Trump oder Biden - wer wird neuer Präsident der USA?

Aktuelle Pressestimmen zur US-Wahl: "Land ist gespaltener als je zuvor"

Die US-Wahl ist weltweit das Thema: Die Berichterstattung über die Wahl wurde beispielsweise auch über große Monitore in der Innenstadt von Hongkong übertragen.

Die US-Wahl ist weltweit das Thema: Die Berichterstattung über die Wahl wurde beispielsweise auch über große Monitore in der Innenstadt von Hongkong übertragen.

Bild: Liau Chung-Ren, ZUMA Wire, dpa

Die US-Wahl ist weltweit das Thema: Die Berichterstattung über die Wahl wurde beispielsweise auch über große Monitore in der Innenstadt von Hongkong übertragen.

Bild: Liau Chung-Ren, ZUMA Wire, dpa

Noch immer steht nicht fest, wer der neue Präsident ist. Medien sprechen von einer "Schlacht" und "Schickssalsstunden in den USA". Pressestimmen im Überblick.
08.11.2020 | Stand: 18:20 Uhr

Aktualisiert am Samstag, 9 Uhr - Trump oder Biden - wer wird neuer US-Präsident? Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen ums Weiße Haus. Die ganze Welt schaut gerade gespannt in die USA - denn die Wahl wird auch internationale einschneidende Folgen haben. Da sind sich viele Medien einig. Die Pressestimmen und Reaktionen im Überblick.

Die Allgäuer Zeitung berichtet aktuell: Unseren Newsblog zur US-Wahl finden Sie hier.

Pressestimmen zur US-Wahl vom 8. November:

  • "Dass Biden die Rückkehr der USA in internationale Projekte und Abkommen ankündigte, sollte gleichfalls Mut machen. Freilich wäre es etwa mit dem formalen Wiedereintritt in das Pariser Klimaabkommen längst noch nicht getan. Viele Millionen Amerikaner sind dem Leugner der globalen Klima-Herausforderung, Trump, auf den Leim gegangen. Viele Wirtschaftszweige, mit Millionen Jobs, ignorieren die Notwendigkeit nachhaltig zu wirtschaften, statt weiterhin ungehemmt Treibhausgase in die Luft zu pusten." Mittelbayerische Zeitung
  • "Man kann Amerika zu seinem neuen Präsidenten Joe Biden gratulieren. Ob man Joe Biden zu dem Amerika gratulieren sollte, dessen Führung er übernimmt, ist eine andere Frage. Aber es hilft nichts. Donald Trump hat vier Jahre damit verbracht, die amerikanische Gesellschaft zu zerrütten. Er hat den Tod einer Viertelmillion Amerikaner in der Corona-Pandemie mit einem Achselzucken hingenommen. "Es ist, wie es ist", hat er gesagt. Man muss sich nur den Jubel ansehen, der vielerorts ausbrach, als Trumps Niederlage bekannt wurde - als sei ein Diktator gestürzt worden. Jetzt muss jemand den Wiederaufbau leiten und sich bemühen, die Wunden zu heilen. Joe Biden wird es versuchen." Süddeutsche Zeitung
  • "Möglich, dass Biden der Richtige ist, um Brücken zu bauen. Er braucht dazu aber auch Bürger, die bereit sind, Brücken zu beschreiten. Davon scheinen keineswegs alle Trump-Anhänger überzeugt zu sein: Sie sehen im politischen Gegner den Feind. Auch da haben Trump und sein Familienclan die Tonlage vorgegeben, kriegerisch und höchst riskant. Man kann nur hoffen, dass diese Saat des Hasses nicht aufgeht." Nürnberger Nachrichten
  • "Nicht überall wird die Erleichterung über den Ausgang der amerikanischen Präsidentenwahl so groß sein wie in Europa, wo man sich für den Fall einer zweiten Amtszeit Donald Trumps schon die schlimmsten Szenarien ausgemalt hatte. Das hat sich Gott sei Dank als unnötig herausgestellt; die Nato wird fortbestehen! Die meisten Europäer haben Joe Biden die Daumen gedrückt, ihr Wunschkandidat wird die präsidentgewordene Abrissbirne im Weißen Haus in gut zwei Monaten ablösen. Aber was kommt nach dem großen Aufatmen (...), schließlich wird sich der 46. Präsident der Vereinigten Staaten vor allem der inneren Erneuerung und Versöhnung Amerikas widmen wollen und müssen? Dann schlägt die Stunde der Wahrheit, auf andere Art als sie das getan hätte, wenn Trump sein Werk der "Disruption" hätte fortsetzen können, aber sie schlägt. (...)" FAZ

