100 Tage Corona-Warn-App

Was tun, wenn die Corona-App Alarm schlägt?

Die Corona-Warn-App in Deutschland gibt es seit 100 Tagen. Über 18 Millionen Menschen haben sie auf ihr Smartphone heruntergeladen - doch unumstritten ist sie nicht.

Die Corona-Warn-App in Deutschland gibt es seit 100 Tagen. Über 18 Millionen Menschen haben sie auf ihr Smartphone heruntergeladen - doch unumstritten ist sie nicht.

Bild: Oliver Berg, dpa

Die Corona-Warn-App in Deutschland gibt es seit 100 Tagen. Über 18 Millionen Menschen haben sie auf ihr Smartphone heruntergeladen - doch unumstritten ist sie nicht.

Bild: Oliver Berg, dpa

Sie ist ein Baustein in der Bekämpfung der Corona-Pandemie: Die Corona-Warn-App in Deutschland gibt es seit 100 Tagen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
23.09.2020 | Stand: 23:02 Uhr

Bisher ist sie kein Erfolg - doch könnte ihre große Stunde noch schlagen? Dann, wenn im Herbst und Winter die Pandemie wieder Fahrt aufnimmt, mehr Menschen in geschlossenen Räumen beisammen sind - und mehr Smartphone-Nutzer sie installieren? Seit 100 Tagen gibt es die Corona-Warn-App in Deutschland. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum aktuellen Stand.

Wie viele Menschen nutzen die Corona-Warn-App in Deutschland?

Die App wurde in den vergangenen 100 Tagen 18,4 Millionen Mal heruntergeladen. Da aber auch einige Anwender die App deinstalliert oder deaktiviert haben, gehen Experten von rund 15 Millionen aktiven Nutzern aus. Positiv: In keinem anderen westlichen Land wurde eine vergleichbare Anwendung so häufig heruntergeladen wie die Anwendung des Robert Koch-Instituts.

Gesundheitsminister Jens Spahn sagte am Mittwoch, bisher hätten fast 5.000 Nutzer eigene Kontakte mit ihrer Corona-App gewarnt. Bei je zehn bis 20 Kontakten seien so Zigtausende Menschen informiert worden. Allerdings hätte nur jeder zweite Nutzer seine positiven Testergebnisse tatsächlich gemeldet.

Und hier fangen die Schwierigkeiten an: Damit die App ihre Wirkung entfaltet, sollte natürlich jeder positiv getestete App-Nutzer seine Kontakte warnen. Zudem müssten noch viel mehr Menschen in Deutschland die App herunterladen und installieren. Experten rechnen: Um auf einen Wert von 50 Prozent erfasster Fälle zu kommen, müssten mehr als 70 Prozent der Erwachsenen die Corona-Warn-App verwenden.

Davon ist man noch weit entfernt. Dennoch betonen Politiker und Mediziner: Irrelevant ist die App auf keinen Fall - jeder gewarnte Kontakt ist besser als nichts. Die Corona-Warn-App ist deshalb eines von mehreren Instrumenten im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus.

Wie funktioniert die Corona-Warn-App?

Die Corona-Warn-App misst via Bluetooth, ob sich Handynutzer über eine längere Zeit näher als etwa zwei Meter gekommen sind. Ist ein Nutzer positiv getestet worden und hat dies in der App geteilt, meldet sie anderen Anwendern, dass sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben. Dann kann man sich auf Kassenkosten testen lassen.

Die Anwendung berechnet auch das Risiko, das sich aus der Gesamtzeit aller Risikobegegnungen der vergangenen 14 Tage ergibt. Außerdem kann sie Testergebnisse digital empfangen, schneller als auf herkömmlichen analogen Wegen (Lesen Sie auch: Corona-Regeln in Bayern: Das gilt ab jetzt).

Wie warnt die Corona-App vor Risiko-Begegnungen?

