Bis zu 250.000 Zivilisten?

CDU-Experte Kiesewetter: Zahl der Ukraine-Kriegstoten wohl deutlich höher als bekannt

Die 70-jährige Nadiya Trubchaninova weint am Sarg ihres 48-jährigen Sohnes Vadym, der in Butscha durch einen Schuss der russischen Armee getötet wurde.

Die 70-jährige Nadiya Trubchaninova weint am Sarg ihres 48-jährigen Sohnes Vadym, der in Butscha durch einen Schuss der russischen Armee getötet wurde.

Bild: Emilio Morenatti, AP, dpa

Die 70-jährige Nadiya Trubchaninova weint am Sarg ihres 48-jährigen Sohnes Vadym, der in Butscha durch einen Schuss der russischen Armee getötet wurde.

Bild: Emilio Morenatti, AP, dpa

Der CDU-Außenexperte Roderich Kiesewetter befürchtet nach seinem Ukraine-Besuch eine viel höhere Zahl an getöteten Zivilisten, als bislang offiziell bekannt ist.
10.05.2022 | Stand: 08:00 Uhr

Der CDU-Außenexperte Roderich Kiesewetter rechnet nach den Gesprächen auf seiner Ukraine-Reise mit deutlich mehr zivilen Kriegsopfern als bislang bekannt. „Die Angaben über zivile Opfer schwanken zwischen über 3.000 und bis zu 250.000, die mir in Kiew genannt wurden“, sagte Kiesewetter im Interview mit unserer Redaktion. „Es wird Jahre dauern, die wahren Zahlen zu verifizieren, da viele Opfer noch unter Trümmern vermisst und immer wieder Massengräber entdeckt werden“, erklärte der CDU-Obmann im Auswärtigen Ausschuss, der vergangene Wochen Unionsfraktionschef Friedrich Merz bei dessen Kiew-Besuch begleitet hatte.

UN nennt eigene offizielle Zahlen von 3.280 getöteten Zivilisten zu niedrig

Stand vergangener Woche sind in rund 70 Kriegstagen seit dem 24. Februar nach UN-Angaben mindestens 3.280 Kinder, Frauen und ältere Menschen ums Leben gekommen. Die Vereinten Nationen betonen allerdings selbst, dass die tatsächlichen Zahlen nach ihrer Ansicht erheblich höher lägen, da Informationen aus umkämpften Gebieten mit erheblichen Verzögerungen übermittelt würden und zahlreiche weitere Berichte über getötete Zivilisten noch nicht ausreichend bestätigt seien.

Kiesewetter: „Es geschehen wirklich ungeheuerliche Gräueltaten“

„Es geschehen wirklich ungeheuerliche Gräueltaten in der Ukraine“, sagte Kiesewetter. „ Da wird eine Schule beschossen und die Kinder, die sich im Keller versteckt haben, ersticken“, berichtete der CDU-Politiker. „Es ist wichtig, dass jetzt alle Kriegsverbrechen dokumentiert werden und nichts vertuscht wird“, erklärte er. „Sie müssen den Leuten zugeordnet werden können, die sie angeordnet haben und denen, die sie durchgeführt haben“, betonte Kiesewetter.

„Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Truppen mit besonders rücksichtslosen Menschen gefüllt werden“, sagte der frühere Bundeswehr-Oberst. „Im Tschetschenien-Krieg hat Russland bereits Gewalttäter begnadigt und sie dann in den Krieg geschickt. Die haben dort ihre Verhaltensdefizite ausgelebt.“

CDU-Politiker berichtet aus Gespräch zwischen Selsnskyj und Merz

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Der CDU-Außenpolitiker berichtete zugleich, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei dem gemeinsamen Gespräch konkrete Wünsche an die deutsche Politik gestellt habe: „Selenskyj hat mehrere Forderungen: Erstens wollen die Ukrainer Sicherheitsgarantien, damit so etwas wie 2014 nicht mehr geschieht – damals wurde die Krim von Russland annektiert. Zweitens wollen die Ukrainer eine EU-Perspektive, sie wollen irgendwann Teil der Europäischen Union sein“, sagte Kiesewetter. „Sie brauchen darüber hinaus jetzt Waffen, um die Russen auf Abstand zu Dörfern und Städten zu halten, wo diese so fürchterliche Gräueltaten verüben.“

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