Nordische Ski-WM in Oberstdorf 2021

Vinzenz Geiger im Interview: "Vollgas. Darunter gibt's nichts"

Vinzenz Geiger will bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf am Donnerstag auf der Großschanze und Samstag im Teamsprint eine weitere Medaille angreifen.

Vinzenz Geiger will bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf am Donnerstag auf der Großschanze und Samstag im Teamsprint eine weitere Medaille angreifen.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Vinzenz Geiger will bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf am Donnerstag auf der Großschanze und Samstag im Teamsprint eine weitere Medaille angreifen.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Vinzenz Geiger greift bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf beim zweiten Einzelrennen am Donnerstag nach der nächsten Medaille. Was er im Interview verrät.
03.03.2021 | Stand: 21:20 Uhr

Er will eine Medaille. Noch eine. Daraus macht Vinzenz Geiger kein Geheimnis. Nach seinem aufopferungsvollen Kampf zum WM-Auftakt im Einzelwettkampf der Nordischen Kombinierer, den er als 14. abschloss, und dem Gewinn der Silbermedaille mit der Mannschaft will Vinzenz mehr. Der 23-jährige Oberstdorfer greift am Donnerstag beim Einzelwettbewerb von der Großschanze einmal mehr den norwegischen Ausnahme-Kombinierer Jarl Magnus Riiber an (11 Uhr Springen, ab 15.15 Uhr 10-Kilometer-Rennen). Im Interview zieht der siebenfache Weltcup-Sieger Vinzenz Geiger eine erste Bilanz und erzählt, ab wann die Heim-WM aus seiner Sicht eine gelungene ist.

Herr Geiger, zwei Drittel der WM sind vorbei. Wie ist die Stimmung bei Ihnen auf der Zielgeraden?

Vinzenz Geiger: Die erste Woche hat mit dem Einzel natürlich nicht so begonnen, wie ich es mir vorgestellt habe. Dafür ist es aber im Teamwettkampf mit der ersten Medaille überhaupt für Deutschland richtig gut gelaufen. Von daher gut.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Leistungen in den beiden Wettkämpfen?

Geiger: Durchwachsen. Vor allem meine Sprünge waren am Anfang nicht optimal. Im Einzelrennen bin ich gleich Vollgas gegangen, in der Hoffnung, noch früh auf einen Medaillenrang zu laufen. Da galt für mich: volles Risiko oder nichts. Denn ob ich bei der WM noch Fünfter oder 14. werde, spielt keine Rolle. Umso schöner ist es, dass es im Teamwettkampf mit den Jungs so gut gelaufen ist. Wir haben im Kollektiv eine gute Leistung gezeigt.

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… die nur leider wieder nicht für Norwegen gereicht hat

Geiger: Norwegen hat mit der Mannschaft einen super Wettkampf gezeigt, da war für uns nicht mehr drin. Die Ausgangsposition war gut, aber sie sind in der Loipe als Gruppe top. Damit es für ganz vorne reicht, hätten wir auf der Schanze noch ein, zwei Meter mehr bringen müssen. Trotzdem sage ich, wir haben Silber gewonnen – nicht Gold verloren (Den Medaillenspiegel der Nordischen Ski-WM 2021 in Oberstdorf finden Sie hier).

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Vinzenz Geiger: Die Norweger haben einen überragenden Ski gehabt

Ihr Bundestrainer Hermann Weinbuch hat sich nach dem Teamwettkampf vor allem über die läuferische Dominanz der Norweger gewundert. Wie haben Sie als Sportler das auf der Strecke wahrgenommen?

Geiger: Wir Athleten spüren das natürlich gleich im Rennen. Die Norweger haben einen überragenden Ski gehabt. Sie haben einen Glücksgriff getätigt, haben es aber wohl inzwischen auch schon raus bei diesen Bedingungen. Aber auch unser Material ist immer top – da geben unsere Techniker alles.

Wie sehr hing Ihnen das aufreibende Einzel von der Loipe, dem immens anstrengenden Rennen, noch nach?

Geiger: Ich habe es schon noch ein bisschen gemerkt, aber daran lag es nicht, dass es nicht zu Gold gereicht hat. In der zweiten Runde wird so ein Fünf-Kilometer-Rennen immer sehr schnell hart – da bin ich sogar meist kaputter als nach langen Strecken. Aber so ist mein Naturell beim Laufen. Ich gebe immer Vollgas. Darunter gibt’s nichts.

Was schlaucht während der WM mehr – das Mentale oder das Physische?

Geiger: Bis jetzt gar nichts. Im Moment geht’s mir super. Klar, Sonntag war ich ziemlich durch, aber der Ruhetag hat gutgetan. Körperlich bin ich gut drauf, mental auf Zug. Ich freue mich auf wichtige Rennen (Lesen Sie auch: Nordische Ski-WM 2021 Oberstdorf auf Instagram mit Agatha Kastenhuber).

Wie sind Sie auf der Großschanze reingekommen?

Geiger: Im Prinzip recht gut – vor allem, weil ich in der Regel auf der Großen Probleme habe. Ich habe in den Trainings aber einen guten Start gehabt und hoffe, dass ich das im Wettkampf zeigen kann.

Und in der Loipe?

Geiger: Da fühle ich mich nach wie vor gut. Ich bin in der Spur, fühle mich selbstbewusst und bin bereit für die Rennen, die noch kommen.

Nordische Ski-WM in Oberstdorf: Kombinierer mit Lockerheit nach Team-Silber

Wo können Sie zwischen den Wettkämpfen bei der WM in den Trainings überhaupt noch nachbessern?

Geiger: Im Springen schaut man zwischen den Rennen auf das Technische und versucht sich in den Details von Sprung zu Sprung zu steigern. Beim Laufen geht man mit viel Gefühl vor, macht keine harten Einheiten mehr, sondern achtet darauf, dass man regenerativ läuft.

Wie viel Lockerheit gibt die Team-Silbermedaille dem gesamten Quartett?

Geiger: Das kann während so einer Weltmeisterschaft sicher für eine ganze Mannschaft viel lösen, bei mir auf jeden Fall. Mit der Medaille im Gepäck ist der größte Druck weg und man kann freier auflaufen.

Was ist im Einzelwettkampf von der Großschanze drin?

Geiger: Eine Medaille. Das muss mein Ziel sein.

Was muss bis zum Ende der WM noch passieren, damit die Titelkämpfe in der Heimat für Sie gelungen sind?

Geiger: Für alle war klar, dass es nicht die geile WM wird, auf die wir uns seit Jahren gefreut haben. Aber Oberstdorf mit all seinen Helfern hat alles perfekt hergerichtet. Wenn ich meine Leistung so abrufen kann, dass es eine Medaille wird, dann ist es top. Wenn es letztlich nicht dazu reicht, ich mir aber nichts vorwerfen kann, dann ist es auch gut. Eine Medaille habe ich schon.

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