Pressestimmen zur US-Wahl vom 7. November:

  • "Donald Trump hat natürlich das Recht, jedes Ergebnis anzufechten, sollte er Beweise für Fehlverhalten haben. Die müsste er aber erst noch vorlegen. Tatsächlich ist einiges von dem, was er gesagt hat, einfach unwahr. Vieles klang eher wie ein unheilvoller Appell an seine Anhänger, auf die Straße zu gehen. Einige von ihnen haben bereits Waffen schwingend vor Zentren zur Stimmauszählung demonstriert. Das ist eine potenziell gefährliche Situation. (...) Man kann jetzt nur hoffen, dass moderate Stimmen in der Administration und in der Republikanischen Partei diesen launenhaftesten aller Präsidenten dazu bringen können, sich so zu verhalten, dass die Einheit des Landes und die Würde des Amtes gewahrt bleiben." The Times

  • "Das Vorgehen von ABC, CBS, CNBC und MSNBC war unreif, unklug, übergriffig. Journalisten ergriffen Partei und machten von ihrer Diskurshoheit Gebrauch. Im Gewand vermeintlicher Haltung übten sie einen entmündigenden Paternalismus aus. Sie brachten die Zuschauer um die Chance, sich selbst ein Bild zu machen, und den Präsidenten um sein Recht der freien Äusserung. Nichts, wirklich gar nichts hätte dagegen gesprochen, die Rede kritisch zu bewerten, einzuordnen, sie hart auf Pro und Contra abzuklopfen - aber bitte schön erst dann, wenn man sie gehört hat.(...)

    Es ist das Gegenteil von Besonnenheit, die freie Rede mit der Macht des technischen Apparats zu verhindern. Auch einem Gegenüber, das selbst das Gegenteil von Besonnenheit und Reife ist, sollte auf erwachsene Weise widersprochen werden. Sonst gibt es am Ende nur noch Rechthaberei und Monologe." NZZ

  • "Joe Biden wird sich ohne Zweifel zum Präsidenten der Vereinigten Staaten erklären, sobald die Stimmen ausgezählt sind. Eigentlich wäre damit die Frage einer jeden Wahl beantwortet, nämlich wer gewonnen hat. In der jetzigen Lage stellt sich von nun an eine zweite Frage (...): Was wird Donald Trump von nun an tun? (...) Wir werden sicherlich Aktionen erleben, die in der langen Geschichte der amerikanischen Demokratie ohne Gleichen sind. Als Vorgeschmack haben wir bereits am Donnerstagabend erlebt, wie die drei seriösen TV-Sender ABC, CBS und NBC die Live-Übertragung von Präsident Trump unterbrachen, weil er Lügen und falsche Anschuldigungen verbreitete.

    Die Entscheidung ist beispiellos und stellt einen Präzedenzfall dar, der zum Nachdenken über die Rolle der Medien einlädt. Eine Sache ist es, die Meinung eines Politikers einzuholen und dann darzulegen, dass das, was er gesagt hat, nicht korrekt oder gar falsch ist (das haben CNN und Fox News getan), eine andere Sache ist es, einem Politiker direkt das Wort abzuschneiden. (...) Vielleicht aber lässt sich der Trumpismus eher mit Transparenz und ohne Zensur bekämpfen. Zeigen, wie es ist. Auf diese Weise hat Trump die Wahl verloren, obwohl er dies nicht zugeben will." La Vanguardia

