Merkel zu Corona-Pandemie

Kanzlerin Merkel im Corona-Sommer - An Rente nicht zu denken

Kanzlerin Angela Merkel sprach im Corona-Sommer über die Pandemie, den Belarus und Libyen.

Kanzlerin Angela Merkel sprach im Corona-Sommer über die Pandemie, den Belarus und Libyen.

Bild: picture alliance/Michele Tantussi/Reuters-Pool/dpa

Kanzlerin Angela Merkel sprach im Corona-Sommer über die Pandemie, den Belarus und Libyen.

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Kanzlerin Angela Merkel steht während ihrer letzten Amtsphase mit der Corona-Pandemie vor ihrer womöglich größten Herausforderung.

Kanzlerin Angela Merkel sprach im Corona-Sommer über die Pandemie, den Belarus und Libyen.
dpa
28.08.2020 | Stand: 17:46 Uhr

Die Last der Krisen ist Angela Merkel anzumerken. Ernst und konzentriert sitzt die Kanzlerin am Freitagmittag auf dem Podium der Bundespressekonferenz in Berlin. Die Urlaubserholung scheint bei ihrem traditionellen Sommer-Auftritt auf Berliner Bühne großteils schon wieder dahin. Die Woche war heftig: Erst der Koalitionsausschuss, dann die Corona-Runde mit den Ministerpräsidenten. Doch manchmal wirkt Merkel bei ihrem Auftritt auch entspannt, etwa wenn es um Persönliches geht. Und ein paar Mal blitzt der hintersinnige Humor der Kanzlerin auf.

Schon Merkels Ankunft ist eine Art Zeichen dafür, wo der Schwerpunkt der folgenden 90 Minuten liegen wird. Sie kommt im azurblauen Blazer, trägt den schwarzen Mund-Nase-Schutz mit dem Signet der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Kaum hat sie auf der Bühne Platz genommen, nestelt Merkel ein kleines Plastiktütchen aus der Hosentasche. Darin verschwindet die Maske. Soll ja niemand sagen, sie sei kein Vorbild.

Nur Bruchteil von Plätzen gefüllt

Als Merkel in den Saal schaut, zeigt sich ein ungewohntes Bild. Wo es sonst knallvoll ist, wenn die Kanzlerin kommt, sind die Reihen gelichtet. Wegen Corona dürfen nur 41 Journalisten und eine Handvoll Fotografen in den Raum. Eigentlich ist Platz für 210 Fragesteller. Doch weil das Abstandsgebot gilt, bleibt jede zweite Reihe frei. Viele Fragen werden wegen der Pandemie online gestellt.

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In ihrem Eingangsstatement spricht die Kanzlerin dann 7 von 10 Minuten über die Corona-Krise, deren Folgen und auf was sich die Bürger in Deutschland in Herbst und Winter einstellen müssen. Sie liest ihre Sätze vor - das tut sie vor allem dann, wenn ihr jedes Wort wichtig ist. Es klingt beinahe wie eine Regierungserklärung in schweren Zeiten. Merkels Sätze sind vor allem Mahnung an die Menschen, von denen manche aus ihrer Sicht in den Urlaubswochen zu sorglos waren: "Es bleibt dabei: Es ist ernst, unverändert ernst. Und nehmen Sie es auch weiterhin ernst."

Kanzlerin Merkel geht auf Krisen-Herde in der Welt ein

Was dann in der Fragerunde kommt, ist eine Tour durch die Krisen dieser Welt. Der Brandherd Belarus. Die gefährliche Lage zwischen Griechenland und der Türkei. Ganz zu schweigen von den Dauerkrisen in Libyen, Syrien oder dem Jemen. Merkel antwortet konzentriert, aber aus ihren Worten ist auch Sorge um die Zukunft Europas und der Welt zu hören. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft ist für Merkel und die Regierung in diesen Zeiten ein Knochenjob - das geht auch an der krisenerprobten Kanzlerin nicht spurlos vorbei.

