AfD-Rechtsaußen

Kalbitz begrüßt AfD-Fraktionschef heftigst - dieser muss ins Krankenhaus

Diagnose Milzriss: Der AfD-Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch (l) und Partei-Rechtsaußen Andreas Kalbitz.

Diagnose Milzriss: Der AfD-Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch (l) und Partei-Rechtsaußen Andreas Kalbitz.

Bild: Wolfgang Kumm/dpa

Diagnose Milzriss: Der AfD-Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch (l) und Partei-Rechtsaußen Andreas Kalbitz.

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Innige Zuneigung oder doch fahrlässige Körperverletzung? Ein AfD-Mann musste nach einer Begrüßung durch Partei-Rechtsaußen Andreas Kalbitz in die Klinik.
Diagnose Milzriss: Der AfD-Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch (l) und Partei-Rechtsaußen Andreas Kalbitz.
dpa
18.08.2020 | Stand: 15:15 Uhr

Ein Krankenhausaufenthalt des amtierenden brandenburgischen AfD-Fraktionschefs Dennis Hohloch sorgt in seiner Partei für Unruhe. "Da die Gerüchteküche brodelt und der Topf mittlerweile fast überkocht: Ja, ich liege aktuell noch im Krankenhaus mit einem Milzriss", schrieb Hohloch am Dienstag auf Twitter. Zuvor war in der Partei kolportiert worden, Hohloch sei nach einer wohl unbeabsichtigt heftigen Begrüßung des aus der Partei ausgeschlossenen Ex-Landeschefs Andreas Kalbitz in die Klinik eingeliefert worden.

Milzriss nach Begrüßung durch Andreas Kalbitz? Das sagt der Betroffene AfD-Mann

Laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland wurde der 31-Jährige Hohloch in der vergangenen Woche in den Fraktionsräumen im Potsdamer Landtag verletzt, als ihn der aus der Partei ausgeschlossene Ex-Landeschef Andreas Kalbitz begrüßte - wohl unabsichtlich heftig. Nach Informationen aus der AfD erlitt Hohloch innere Verletzungen, Anhaltspunkte für einen Streit zwischen den beiden Männern gibt es nicht. "Der RND umschreibt die Geschehnisse sehr gut", teilte Hohloch auf dpa-Anfrage per Textnachricht mit. Telefonisch zu erreichen war er nicht.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam leitete Ermittlungen gegen Kalbitz ein. "Wir haben das von Amts wegen eingeleitet aufgrund der Presseberichterstattung", sagte ein Behördensprecher. Es gehe um den Anfangsverdacht der fahrlässigen Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft ist gesetzlich verpflichtet, bei Hinweisen auf mögliche Straftaten Ermittlungen einzuleiten - dies sagt nichts darüber aus, ob ein strafbares Verhalten vorliegt.

Ein Kalbitz politisch nahe stehender Bundestagsabgeordneter hatte am Montag in der Partei verbreitet, nach dem freundschaftlichen Schlag in die Seite sei bei Hohloch eine zuvor nicht diagnostizierte Zyste in der Milz geplatzt. Dem widersprach Hohloch: "keine Zyste o.ä.", schrieb er in dem Tweet weiter.

AfD-Rechtsaußen Kalbitz: "Natürlich bedauere ich dieses Missgeschick"

Kalbitz sagte der "Berliner Zeitung": "Natürlich bedauere ich dieses Missgeschick sehr und diese Verkettung unglücklicher Umstände." Noch vor Erscheinen des Berichts hatte Kalbitz am Montag zu Darstellungen aus der Partei, er habe seinen Fraktionskollegen krankenhausreif geschlagen, auf Anfrage gesagt: "Mir traut man inzwischen wohl alles zu." Das sei "innerparteiliches Schmierentheater" von Leuten, die Angst hätten, dass er am Freitag seinen Prozess vor dem Landgericht Berlin gewinnen und wieder Parteimitglied werden könnte. "Die wollen mich unbedingt weg haben."

AfD-Landtagsabgeordneter: "Andreas, bitte geh!"

Der parlamentarische Geschäftsführer Hohloch vertritt Kalbitz derzeit als Fraktionschef. Kalbitz lässt das Amt wegen der juristischen Auseinandersetzungen um seine Parteimitgliedschaft seit Anfang August ruhen. In der Fraktion stehen viele noch hinter Kalbitz, allerdings gibt es auch Kritik an seinem Auftreten und seinem Führungsstil in der Vergangenheit: Mit den Worten "Andreas, bitte geh!", kommentierte der Mitarbeiter eines Brandenburger Landtagsabgeordneten die Geschehnisse am Dienstagvormittag in einem offenen Brief auf Facebook.

Über einen Eilantrag von Kalbitz gegen die Annullierung seiner Mitgliedschaft in der AfD soll am 21. August vor dem Berliner Landgericht verhandelt werden. Der AfD-Bundesvorstand hatte die Mitgliedschaft von Kalbitz im Mai mit knapper Mehrheit für nichtig erklärt.

Als Grund für den Beschluss gab der Vorstand an, dass Kalbitz bei seinem Eintritt in die Partei 2013 eine frühere Mitgliedschaft in der inzwischen verbotenen rechtsextremen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) und bei den Republikanern zwischen Ende 1993 und Anfang 1994 nicht angegeben habe. Diesen Beschluss hatte das AfD-Bundesschiedsgericht Ende Juli bestätigt. Neben Thüringens Landeschef Björn Höcke gilt Kalbitz als wichtigster Vertreter der rechtsnationalen Strömung in der Partei.