  • "Seit Monaten war offensichtlich, dass Donald Trump den Sieg für sich beanspruchen und Betrugsvorwürfe erheben würde, sollte er die Wahl verlieren. Er hatte sich geweigert, zu erklären, dass er eine friedliche Übergabe der Macht akzeptieren würde. Der Abstimmung könne man nicht trauen, behauptete er. Trump scheint ohne auch nur eine Spur von Scham bereit zu sein, die Gültigkeit der Abstimmung in jedem Bundesstaat anzufechten, in dem er verloren hat. So versucht er, die Wahlen zu unterminieren, um sie schließlich für ungültig zu erklären. Das ist ein gefährlicher Moment." The Guardian

Pressestimmen 6. November:

  • Die einst schöne und edle Demokratie der USA ist in ihrem Kern morsch und brüchig. Und nicht wenige Amerikaner sind ihrer überdrüssig geworden. Viel zu viele stimmten für einen Mann, der mit jeder seiner Äußerungen diese Demokratie verhöhnt und sie mit fragwürdigsten Mitteln immer weiter beschädigt. Müde und ermattet wird daher nicht nur der neue Präsident aus diesen Nach-Wahltagen hervorgehen. Das ganze Land wird mit einem furchtbaren Kater aufwachen, den man andernorts nicht zu Unrecht als Schwäche interpretieren dürfte. Nürnberger Nachrichten
  • Er wird bis zur letzten Instanz gegen ein Ergebnis klagen. Zudem werden einige der Anschuldigungen in seiner Anhängerschaft verfangen haben. Die Trump-Fans berufen sich ebenfalls auf die Demokratie. Doch hier liegt die Gefahr: In ihrer Logik hatte der Präsident einen klaren Vorsprung - schließlich kennen sie oft nur Menschen, die auch Trump gewählt haben. Biden konnte also nur mit Betrug aufholen. Den USA stehen heiße Wochen bevor. Reutlinger General-Anzeiger
  • Trump hat schon oft den starken Mann markiert, um sich später als Maulheld zu erweisen. Das wird auch diesmal so sein. Deshalb sollte seinen absurden Aufführungen nicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es ist die letzte Show eines Politclowns, der sich mit seinem Verhalten zu einer traurigen Lachnummer gemacht hat. Rhein-Zeitung

Trump und seine Reaktionen in der Kritik

  • Immer mehr zeichnet sich ab, dass der Präsident sich nicht damit abfinden wird, sollte sein Herausforderer Biden, der an der Schwelle zum Präsidentenamt steht, die Mehrheit im Wahlmännergremium erlangen. Seine Niederlage in Würde eingestehen und seinem Nachfolger viel Glück wünschen, das wird er nicht tun. Von einem Mann, der kein Ehrgefühl im Leib hat, ist das nicht zu erwarten. Trump wird vor viele Gerichte ziehen, vielleicht sogar vor das Oberste Gericht. Aber was wird er tun, sollte das alles keinen Erfolg haben (.)? Will er sich heraustragen lassen, wie schon gemutmaßt wurde, und die Staatskrise perfekt machen? Nach dem Schmierentheater, das Trump aufgeführt hat, kann man nichts ausschließen; auch nicht, dass einige seiner Anhänger auf ganz dumme Gedanken kommen. Frankfurter Allgemeine Zeitung
  • Trump ist kein Mann der Partei. Außerdem spielen Parteien im politischen System der USA keine so zentrale Rolle wie etwa in Deutschland. Dennoch sind die beiden Parteien große Zelte, unter denen sich Frauen und Männer versammeln, um sich für das Abgeordnetenhaus, den Senat oder eben das Weiße Haus zu bewerben. Trump hat die Partei für seine Zwecke benutzt. Nachdem er 2016 die Wahl gewonnen hatte, hat er sie sich untertan gemacht. Mehr noch: Die allermeisten Republikaner haben sich ihm bereitwillig unterworfen, sie haben die Seele der sogenannten Grand Old Party (GOP) prostituiert für den schlimmsten Ego-Politiker, der seit Menschengedenken das Weiße Haus gewann. Weil Trump nun im Angesicht der Niederlage die Grundlagen der Demokratie angreift, müssen Abgeordnete und Senatoren, Bürgermeisterinnen und Gouverneure der GOP Farbe bekennen: für Trump und damit gegen Recht und Moral oder eben für Recht und Moral und damit gegen Trump. Süddeutsche Zeitung
  • Es wäre blauäugig zu glauben, dass mit Biden eine Zeit unterschiedsloser Interessen zwischen der Alten und der Neuen Welt anbrechen würde. In Berlin tut man gut daran, der von lustvoller Empörung über die Gepflogenheiten Trumps geprägte Haltung nicht eine zu lange Phase fröhlicher Naivität über den neuen Mann im Weißen Haus folgen zu lassen. Nürnberger Zeitung

