Sprung in eine neue Welt

WM-Start in Afrika: Allgäuerin will hoch hinaus

Erfolgreich zurückgekämpft: Leichtathletin Lavinja Jürgens vom TSV Kranzegg tritt nach Verletzung und Krankheit bei der U18-WM in Nairobi im Hochsprung an.

Erfolgreich zurückgekämpft: Leichtathletin Lavinja Jürgens vom TSV Kranzegg tritt nach Verletzung und Krankheit bei der U18-WM in Nairobi im Hochsprung an.

Bild: Dominik Berchtold

Erfolgreich zurückgekämpft: Leichtathletin Lavinja Jürgens vom TSV Kranzegg tritt nach Verletzung und Krankheit bei der U18-WM in Nairobi im Hochsprung an.

Bild: Dominik Berchtold

Es ist ein gigantisches Abenteuer: Mit gerade mal 17 Jahren darf die Allgäuer Leichtathletin Lavinja Jürgens Deutschland bei der U18-Weltmeisterschaft vertreten. Und das nicht irgendwo, sondern weit weg in Afrika! Wie es dazu kam und was sich Lavinja vorgenommen hat, liest Du hier.
11.07.2017 | Stand: 12:36 Uhr

Sie hebt ab - und landet in einer neuen Welt. Leichtathletin Lavinja Jürgens startet als deutsche Hoffnungsträgerin bei der U18-Weltmeisterschaft in Nairobi. "Ich freue mich unglaublich auf das Abenteuer. Das Land, die Menschen - allein schon, dass ich bei einer WM starten darf. Es ist verrückt", freute sich die 17-jährige Athletin des TSV Kranzegg vor ihrem Abflug in die kenianische Hauptstadt (Hier erfährst, weshalb Lavinja zu den 13 wichtigsten Sportlerinnen im Allgäu zählt). Seit Montag ist Jürgens in Afrika, heute steigen die Vorkämpfe der Hochsprung-Konkurrenz, die Finals der besten Acht finden am Freitag statt.

Lavinja Jürgens muss in Nairobi auf die gewohnte Unterstützung von ihrer Mama und Schwester Djamila verzichten.
Lavinja Jürgens muss in Nairobi auf die gewohnte Unterstützung von ihrer Mama und Schwester Djamila verzichten.
Bild: Dominik Berchtold

Die amtierende deutsche Leichtathletik-Meisterin in ihrer Altersklasse hat allen Grund, zuversichtlich in den größten internationalen Wettkampf ihrer jungen Laufbahn zu starten. Denn die WM-Norm von 1,78 Meter hatte die Athletin aus Rieder bei Rettenberg schon zum Auftakt in die Freiluft-Saison beim Meeting in Germering Anfang Mai geknackt. "Ich war sehr erleichtert, dass mir das so früh gelungen ist - da ist eine Menge Druck abgefallen", erinnerte sich die Oberallgäuerin. Einmal noch musste sie liefern. Und sie tat es.

Auch die letzte Hürde auf dem Weg nach Nairobi übersprang die 1,87 Meter große Athletin fast im Vorbeigehen. Denn nachdem sie die Norm geknackt hatte, kam es zum letzten Quali-Wettkampf in Schweinfurt, wo Jürgens unter allen Athletinnen, denen das gelungen war, Erste oder Zweite hätte werden müssen. Die 1,78 Meter übersprang aber auch da bis auf Bianca Stichling (Weinheim) keine weiteren Athletin - das Ticket war gebucht.

Und so ging es am Montag für den blonden Lockenkopf allein in die weite Welt. "Ich bin unheimlich aufgeregt, freue mich aber total auf alles, was mich erwartet", sagte Jürgens vor der Abreise. Und weiter: "Etwas ungewohnt wird es sein, weil meine Mutter als Trainerin sonst immer dabei ist. Auch meine Schwester Djamila beruhigt mich für gewöhnlich. Das gibt mir immer Sicherheit, gerade in diesem Jahr."

Lavinja will es in Kenia zumindest in den Endkampf am Freitag schaffen.
Lavinja will es in Kenia zumindest in den Endkampf am Freitag schaffen.
Bild: Dominik Berchtold

Ein Jahr, dass für die Frohnatur mit einer schweren Erkrankung begonnen hatte. Noch 2016 hatte die junge Oberallgäuerin lange mit einer Bänderverletzung im Sprunggelenk zu kämpfen - zu Beginn 2017 setzte sie eine Hirnhautentzündung außer Gefecht. Ab Mitte Februar erst konnte sie wieder trainieren. "Es war eine sehr schwierige Zeit, weil die Krankheit bedrohlich war", erinnert sich die 17-Jährige. Nicht zuletzt ihr Glaube habe sie den Mut nicht verlieren lassen. "Ich bin sicher, dass Gott für alles einen Grund hat: Das war auch im Winter so. Nichts geschieht von alleine. Weder Gutes noch Schlechtes."

Zurück zu alter Stärke

Lavinja berappelte sich, fand wieder zu alter Stärke - und geht nun in Nairobi aufs Ganze. Mit der Weinheimerin Stichling ist die Immenstädter Gymnasiastin, wie auch der gesamte Kader in einer Universität in Nairobi untergebracht.

Die Bedingungen sind optimal, es ist angerichtet. Und doch will sich die amtierende deutsche und bayerische Meisterin, deren persönliche Bestmarke bei 1,84 Metern liegt, bei der Zielvorgabe nicht aus dem Fenster lehnen: "Ich bin so glücklich, dass ich überhaupt mitmachen darf", sagt Lavinja Jürgens und fügt an: "Wenn ich es in den Endkampf schaffe, dann kehre ich zufrieden zurück. Aber Glück ist ja relativ."