen vor Grippewelle in Corona-Zeiten

Der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbands, Markus Beier, fürchtet das Zusammenkommen von Corona-Pandemie und Grippewelle. "Wir müssen alles tun, damit wir zu Covid-19 nicht auch noch eine große Grippewelle bekommen", sagte Beier unserer Redaktion. Laut einer neuen Studie will sich in Pandemie-Zeiten jeder zweite Deutsche gegen Grippe impfen lassen. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion ergab, planen 51,5 Prozent der Deutschen, sich in diesem Jahr gegen die Grippe impfen zu lassen. 41,3 Prozent der Befragten lehnen eine Influenza-Impfung hingegen ab.

Mit höherem Alter steigt der Umfrage zufolge die Bereitschaft für die Grippeimpfung. Während in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen nur rund jeder Dritte angab, sich in diesem Jahr impfen lassen zu wollen, war Anteil in der Gruppe der über 65-Jährigen rund doppelt so hoch.

Bei Wählern von Union, Grünen und SPD überwiegt der Studie zufolge die Zahl der Impfbefürworter, bei den Anhängern von FDP und Linken halten sich Befürworter und Ablehner die Waage. Nur Anhänger der rechtspopulistischen AfD sagen mit deutlicher Mehrheit, dass die Grippeschutzimpfung für sie nicht infrage kommt.

13. August: Kommission hält frühere Grippeschutzimpfung für unnötig

Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) sieht derzeit keine Gründe, in diesem Jahr besonders frühzeitig mit der Influenzaimpfung zu beginnen. Zwar müsse angesichts der Corona-Pandemie für die kommende Influenzasaison 2020/21 eine hohe Impfquote in den Risikogruppen erreicht werden, "um neben dem individuellen Schutz auch das Gesundheitssystem zu entlasten". Eine Influenzaimpfung könne aber durchaus auch noch später im Verlauf der Influenzasaison sinnvoll sein, wenn eine Impfung vor Saisonbeginn verpasst wurde", heißt es bei der StiKo.

Die Kommission empfahl, vor allem Risikogruppen wie Senioren oder Beschäftige im Gesundheitswesen gegen Grippe zu impfen. Dazu seien in der kommenden Influenza-Saison 20/21 rund 40 Millionen Impfdosen nötig - deutlich mehr als die rund 25 Millionen, die in Deutschland wohl beschafft würden. "Über die für die folgenden Jahre erforderlichen Impfstoffmengen sollte bereits jetzt nachgedacht und Aktivitäten zur Sicherstellung der benötigten Impfstoffmengen sollten frühzeitig unternommen werden", so die Experten.

26. Juli: Infektiologe rät zur Grippeschutz-Impfung - auch wegen Corona

Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing, rät dazu, sich im Herbst gegen die Grippe impfen zu lassen. Denn Sorge bereitet Ärzten ein mögliches Zusammentreffen der üblichen Grippewelle im Winter mit einer neuen Corona-Welle, wie es auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) befürchtet. Das wäre nach Ansicht der Experten eine Zerreißprobe für das Gesundheitssystem.

Zwar ruht alle Hoffnung derzeit vor allem auf einer Impfung gegen Corona und es gibt auch ermutigende erste Ergebnisse. Trotzdem erwarten Experten einen zugelassenen Impfstoff frühestens im Lauf des nächsten Jahres. Parallel wird weiter an Medikamenten gearbeitet.

20. Juli: Letzte Grippewelle war eher kurz - auch wegen Corona-Maßnahmen

Die Grippewelle 2019/20 war im Vergleich zu den Wellen der Vorjahre mit elf Wochen Dauer verhältnismäßig kurz. Besonders auffällig war dabei nach Angaben des RKI, dass die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen ("ARE") im Frühjahr sehr plötzlich zurückging. Dazu dürften die bundesweiten Maßnahmen zur Eindämmung und Verlangsamung der COVID-19-Pandemie in Deutschland erheblich beigetragen haben, so die Experten. "Da Kinder für die Verbreitung der jährlichen Grippe eine wesentliche Rolle spielen, sind hier insbesondere die Schulschließungen ab der 12. KW 2020 zu nennen."

Die letzte Grippewelle war in Deutschland nach Definition der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) Mitte März 2020 zu Ende gegangen. Die wichtigsten Zahlen dazu laut Robert Koch Institut (Stand: 1. Mai 2020):

  • Während der Grippewelle 2019/2020 gingen in Deutschland geschätzt etwa 4,6 Millionen Menschen wegen Influenza zum Haus- oder Kinderarzt.
  • Zwischen Oktober 2019 und März 2020 wurden insgesamt 186.185 labordiagnostisch bestätigte Grippe-Fälle an das RKI übermittelt.
  • 493 Menschen mit einer Influenzavirus-Infektion starben in Deutschland.
  • Die Grippewelle der Saison 2019/20 begann in der 2. Januarwoche 2020 und erreichte Ende Januar/Anfang Februar ihren Höhepunkt.