Auftakt der Vierschanzentournee

Glückliche Debütanten, nachdenkliche Oldies: Kurioses von der Vierschanzentournee

Das aus Tannenzweigen gesteckte Logo des SC Oberstdorf ziert auch in diesem Jahr den Aufsprunghügel der Großschanze. Zum 70. Geburtstag wurde das „Daas“ sogar in das typische Oberstdorf-Rot eingefärbt.

Das aus Tannenzweigen gesteckte Logo des SC Oberstdorf ziert auch in diesem Jahr den Aufsprunghügel der Großschanze. Zum 70. Geburtstag wurde das „Daas“ sogar in das typische Oberstdorf-Rot eingefärbt.

Bild: Benedikt Siegert

Das aus Tannenzweigen gesteckte Logo des SC Oberstdorf ziert auch in diesem Jahr den Aufsprunghügel der Großschanze. Zum 70. Geburtstag wurde das „Daas“ sogar in das typische Oberstdorf-Rot eingefärbt.

Bild: Benedikt Siegert

Der Auftakt der Vierschanzentournee schreibt spannende Geschichten: Ein Türke strahlt, ein US-Springer bleibt im Hotel und eine Norwegerin hat eine Mission.
30.12.2021 | Stand: 07:20 Uhr

Trotz des Schmuddelwetters beim Auftakt der Vierschanzentournee gab es in Oberstdorf auch jede Menge Erheiterndes. Unsere Tournee-Splitter ...

  • Wird die Türkei neue Skisprungnation? Ein Novum in der 70-jährigen Tournee-Geschichte: Mit dem 24-jährigen Fatih Arda Ipcioglu hat erstmals ein türkischer Skispringer das erste Wertungsspringen einer Tournee erreicht. Der Mann aus Erzurum, der in Oberstdorf für den türkischen Kayak-Verband an den Start geht, springt seit seinem 15. Lebensjahr und nahm 2018 als Exot sogar an den Olympischen Spielen in Pyeongchang teil. An seine persönliche Bestweite von 130 Metern (Februar 2021 in Willingen) kam Ipcioglu zwar nicht heran, mit 119 Metern qualifizierte er sich als 32. aber locker für das Springen am Mittwoch. Dort bewies er mit zweimal 120 Metern Konstanz und holte erstmals für die Türkei Weltcup-Punkte. Bei Olympia in Peking sehen wir den Türken sicher wieder.
Der Türke Fatih Arda Ipcioglu schrieb bei der Vierschanzentournee Geschichte.
Der Türke Fatih Arda Ipcioglu schrieb bei der Vierschanzentournee Geschichte.
Bild: Ralf Lienert

  • Beginnt eine neue Materialschlacht? Vor einer Olympia-Saison beginnt in aller Regel die Schlacht ums beste Material. Die Österreicher geheimniskrämern bei der Tournee mit neuen Anzügen, etliche Springer haben sich neue Ski unter die Füße geschnallt. Das wurde beim Training am Dienstag dem Slowenen Cene Prevc zum Verhängnis. Seine an der Spitze gekrümmten Ski bohrten sich bei der Landung in den weichen Schnee, Prevc kam spektakulär zu Sturz, konnte bei der Quali anschließend aber wieder mitmachen. Eurosport-Experte Werner Schuster: „Die Skimarken haben auch einen Kampf untereinander. Jeder will mit Innovation bestechen. Die FIS hat bislang nicht reagiert. Es ist immer wieder das Gleiche - man wartet, bis etwas passiert und dann schrecken alle auf. Es war vorhersehbar, dass es passiert.“

  • Wo war die Nationale Gruppe? Als Gastgeber hätte der Deutsche Skiverband eigentlich die Möglichkeit gehabt, in der sogenannten Nationalen Gruppe weitere sechs Springer in Oberstdorf starten zu lassen. Doch die DSV-Führung verzichtete freiwillig und will die zweite Garde lieber beim Skiflug-Weltcup vom 18. bis 20. März über den Riesenbakken der Heini-Klopfer-Schanze schicken. „Das Fliegen ist für die Ausbildung unserer jungen Springer sehr wichtig. Die Norweger machen das auch“, begründete Bundestrainer Stefan Horngacher. In Garmisch-Partenkirchen soll die Nationale Gruppe wieder starten. Mit dabei ist dann auch Philipp Raimund (21/SC Oberstdorf), der bei zwei Conti-Cups in dieser Woche in Engelberg (Schweiz) als Fünfter und Neunter jeweils bester Deutscher war.

