Auch eine deutsche Studentin unter den Opfern

Gedenken an Terror in Wien: Staatliches Mitgefühl ohne Entschuldigung

Ein Mann kniet neben einer Gedenktafel und zündet eine Kerze an am ersten Jahrestag des Terroranschlags in Wien während einer Veranstaltung, um den Opfern zu gedenken. Am 2. November 2020 hatte ein Am 2. November 2020 hatte ein 20-jähriger Sympathisant der Terrororganisation Islamischer Staat in einem belebten Ausgehviertel der österreichischen Hauptstadt vier Menschen erschossen. +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Mann kniet neben einer Gedenktafel und zündet eine Kerze an am ersten Jahrestag des Terroranschlags in Wien während einer Veranstaltung, um den Opfern zu gedenken. Am 2. November 2020 hatte ein Am 2. November 2020 hatte ein 20-jähriger Sympathisant der Terrororganisation Islamischer Staat in einem belebten Ausgehviertel der österreichischen Hauptstadt vier Menschen erschossen. +++ dpa-Bildfunk +++

Bild: Roland Schlager

Ein Mann kniet neben einer Gedenktafel und zündet eine Kerze an am ersten Jahrestag des Terroranschlags in Wien während einer Veranstaltung, um den Opfern zu gedenken. Am 2. November 2020 hatte ein Am 2. November 2020 hatte ein 20-jähriger Sympathisant der Terrororganisation Islamischer Staat in einem belebten Ausgehviertel der österreichischen Hauptstadt vier Menschen erschossen. +++ dpa-Bildfunk +++

Bild: Roland Schlager

Wien blieb lange vom islamistischen Terror verschont. Vor einem Jahr hat ein IS-Sympathisant zugeschlagen. Opfervertreter sehen Mitverantwortung des Staates.
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dpa
02.11.2021 | Stand: 21:53 Uhr

Ein Jahr nach der Terrorattacke in Wien haben Österreichs Spitzenpolitiker den Hinterbliebenen der Opfer Mitgefühl und Hilfe versichert. Die von Opfervertretern geforderte Entschuldigung für schwere Pannen bei der Überwachung des vorbestraften IS-Sympathisanten vor seiner Tat blieb am Dienstag bei den stillen Gedenkfeiern allerdings aus.

Wien war in den vergangenen Jahren im Gegensatz zu anderen europäischen Großstädten von islamistischem Terror verschont geblieben. Das änderte sich am Abend des 2. November 2020, als viele Menschen wegen des ungewöhnlich milden Wetters und wegen eines bevorstehenden Corona-Lockdowns in der Innenstadt feierten. Ein 20-jähriger Sympathisant der Terrororganisation Islamischer Staat eröffnete in einem belebten Ausgehviertel das Feuer und erschoss vier Menschen. Darunter war eine 24-jährige deutsche Studentin, die in einem Lokal als Kellnerin jobbte. Unter den mehr als 20 Verletzten waren vier weitere Deutsche. Der Angreifer wurde neun Minuten nach dem Beginn seiner Attacke durch Schüsse der Polizei getötet.

Ermittlungspannen nach Anschlag in Wien

"Wir denken an Gudrun, Nedjip, Qiang und Vanessa", sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen in Erinnerung an die Toten. Der kürzlich eingerichtete staatliche Opferfonds von 2,2 Millionen Euro werde den Verlust und das Leid nicht wieder gutmachen. "Aber ich bitte die Angehörigen: Nehmen sie unser Mitgefühl an", betonte er bei einer nüchternen abendlichen Gedenkfeier der Staatsspitze in einer Kirche im Zentrum Wiens.

Außer dem Fonds wurde als Konsequenz des Anschlags der Verfassungsschutz reformiert und Deradikalisierungsmaßnahmen in Gefängnissen verbessert. Vor dem Gedenktag hatten Anwälte kritisiert, dass sich der Staat nicht für Ermittlungspannen entschuldigt habe. "Niemand hat gesagt: Es tut uns leid", sagte Karl Newole, der auch deutsche Opfer vertritt.

Der österreichisch-nordmazedonische Täter hatte bis Ende 2019 eine Haftstrafe verbüßt, weil er versucht hatte, sich der Terrororganisation Islamischer Staat anzuschließen. Nach der Freilassung traf er sich mit anderen Islamisten und versuchte, Munition zu kaufen. Eine Untersuchungskommission hat inzwischen festgestellt, dass Ermittler von diesen Aktivitäten wussten, aber keine rechtzeitigen Schritte unternahmen. Staatsanwälte ermitteln nicht nur gegen mehrere mögliche Helfer des Attentäters, sondern auch gegen Verfassungsschützer wegen möglicher strafbarer Fehler.

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Statt über Behördenfehler sprachen Österreichs Spitzenpolitiker am Dienstag über den Zusammenhalt der Gesellschaft, der sich in der Terrornacht und danach gezeigt habe. Van der Bellen lobte unter anderem einen jungen palästinensischen Flüchtling, der einen verletzten Polizisten rettete. Kanzler Alexander Schallenberg betonte, dass die Tat eines IS-Anhängers nicht dazu führen dürfe, Bevölkerungsgruppen oder Angehörige einer bestimmten Religion auszugrenzen. "Es darf, es wird dem Terrorismus nicht gelingen, uns zu spalten."

Bereits am Morgen trafen sich mehr als 20 Angehörige der Opfer mit der Stadtregierung auf einem der Plätze, an dem der Attentäter um sich geschossen hatte. Wien lasse sich nicht in die Knie zwingen - "nicht vom feigen Terrorismus, nicht von Menschen, die glauben, unsere demokratische Wertordnung gefährden zu können," sagte Bürgermeister Michael Ludwig. An der Wiener Universität für Angewandte Kunst, an der die getötete deutsche Frau aus dem Raum München studiert hatte, wurde ein Gedenkfeuer entzündet.

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