Astrazeneca-Impfung

Impfungen mit AstraZeneca gestoppt: Was Geimpfte und noch nicht Geimpfte wissen sollten

Deutschland hat die Corona-Impfungen mit dem AstraZeneca-Stoff  vorerst gestoppt. Warum? Welche Symptomen sollten beunruhigen? Was ist mit der Zweitimpfung?

Deutschland hat die Corona-Impfungen mit dem AstraZeneca-Stoff vorerst gestoppt. Warum? Welche Symptomen sollten beunruhigen? Was ist mit der Zweitimpfung?

Bild: Christophe Ena, dpa

Deutschland hat die Corona-Impfungen mit dem AstraZeneca-Stoff vorerst gestoppt. Warum? Welche Symptomen sollten beunruhigen? Was ist mit der Zweitimpfung?

Bild: Christophe Ena, dpa

Deutschland hat die Corona-Impfungen mit dem AstraZeneca-Stoff vorerst gestoppt. Warum? Welche Symptome sollten beunruhigen? Was ist mit der Zweitimpfung?
22.03.2021 | Stand: 14:27 Uhr

  • Corona-Impfungen mit dem AstraZeneca-Wirkstoff sind in Deutschland vorerst ausgesetzt.
  • Wegen Meldungen über Thrombosen - also Blutgerinnseln - in Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen hatte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) am Montag die vorübergehende Aussetzung empfohlen.
  • Bekannt sind aktuell sieben Fälle - bei 1,6 MIllionen Impfungen.

Wie ist dieser Stopp der AstraZeneca-Impfungen einzuschätzen? Ist der AstraZeneca-Impfstoff gefährlich? Welche Symptome zeigen sich bei Thrombosen in Hirnvenen? Und bekomme ich jetzt trotzdem noch die zweite Impfung mit AstraZeneca? Die Antworten.

Warum erfolgte der vorläufige Stopp für Astrazeneca-Impfungen?

Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) meldete sich am Montag mit der Empfehlung, die Impfungen vorerst zu stoppen. Hintergrund seien sieben in Deutschland gemeldete Fälle von Thrombosen der Hirnvenen, die im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen stünden - bei inzwischen mehr als 1,6 Millionen Impfungen mit Astrazeneca.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betonte, es handle sich um eine "reine Vorsichtsmaßnahme". Die Meldungen sollen jetzt intensiv untersucht werden.

Wie gefährlich waren die Fälle für die Betroffenen?

Von den sieben gemeldeten Fällen mit Blutgerinnseln der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang zur Impfung verliefen drei tödlich, berichtete PEI-Präsident Klaus Cichutek.

Wann traten die Komplikationen genau auf?

Den Experten zufolge immer in den ersten Tagen nach der Impfung.

Wie groß ist die Gefahr nach der Impfung, dass eine solche Thrombose bei mir auftritt?

Lesen Sie auch
##alternative##
Prozess

Corona-Impfpflicht für Soldaten: RKI betont Wirksamkeit

Selbst wenn die Thrombose tatsächlich mit der AstraZeneca-Impfung zusammenhängt, wäre die Gefahr des Auftretens sehr gering. In Deutschland sind aktuell bei 1,6 Millionen Impfungen sechs Frauen und ein Mann betroffen.

Wie oft kommen solche Thrombosen generell vor?

Bei 1,6 Millionen Astrazeneca-Geimpften in Deutschland entsprechen sieben Fälle etwa vier Fällen pro einer Million Geimpfter. Dabei gilt es zu bedenken, dass diese Form der Thrombose in der Bevölkerung zwar selten, aber regelmäßig diagnostiziert wird. "Sinusvenenthrombosen treten etwa einmal pro 100 000 Einwohner und Jahr auf, das heißt die jährliche Inzidenz liegt bei rund 1 auf 100 000", erklärte Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Neben wohl vor allem hormonell bedingten Fällen - etwa bei Einnahme der Antibabypille - gebe es auch septische Sinusvenenthrombosen im Zusammenhang mit bakteriellen oder viralen Infektionen.

Ich bin geimpft und mache mir jetzt Sorgen. Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn Menschen sich mehr als vier Tage nach der Astrazeneca-Impfung zunehmend unwohl fühlten, sollten sie sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben, riet das Paul Ehrlich-Institut. Mögliche Beschwerden seien starke und anhaltende Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen.

Welche Symptome zeigen sich bei solchen Thrombosen?

  • Bei Hirnvenen-Thrombosen kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn durch Blutgerinnsel.
  • Zentrales Symptom sind Kopfschmerzen. Daneben können Erkrankten etwa epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen bekommen.
  • Die Erkrankung tritt selten auf. Die große Mehrheit der Betroffenen sind Frauen unter 50 Jahren.
  • Ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) führt zu einer erhöhten Blutungsneigung. Er tritt auf, wenn zu wenig Blutplättchen gebildet, zu viele abgebaut oder sie falsch verteilt werden.
  • Mögliche Ursachen dafür können etwa Infekte, Vitaminmangel, genetische Veranlagungen oder die Einnahme von Medikamenten sein.
  • Als Symptome treten punktförmige Einblutungen in die Haut oder Schleimhäute auf, gelegentlich auch starkes Nasenbluten. Es gibt sehr seltene Situationen, in denen beide Ereignisse auftreten.

Ich habe die erste Impfung mit AstraZeneca bekommen? Bekomme ich trotz des Stopps die zweite Impfung?

Das ist aktuell nicht bekannt. Experten wie der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach gingen am Montag jedenfalls davon aus, dass die AstraZeneca-Impfungen sehr bald fortgesetzt würden. Denn das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, sei deutlich höher als die Gefahr von Nebenwirkungen nach der Impfung.

Wenn AstraZeneca ausfällt: Könnte man ein anderes Mittel für die nötige zweite Dosis nutzen?

Noch läuft es so: Wer die erste Spritze mit Astrazeneca-Impfstoff erhält, bekommt auch die zweite von Astrazeneca. Theoretisch wäre es auch möglich, verschiedene Impfstoffe zu spritzen - das wäre Experten zufolge immunologisch wahrscheinlich kein Problem. Jedoch liegen zu einer solchen Mischung keine Studiendaten vor, auch eine Zulassung gibt es nicht.

Der vorläufige Stopp dürfte aber zunächst kaum für Probleme bei der zweiten Dosis sorgen, so er nicht länger dauert: Zwischen Erst- und Zweitimpfung sollen bei Astrazeneca möglichst zwölf Wochen liegen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko). Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) von Montag haben bisher gut 1,6 Millionen Menschen in Deutschland eine Erstimpfung erhalten - bei vielen ist noch Zeit, bis die zweite Dosis ansteht. Eine Zweitimpfung mit Astrazeneca erhielten bisher erst 217 Menschen.

Bilderstrecke

Corona-Impfung: Das unterscheidet die Impfstoffe

Wie lange soll der Stopp für Astrazeneca dauern?

Der vorgesehene Impf-Fahrplan liegt nun erst einmal auf Eis. Als nächstes prüft die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) die Sache. Ihr Sicherheitsausschuss will am Donnerstag entscheiden. Schon an die Länder ausgelieferte Dosen sollen zunächst dort bleiben, anstehende weitere Lieferungen will der Bund vorerst in seinem Zentrallager lassen und nicht weiterverteilen.

Wo gibt es weitere Informationen?

Stand: 16. März 2021, 10 Uhr