Langlauf

Norwegen dominiert die Ski-WM in Oberstdorf - warum sind die so schnell?

Wieder mal Gold! Norwegens Frauen-Staffel mit Heidi Weng, Superstar Therese Johaug, Tiril Udnes Weng und Helene Marie Fossesholm (v.l.) wurde bei der Ski-WM in Oberstdorf Weltmeister in der 4x5-Kilometer-Staffel. Bis Samstagmittag (6.3.) holten die norwegischen Sportler 26 Medaillen - über 20 mehr als die zweit- und drittbeste Nation.

Wieder mal Gold! Norwegens Frauen-Staffel mit Heidi Weng, Superstar Therese Johaug, Tiril Udnes Weng und Helene Marie Fossesholm (v.l.) wurde bei der Ski-WM in Oberstdorf Weltmeister in der 4x5-Kilometer-Staffel. Bis Samstagmittag (6.3.) holten die norwegischen Sportler 26 Medaillen - über 20 mehr als die zweit- und drittbeste Nation.

Bild: Ralf Lienert

Wieder mal Gold! Norwegens Frauen-Staffel mit Heidi Weng, Superstar Therese Johaug, Tiril Udnes Weng und Helene Marie Fossesholm (v.l.) wurde bei der Ski-WM in Oberstdorf Weltmeister in der 4x5-Kilometer-Staffel. Bis Samstagmittag (6.3.) holten die norwegischen Sportler 26 Medaillen - über 20 mehr als die zweit- und drittbeste Nation.

Bild: Ralf Lienert

Bei der Nordischen Ski-WM ist Norwegen im Medaillenspiegel enteilt. Beim Langlauf sind sie kaum zu schlagen. Ex-Bundestrainer Jochen Behle sagt, wieso.
07.03.2021 | Stand: 08:29 Uhr

Im Medaillenspiegel stehen sie ganz oben: die Norweger. Das Land ist nicht nur die erfolgreichste Skination bei der Nordischen-WM 2021 in Oberstdorf, sondern sie beherrschen den Langlauf. Lange verfolgt Jochen Behle, Ex-Bundestrainer und Fernsehmoderator die Langlaufnation. Doch warum sind die Skandinavier so dominant? Der 60-Jährige analysiert.

„Langlauf hat in Norwegen den Stellenwert wie in Deutschland der Fußball – es ist Volkssport“, sagt Behle. Die Kinder wachsen mit dem Langlauf auf: „Jeder macht diesen Sport. Selbst die Städter gehen in Lillehammer am Wochenende raus und sind den ganzen Tag auf Ski unterwegs.“ Die Sportler hätten einen ganz anderen Bezug zur Natur und dem Langlauf. „Es gibt so viele Athleten. Sie müssen sich von klein an durchbeißen, um sich durchzusetzen.“ Um dieses in Relation zu bringen, gibt er ein Beispiel von der Stadtmeisterschaft in Lillehammer: „In zwei Schülerklassen sind da 800 Athleten am Start. Da sieht man schon, welches Potenzial sie zur Verfügung haben.“

Jochen Behle war von 2002 bis März 2012 Langlauf-Bundestrainer.
Jochen Behle war von 2002 bis März 2012 Langlauf-Bundestrainer.
Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Langlauf in Deutschland: Nachwuchs wird in der Schule nicht gefördert

In Deutschland hingegen sieht es im Nachwuchsbereich düster aus. Schuld daran sei auch das Schulsystem. Der gleichen Meinung ist auch die ehemalige Biathletin Miriam Neureuther (30), deren Mutter Norwegerin ist: „In Norwegen haben die Kinder jeden Tag Schulsport. In Deutschland wird als Erstes der Sport gestrichen.“ Da würde das Problem anfangen. „Man erwartet, dass die Eltern das nachholen. Aber wenn die Kinder am Abend heimkommen, ist die Motivation gering.“ So würde kein Nachwuchs generiert. „In Norwegen wird schon in der Schule gezeigt, wie man sich sportlich durchbeißen kann“, sagt sie.

Wenn die Sportler das schaffen, können sie laut Neureuther und Behle zu 100 Prozent Leistung abrufen. Ein Beispiel dafür sei der junge Norweger Harald Amundsen, der beim Skiathlon WM-Bronze holte. Behle: „An ihm sieht man, mit welcher hohen Qualität er an den Start kommt.“ Diese Leistungsdichte ist bei den Deutschen hingegen nicht vorhanden. „Es gibt nur wenig deutsche Langläufer. Deswegen haben sie es einfacher bei einer WM zu starten. Die Qualität ist nicht so hoch wie in Norwegen“, kritisiert er (Hier geht's zum Medaillenspiegel der Nordischen Ski-WM 2021 in Oberstdorf).

Der Grund dafür: falsches Training. Zu Behles Trainerzeiten hatte es mehr Zusammenarbeit an den Stützpunkten gegeben: „Dort hatten wir gemeinsame Lehrgänge mit qualitativen Inhalten. Das hat das Team nach oben gepusht.“

Langlauf Bundestrainer Peter Schlickenrieder kritsiert Vorgänger Jochen Behle - der sieht's anders

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Der aktuelle Bundestrainer Peter Schlickenrieder findet dagegen deutliche Worte gegen die Behle-Zeit: „Da hat man stark auf Wissenschaft verzichtet und das wirkt sich mit einem großen Verzug irgendwann aus, dass das nach hinten losgeht.“ In Behles Augen sei das gemeinsame Training aktuell trotzdem zu wenig: „Jeder macht sein eigenes Ding“. Die Norweger hingegen laufen ständig zusammen. Der Deutsche Skiverband sollte laut Behle vermehrt auf Gruppendynamik und Stützpunkttraining setzen, um den Anschluss irgendwann zu schaffen: „Für die kommenden zehn Jahre ist das Thema aber erst einmal durch.“

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