Die Corona-App funktioniert wie eine Warn-Ampel und kann folgende Varianten anzeigen:

  • Erhöhtes Risiko - die App zeigt in einem roten Feld an, dass - und wann - eine Risiko-Begegnung stattgefunden hat und gibt Handlungsempfehlungen.
  • Niedriges Risiko trotz Risiko-Begegnung - die App zeigt in einem grünen Feld, dass Risiko-Begegnungen stattgefunden haben.
  • Niedriges Risiko - die App bleibt auf Grün. Sie hat keine keine Begegnung mit Corona-positiv getesteten Personen ermittelt.
  • Unbekanntes Risiko - in einem grauen Feld teilt die App dem User mit, dass noch keine Riskoberechnung erfolgt ist. Das ist beispielsweise am ersten Tag nach der Installation oder einer Neuinstallation der Fall, oder wenn Bluetooth – und bei Android-Handys das GPS – ausgeschaltet ist.
    Alarmstufe rot: Beim Kontakt mit positiv getesteten Personen schlägt die App Alarm, wenn die Begegnung über einen gewissen Zeitraum und mit geringem Abstand stattgefunden hat.
    Alarmstufe rot: Beim Kontakt mit positiv getesteten Personen schlägt die App Alarm, wenn die Begegnung über einen gewissen Zeitraum und mit geringem Abstand stattgefunden hat.
    Bild: Christoph Dernbach, dpa

Was tun, wenn es Corona-Risiko-Begegnungen gegeben hat?

Bei Rot herrscht oberste Alarmstufe:

  • Wenn die Corona-App in einem roten Feld ein "erhöhtes Risiko" anzeigt, ist davon auszugehen, dass der Nutzer mindestens zehn Minuten Kontakt in geringem Abstand zu einer positiv getesteten Person hatte.
  • Betroffene erhalten in der App die Empfehlung, sich nach Hause zu begeben, beziehungsweise zu Hause zu bleiben und mit ihrem Hausarzt, dem ärztlichen Bereitschaftsdienst oder dem Gesundheitsamt Kontakt aufzunehmen und dort das weitere Vorgehen abzustimmen.

Für Verunsicherung sorgt die Corona-App bei manchen Nutzern, die eine Begegnung mit einer positiv getesteten Person und zugleich "Niedriges Risiko" angezeigt bekommen. Wie kommt es dazu?

  • Die App stuft Begegnungen, die weniger als zehn Minuten gedauert haben, als unbedenklich ein. Dabei spielt es keine Rolle, wie nahe sich die Smartphones gekommen sind.
  • Auch Begegnungen, bei denen die Handys durchschnittlich mehr als acht Meter voneinander entfernt waren, werden als unbedenklich gewertet. Selbst wenn die Kontaktperson positiv getestet wurde, wird das Risiko in diesen Fällen als niedrig angezeigt.

Warum gab es immer wieder Corona-Warn-App-Fehler-Meldungen?

In der Anfangsphase der Corona-Warn-App in Deutschland tauchten immer wieder neue Fehler auf. So kam heraus, dass die App auf dem iPhone zeitweise Aussetzer hatte. Dadurch wurden manche Nutzer nicht oder zu spät gewarnt.

Zudem wird die App auf älteren Modellen wie dem iPhone 6 nicht unterstützt, da für die Technologie mindestens das Betriebssystem iOS 13.5 installiert sein muss.

In den kommenden Wochen soll die App in anderer Hinsicht weiterentwickelt und neue Funktionen hinzugefügt werden. Die App werde künftig auch Krankheitssymptome abfragen, teilt Hersteller SAP mit. Die Angabe der Symptome helfe bei der Einschätzung, wie kritisch eine Risikobegegnung gewesen sei. Die Eingabe ist freiwillig.

Telekom-Chef Tim Höttges kündigte eine europäische Erweiterung der App an. Zusätzlich zu Deutschland seien in der ersten Phase dann zehn weitere Länder dabei: Österreich, Tschechien, Dänemark, Estland, Irland, Italien, Litauen, Niederlande, Polen und Spanien. (mit dpa)