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Etwas Leichtigkeit gibt es dann doch - bei einem anderen schweren Thema. Eine Reporterin will von Merkel wissen, ob sie die jüngste Aussage des früheren US-Botschafters Richard Grenell bestätigten könne, wonach US-Präsident Donald Trump die Kanzlerin regelrecht verzaubert habe. "Was hat er mich?", fragt Merkel verdutzt. "Verzaubert." "Ach so", entgegnet die Kanzlerin vielsagend und muss grinsen. Gelächter im Saal. Sie berichte ja nicht aus internen Gesprächen, "insofern kommentiere ich das jetzt auch nicht". Doch jeder weiß auch so: Merkel und Trump werden keine Freunde mehr.

Merkel steht zu "Wir schaffen das"

Gelassen zeigt sich Merkel auch, als sie auf ihren viel kritisierten Satz "Wir schaffen das" angesprochen wird. Vor genau fünf Jahren war das, auch bei einer Sommerpressekonferenz. Die Flüchtlingskrise von damals hat sie den CDU-Vorsitz gekostet, fast auch das Kanzleramt. Die wesentlichen Entscheidungen von damals würde sie wieder so fällen, betont Merkel nun. Ob sie den Satz auch in Corona-Zeiten sagen würde? Jede Krise habe ihre eigene Sprache, kommt als Antwort. "Insofern ist mir jetzt nicht mehr in den Sinn gekommen, diesen Satz zu wiederholen."

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Zum Machtkampf in der CDU und zur ungelösten Frage, ob der künftige CDU-Vorsitzende oder doch lieber CSU-Chef Markus Söder Kanzlerkandidat der Union werden soll, gibt sich Merkel einmal mehr schmallippig: "Als diejenige, die für das Amt der Bundeskanzlerin nicht mehr kandidiert und auch nicht mehr CDU-Vorsitzende ist" halte sie sich aus diesen Nachfolgefragen raus. "Deshalb hab ich da auch keine Hinweise zu geben." Punkt.

Besonders interessant und kurzweilig wird es, als Merkel Einblick in ihre persönlichen Erfahrungen mit der Corona-Krise gibt. Natürlich habe das Virus auch ihre Art des Arbeitens verändert. Sonst habe sie ja beispielsweise viel Zeit mit Reisen verbracht - wobei Reisezeit nicht immer die produktivste Zeit sei. "Auf der anderen Seite vermisse ich das schon ein bisschen, dass man jetzt schon sehr wenig rauskommt", gibt Merkel zu.

Kanzlerin hat sich mit Videokonferenzen angefreundet

Eine vollkommen neue Entdeckung seien für sie die Videokonferenzen, sagt die Kanzlerin. Diese funktionierten "sehr viel besser, als ich mir das hab' vorstellen können". Zwar seien solche Konferenzen in großen Gruppen doch eher statisch, erzählt Merkel aus dem Nähkästchen. Aber mit 10, 15 Menschen seien Videokonferenzen sehr intensiv und nicht viel schlechter, als wenn man eine längere Reise mache - gerade wenn man wie sie viele Kollegen schon lange kenne. Es sei allerdings auch nicht so, dass ihr nun "so sehr viel mehr Zeit bleibt, um tagelang grundsätzlich nachzudenken, dicke Bücher zu lesen und irgendwie über die Welt von übermorgen nachzudenken".

Videokonferenzen hätten zudem "auch den Nachteil, dass man nicht weiß, wer alles zuhört", schiebt Merkel schmunzelnd hinterher. "Das kann man in geschlossenen Räumen doch etwas besser kalkulieren und einschränken."

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Merkel ist auch in Corona-Zeiten der Schalk nicht abhanden gekommen. Als die Leiterin der Pressekonferenz darauf aufmerksam macht, dass es für die restlichen 15 Minuten noch 15 Fragen gebe, macht Merkel verschmitzt einen Vorschlag: "Wir können es ja so machen, dass nur die Fragen gestellt werden und ich nicht mehr antworte. Dann kriegen wir's noch hin."

Es dürfte Merkels vorletzte Sommer-Pressekonferenz gewesen sein - doch Zeit, um über ihren Ruhestand nachzudenken, bleibt der Kanzlerin noch nicht. Ob sie schon gebucht habe, um ihre Träume von einer Reise in die Rocky Mountains oder einer Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn durch Russland zu erfüllen, will ein Fragesteller wissen. "Nein. Ich hab' noch nicht gebucht", antwortet Merkel trocken. "Und es ist auch gerade nicht die Zeit danach, solche Reisen zu buchen."