Vierschanzentournee 2020/2021

Karl Geiger erlebt Happy End bei der Tournee

Hätte er nicht wieder in Innsbruck gepatzt, Karl Geiger wäre dem diesjährigen Überflieger Kamil Stoch vermutlich noch enger auf den Pelz gerückt.

Hätte er nicht wieder in Innsbruck gepatzt, Karl Geiger wäre dem diesjährigen Überflieger Kamil Stoch vermutlich noch enger auf den Pelz gerückt.

Bild: Daniel Karmann, dpa

Hätte er nicht wieder in Innsbruck gepatzt, Karl Geiger wäre dem diesjährigen Überflieger Kamil Stoch vermutlich noch enger auf den Pelz gerückt.

Bild: Daniel Karmann, dpa

Eigentlich war er schon durch mit der Vierschanzentournee. Doch dann zeigte der Allgäuer nochmal alles - im Gegensatz zu einem frustrierten Teamkollegen.
07.01.2021 | Stand: 14:47 Uhr

Eine Erkenntnis dieser zu Ende gegangenen Vierschanzentournee ist die, dass Werner Schuster ein grandioses Comeback gegeben hat. Der ehemalige Bundestrainer der deutschen Skispringer, der im Kleinwalsertal aufwuchs, brillierte nicht etwa wieder als Fahnenschwenker am Trainerpodest, sondern als detailversessener und rhetorisch gewandter Experte bei den Fernsehübertragungen von Eurosport. Er legte eine Punktlandung nach der anderen hin, ließ sich im Studio in München durch äußere Einflüsse nicht beirren, erzählte viele lustige Anekdoten und hatte bei seinen Prognosen eine nahezu 100prozentige Trefferquote.

Karl Geiger ist ein Musterbeispiel für eine permanente Weiterentwicklung“, hatte Schuster unserer Redaktion gegenüber nach dem Sieg des Oberstdorfers in seiner Heimatgemeinde gesagt. Und auch da sollte er recht behalten. Geiger hat sich bei dieser Tournee weiterentwickelt. Er hat bei der neuntägigen Traditionsveranstaltung als einziger Deutscher alle acht Wertungssprünge absolviert, einen Tagessieg errungen und er steigerte sich in der Gesamtwertung von Rang drei im Vorjahr (damals hinter Kubacki und Lindvik) auf Platz zwei.

Zur nächsten Tournee ist für Karl Geiger noch Luft nach oben

Hätte er nicht wieder in Innsbruck gepatzt, er wäre dem diesjährigen Überflieger Kamil Stoch vermutlich noch enger auf den Pelz gerückt. So bleibt Geiger die Erkenntnis, dass zur nächsten Tournee noch Luft nach oben ist. Um genau diesen einen Platz, für den der Goldene Adler als Trophäe ausgelobt wird. Auch Geiger sprach von einem versöhnlichen Abschluss. Nach der verpatzten Qualifikation in Bischofshofen sei er „durch gewesen mit der Tournee. Da war die Luft raus.“ Deshalb sei er froh, dass er noch einmal ordentlich Luft geholt und aus dem Wettkampf noch mal alles rausgeholt habe.

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Leben, Karriere, Familie: Das ist Skiflug-Weltmeister Karl Geiger aus Oberstdorf

Karl Geiger schaffte es nach Sprüngen auf 138 und 133,5 Meter aber noch auf Platz drei der Tages-und auf Rang zwei in der Gesamtwertung. „Es ist ein toller zweiter Platz“, lobte Bundestrainer Stefan Horngacher. „Der Karl ist mental unglaublich stark. Die anderen haben Fehler gemacht und der Karl ist dazwischen reingesprungen.“ Geiger überflügelte am letzten Tag sowohl den Vorjahressieger Dawid Kubacki aus Polen als auch den Weltcup-Führenden Halvor Egner Granerud aus Norwegen, dessen Trainer Alex Stöckl sich im ersten Durchgang verzockt hatte, als er seinen Schützling eine Luke tiefer starten ließ. Die Bonuspunkte gab es – anders als beim Team-Wettbewerb der Skiflug-WM in Planica – diesmal nicht.

Eisenbichler: "Das war jetzt so ein Dreckssprung"

Bitter endete die Tournee für Markus Eisenbichler. Als 35ter verpasste er sogar den zweiten Durchgang und schimpfte: „Das ist ein beschissenes Ende der Tournee. Das war jetzt so ein Dreckssprung. Ich bin selbst von mir überrascht. Aber es spiegelt halt das wider, dass ich zur Zeit nicht das Selbstbewusstsein habe, dass ich das jetzt durchradiere und einen guten Sprung mache.“ Wie er sich jetzt wieder den Spaß am Skispringen hole? „Das ist ein beschissenes Ende der Tournee. Das war jetzt so ein Dreckssprung. Also. Bin selber von mir überrascht. Aber es spiegelt halt das wider, dass ich zur Zeit nicht das Selbstbewusstsein habe, dass ich das jetzt durchradiere und einen guten Sprung mache.“

Auf die Frage, wie er wieder Spaß am Skispringen finden könne, sagte der Oberbayer gewohnt rustikal: „Ich wer‘ mir heit a paar Bier einilatschen und dann werd’s schon wieder werrn.“