Corona-Pandemie

Gerd Müller: Google, Apple und Facebook sollen für Corona-Impfstoff spenden

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller ruft Google, Facebook und Apple dazu auf, einen Teil ihrer Milliarden-Gewinne für die Corona-Impfung in armen Ländern zu spenden.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller ruft Google, Facebook und Apple dazu auf, einen Teil ihrer Milliarden-Gewinne für die Corona-Impfung in armen Ländern zu spenden.

Bild: Ralf Lienert

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller ruft Google, Facebook und Apple dazu auf, einen Teil ihrer Milliarden-Gewinne für die Corona-Impfung in armen Ländern zu spenden.

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Entwicklungsminister Gerd Müller appelliert an die reichen Länder, bei der Verteilung des Corona-Impfstoffs die armen nicht zu vergessen. Wer dafür bezahlen soll.
04.01.2021 | Stand: 20:21 Uhr

Während in Deutschland über eine angebliche Mangelversorgung mit Corona-Impfstoffen gestritten wird, gucken viele arme Länder in die Röhre. Sie haben kein Serum und keine Medikamente zur Verfügung und manchmal noch nicht einmal welche in Aussicht. Diese Länder dürften bei den Corona-Impfungen nicht auf der Strecke bleiben, mahnt Bundesentwicklungsminister Gerd Müller.

Er fordert eine internationale Kraftanstrengung, an der sich auch Konzerne wie Google oder Apple beteiligen sollen. „Es ist nachvollziehbar, dass jedes Land zuerst an seine Bürger denkt“, sagte der CSU-Politiker unserer Redaktion. „Aber wir können es nicht dabei belassen. Die Pandemie muss weltweit bekämpft werden. Sonst kommt das Virus im nächsten Flieger zurück – auch zu uns.“ (Lesen Sie auch: Dieses Allgäuer Projekt nennt Gerd Müller "Vorzeigeprojekt")

Entwicklungsminister Müller: Nicht warten, bis reiche Länder gegen Coronavirus durchgeimpft sind

Die Europäische Union (EU) habe sich bereits 1,5 Milliarden Impfdosen bei verschiedenen Anbietern gesichert, erklärte Müller. Beim Impfen dürfe aber die globale Solidarität nicht auf der Strecke bleiben. „Jetzt muss die Weltgemeinschaft ihre Anstrengungen verstärken, für Entwicklungsländer angepasste Impfstoffe zu entwickeln und den Zugang zu sichern.“

Auch dort gelte es zunächst, medizinisches Personal und Risikogruppen zu impfen. „Wir sollten damit nicht warten, bis die westliche Bevölkerung komplett durchgeimpft ist.“ Mit entsprechender Unterstützung seien Impfkampagnen auch in weniger entwickelten Ländern umsetzbar: „Zum Glück fangen wir nicht bei null an und können auf jahrelange Erfahrung beim Kampf gegen Polio und andere Krankheiten aufbauen.“ Die internationale Impfallianz Gavi habe Versorgungs- und Kühlketten bis in entlegenste Dörfer aufgebaut. Diese Strukturen könnten nun auch für Covid-19 Impfungen genutzt werden.

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Deutschland hat laut Müller bereits große Anstrengungen unternommen, um Entwicklungsländern bei der Immunisierung ihrer Bevölkerung zu helfen. So seien etwa für den Kauf von Impfstoff zusätzlich 100 Millionen Euro bereitgestellt worden. Damit werde die Verteilung von Corona-Impfstoffen in Entwicklungsländern ermöglicht.

Doch weltweit seien die Impfprogramme für Entwicklungsländer massiv unterfinanziert. Um dort im nächsten Jahr 20 Prozent der Bevölkerung zu impfen, braucht es eine Milliarde Impfdosen, wie Müller schätzt. Allein dafür fehlten aber laut UN-Angaben fünf Milliarden Euro. „Wir brauchen eine gemeinsame Anstrengung. Alle Industriestaaten, auch die USA und China, sollten sich an der Finanzierung beteiligen.“

Mehr als 600 Eilmeldungen hat die Deutsche Presse-Agentur bis Dezember 2020 allein zum Corona-Virus gesendet. Die Überschriften dokumentieren die Zeitspanne von den ersten Hinweisen auf eine Ausbreitung der Viruserkrankung bis zu den jüngsten Erfolgen bei der Impfstoffentwicklung. Ein Überblick:

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Auch Privatunternehmen, die in der Corona-Krise besonders profitierten, sieht der Minister in der Pflicht: „Ich denke an Konzerne wie Amazon, Google, Facebook oder Apple und andere. Sie machen hohe Milliardengewinne in der Krise. Deswegen fände ich es angemessen, wenn sie sich an der Bewältigung der Krise beteiligen und die internationale Impfplattform Covax mitfinanzieren.“

Gleichzeitig müsse die Forschung an Impfstoffen weitergehen, die in Entwicklungsländern ohne hohen Kühlaufwand verteilt werden können, erklärte Müller. Viele Impfstoffe bräuchten derzeit eine durchgehende Kühlung von bis zu minus 70 Grad. In Entwicklungsländern könne er deshalb nur in großen Städten verteilt werden. Andere Impfstofftypen erfordern weniger Kühlung. „Wir müssen auch in Forschung und Entwicklung an die Erfordernisse der Entwicklungsländer denken“, sagte der Minister.

Auch die Diakonie Deutschland hat bereits eine Impfstrategie für die Entwicklungsländer gefordert. „Wenn wir nicht Perspektiven für die Ärmsten der Armen finden, dann werden wir noch völlig andere Formen von Migration und ganz andere Formen von Auseinandersetzung auf dieser Welt erleben. Darum gehört es auch zu unserer Verantwortung, einen sicheren Impfschutz für alle Menschen auf dieser Welt zu gewährleisten“, sagte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie.

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