Allgäuer Biathlet

Wie Philipp Nawrath die Europameisterschaft in Polen erlebte

Philipp Nawrath vom SK Nesselwang wurde bei der EM in Polen vom Pech verfolgt: Im Sprint hatte er bei starkem Schneefall mit einem vereisten Diopter zu kämpfen und ließ so beim Liegendschießen wichtige Sekunden liegen.

Philipp Nawrath vom SK Nesselwang wurde bei der EM in Polen vom Pech verfolgt: Im Sprint hatte er bei starkem Schneefall mit einem vereisten Diopter zu kämpfen und ließ so beim Liegendschießen wichtige Sekunden liegen.

Bild: imago-images

Philipp Nawrath vom SK Nesselwang wurde bei der EM in Polen vom Pech verfolgt: Im Sprint hatte er bei starkem Schneefall mit einem vereisten Diopter zu kämpfen und ließ so beim Liegendschießen wichtige Sekunden liegen.

Bild: imago-images

Philipp Nawrath holt bei der EM mit seiner Staffel Silber. Dem 27-Jährigen bedeutet die Medaille viel, denn die anderen Rennen liefen alles anderes als erhofft.
03.02.2021 | Stand: 08:22 Uhr

„Es ist echt super, mit einer EM-Medaille im Gepäck nach Hause zu fahren“, sagt Philipp Nawrath. Der 27-jährige Nesselwanger holte beim letzten Rennen der Biathlon-Europameisterschaft in Duszniki Zdroj (Polen) Silber mit der 4 x 6 Kilometer-Mixed-Staffel. „Die Mannschaft hat ein super Rennen gemacht und mir eine gute Ausgangsposition für die letzten Runden verschafft“, lobt Nawrath, der als Schlussläufer eingesetzt wurde, seine Teamkollegen Vanessa Voigt (SV Rotterode), Marion Deigentesch (SV Oberteisendorf) und Dominic Schmuck (SC Schleching). Deutschland musste sich nur Norwegen – mit Erlend Bjoentegaard – geschlagen geben, ließ aber die Ukraine – mit den weltcuperfahrenen Vita Semerenko und Artem Pryma – hinter sich. „Das war ein echt versöhnlicher Abschluss nach einer etwas verkorksten EM“, sagt Nawrath, der sich nach starken Ergebnissen im IBU-Cup doch mehr erhofft hatte.

Philipp Nawrath wurde vom Pech verfolgt

„Ich wusste, dass ich momentan in Top-Form bin.“ Aber das nützte ihm nicht viel, zumal ihn auch noch das Pech verfolgte. Los ging die Pechsträhne schon beim Einzel über 20 Kilometer, als Nawrath sich beim Liegendschießen zwei Fehler leistete. Nun stand der 27-Jährige unter Druck, und dann war es wie in einem schlechten Film: „Ich stand am Schießstand und meine Scheiben waren nicht aufgezogen“, was bedeutete, dass Nawarth nicht schießen konnte. Die Ruhe zu bewahren, war in diesem Moment schwer für ihn. „Ich musste erst einmal den Stand wechseln und mich neu aufs Schießen vorbereiten.“ Und das kostete wertvolle Zeit, denn Nawarth musste beim Wechseln auch noch die Sicherheitsvorkehrungen der Waffe beachten. „Ich denke, dass das sicher 20 bis 30 Sekunden gekostet hat. Sonst hätte es echt eine super Platzierung werden können.“ Denn der Allgäuer war mit der vierten Laufzeit einer der schnellsten Athleten in der Loipe. Am Ende wurde es Platz elf. „Für das, was passiert ist, war ich zufrieden mit dem Rennen und dachte mir, dass es jetzt nur noch besser werden kann.“

Was dem Allgäuer Biathleten im Sprintrennen passierte

Und Nawrath startete tatsächlich gut in den nächsten Wettkampf. Im Sprint lief er auf der Strecke erneut vorne mit. Doch beim ersten Schießen setzte sich die Pechsträhne fort. „Ich komme an den Schießstand, schaue durch mein Diopter, mache die Klappe auf – und sehe nichts, einfach nichts.“ Nachdem es an diesem Tag ziemlich stark geschneit hatte, war Nawraths Diopter, die hintere Visiereinrichtung auf dem Gewehr, komplett vereist. „Ich habe bestimmt fünfmal rein geblasen und versucht, den Schnee wegzubekommen, aber es tat sich nichts – da schießt der Puls gleich noch einmal mehr rauf.“ Schließlich winkte Nawrath sogar seinen Trainer herbei, der ihm helfen sollte. Doch nach fast einer Minute schaffte er es dann selbst, das Diopter vom Eis zu bereifen. „Da weißt du dann schon, dass es im Sprint gelaufen ist, wenn du so viel Zeit wegen so was liegen lässt“, sagt Nawrath selbstkritisch. Dabei habe er sich vor dem Start noch gedacht, „dass ich schauen muss, dass es nicht zu viel auf meine Waffe schneit.“ Sein Gewehr sei aber gut geschützt gewesen und er habe sogar extra noch sein Magazin, in das die Munition kommt, gecheckt. „Da war ich vielleicht zu voreilig. Ein Kontrollblick durch das Diopter hätte wahrscheinlich Schlimmeres verhindert.“

Was sich der Allgäuer nun für ein Ziel gesetzt hat

Und genau diese verkorksten Rennen hätten für Nawrath besser laufen müssen, denn es ging für ihn noch um ein WM-Ticket für Pokljuka zu lösen. Nach den Wettkämpfen sei ihm aber schon klar gewesen, dass der Zug wohl abgefahren war: „Klar ist die Enttäuschung groß. Es wäre wichtig gewesen, vor Johannes Kühn und Philipp Horn zu sein.“

Trotzdem schaut Nawrath positiv nach vorn und will kommende Woche beim IBU-Cup in Slowenien angreifen: „Ich weiß, dass meine Form gut ist und, dass ich wieder ganz vorne reinlaufen kann.“ Denn dann hätte der Allgäuer noch eine Chance für einen Weltcupeinsatz nach der WM. „Das ist das Ziel“.

Nawraths Ergebnisse im Überblick

Einzelrennen 20 Kilometer

  • 1. Andrejs Rastorgujevs (Lettland)
  • 2. Erlend Bjoentegaard (Norwegen)
  • 3. Endre Stroemsheim (Norwegen)
  • 11. Philipp Nawrath

Sprintrennen 10 Kilometer

  • 1. Martin Jäger (Schweiz)
  • 2. Karimulla Said (Russland)
  • 3. Johannes Kühn (Deutschland)
  • 38. Philipp Nawrath

Verfolgung 12,5 Kilometer

  • 1. Artem Pryma (Ukraine)
  • 2. Michal Krcmar (Tschechien)
  • 3. Haavard Bogetveit (Norwegen)
  • 32. Philipp Nawrath

Mixed-Staffel 1. Norwegen, 2. Deutschland, 3. Urkaine