  • Warum startete US-Meister nicht? Seinen kurzen Weihnachtstripp nach Hause in die USA hat der mehrfache amerikanische Skisprung-Meister Kevin Bickner vermutlich doch ein bisschen bereut. Der 25-Jährige aus Lake Forest bei Chicago kam wegen einer Flugverspätung nicht rechtzeitig zum PCR-Test nach Oberstdorf und musste die Wettkämpfe vom Hotelzimmer aus verfolgen.

Bilderstrecke

Fotos: Vierschanzentournee in Oberstdorf 2021 - Kobayashi gewinnt Auftaktspringen

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  • Wann und wie kommt die Frauen-Tournee? Tournee-Präsident Dr. Peter Kruijer sagt das, was er schon seit mehreren Jahren sagt, wenn es darum geht, für die Skispringerinnen eine eigene Vierschanzentournee zu organisieren. „Alle vier Tournee-Orte wollen die Frauen-Tournee. Aber es gibt noch ein paar ungeklärte Fragen“, sagte der Oberstdorfer Skiclub-Präsident der Deutschen Presseagentur. Da geht es wieder um logistische Herausforderungen und um die Frage, ob die Frauen am selben Tag vor oder nach den Männern starten oder ob die Frauen in Bischofshofen starten und in Oberstdorf enden. Selina Freitag, die am Stützpunkt Oberstdorf trainiert, macht sich zur Sprecherin aller DSV-Frauen: „Wir wollen auf jeden Fall das gleiche System haben wie die Jungs.“ Genau das lehnt aber Mario Stecher, Sportlicher Leiter beim Österreichischen Skiverband, ab: Die Frauen-Tournee dürfe kein „Beiwagerl“ der Männer-Tournee werden, sondern ein eigenes Produkt. Stecher liebäugelt mit einer Dreiländer-Tournee in Ljubno (Slowenien), Villach (Österreich) und einem noch unbekannten Ort in Italien. Das dürfte so gar nicht nach dem Geschmack von Peter Kruijer sein ...
  • Was macht Maren Lundby bei den Männern? Da staunten einige in Oberstdorf nicht schlecht, als ihnen in den letzten Tagen das (neben Katharina Althaus) wohl bekannteste Gesicht des Frauenskispringens im Ort oder an der Schattenbergschanze über den Weg lief. Maren Lundby, Olympiasiegerin und zweifache Weltmeisterin aus Norwegen, hat ja im Herbst für Schlagzeilen gesorgt, nachdem sie freiwillig auf die Olympia-Saison verzichtet hatte. Ihr Körpergewicht sei zu hoch, um auf höchstem Niveau springen zu können. Ihr Körper habe sich verändert und sie wolle ihm nicht wieder irgendwelche Diäten zumuten, sagte sie unter Tränen in einem Interview im norwegischen Fernsehen. Die 27-Jährige wolle aber auf jeden Fall wieder zurückkehren in den Weltcup. Bis dahin begleitet Lundby, die oft mit den norwegischen Männern trainiert hat, ausgewählte Wettkämpfe, wie jetzt die Tournee, als Co-Kommentatorin für den Sender NRK. Auch da wird sie nicht müde, für Gleichberechtigung einzustehen und eine eigene Frauen-Tournee parallel zu den Männern zu fordern.

  • Wie lange springt Simon Ammann eigentlich noch? Nicht mehr ganz so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, aber immer noch sehr beständig springt der 40-jährige Simon Ammann im Weltcup mit. Der vierfache Olympiasieger hat alles gewonnen, nur der Tournee-Gesamtsieg war ihm nie vergönnt. 1997 überraschte er als 16-Jähriger beim Auftakt in Oberstdorf mit Rang 15. Der Harry-Potter der Lüfte feiert in diesem Jahr mit der Tournee Silberhochzeit. Fest steht: am Saisonende ist für Ammann Schluss. Er sagt: „Machen wir nicht viel Aufhebens darum. Ich tue mich schwer damit, etwas aufzugeben, was ich bin.“

In unserem Newsblog halten wir Sie mit Meldungen rund um die Vierschanzentournee 2021/2022 auf dem Laufenden.