Pressestimmen 5. November:

  • "Die USA sind ein Land mit zwei Realitäten, tief zerrissen. Es braucht dringend Versöhnung, Aufeinander-Zugehen, eine Verständigung auf die Regeln der Demokratie. Donald Trump hat heute einmal mehr gezeigt, dass er das nicht will. Joe Biden würde ein nach den lauten Trump-Jahren erschöpftes Amerika beruhigen. Ob er die Kraft hat, das Land wieder zusammenzubringen, müsste er als Präsident Biden beweisen." ZDF
  • "Aus Trumps Twitter-Kanal sprüht ein Dauerfeuer aus Lügen, Verleumdung, Verschwörungsgeschwurbel. Trump schürt politisch motivierte Gewalt oder stiftet dazu an. Ein solches Amtsverständnis war für einen US-Präsidenten vor ihm eigentlich undenkbar. Trumps Schamlosigkeit hat sich nun auch nach dieser Wahl gezeigt, als er wie ein Autokrat den Sieg beanspruchte, bevor vielerorts überhaupt fertig ausgezählt war." Süddeutsche Zeitung
  • "Was nun anbricht, könnte die längste und dunkelste Nacht der amerikanischen Demokratie werden: eine Wahl, die de facto vom amerikanischen Präsidenten abgebrochen wurde, als die Ergebnisse sich gegen ihn zu wenden drohten. „Betrug“ und eine „gestohlene“ Wahl – das waren die Worte, die Donald Trump wählte. Worte, die man überall erwarten würde, aber nicht in der Bastion westlicher Demokratie und Freiheitlichkeit. Der erste Winter der Corona-Pandemie, die unsere Welt erschüttert hat, bräuchte nichts mehr als die Hoffnung auf einen neuen Morgen. Von wo sollte diese Hoffnung ausgehen, wenn nicht von Amerika?" Bild
  • Bereits jetzt steht fest, dass die Vereinigten Staaten so tief gespalten sind wie seit dem Bürgerkrieg nicht mehr. Das hat die Wahl verdeutlicht. Wer künftig im Weißen Haus ist, wird Präsident von zwei Amerika, einem roten und einem blauen. Und diese beiden Amerika wollen nichts von einander wissen und sind sich spinnefeind. Der Schaden ist angerichtet. Biden würde versuchen, die beiden Lager zu versöhnen. Aber das ist eine Aufgabe für Generationen. Und Donald Trump, das wissen wir nun, pfeift auf die Demokratie." Tages-Anzeiger (Schweiz)

Trump missachtet das allgemeine Wahlrecht

  • "Sollte Donald Trump gehen - und es gibt kaum Anzeichen dafür, dass er dies ohne einen Kampf tun würde -, wird seine Hinterlassenschaft eine Politik der Wut und des Hasses sein. Für Amerika ist es eine Tragödie, dass eine gefährliche Spaltung zur Norm wird, statt eine Ausnahme zu bleiben. In den USA besteht die Sorge, dass die kulturellen Spaltungen nicht mehr rückgängig zu machen sind. Für die Amerikaner sollte es vor allem darum gehen, möglichst zu verhindern, dass die politische Kluft so weit aufreißt, dass die beiden verfeindeten - und teils bewaffneten - Lager nicht mehr miteinander reden können." The Guardian (England)
  • "Eine der ältesten Demokratien der Welt, die Vereinigten Staaten (von Amerika), befindet sich in einer nie dagewesenen Situation: Ein amtierender Präsident stört absichtlich einen föderalen Wahlprozess, beansprucht den Sieg noch während der Auszählungen für sich und droht damit, diese durch einen unabhängigen Rechtsspruch zu unterbrechen (...). Dies ist eine Missachtung des allgemeinen Wahlrechts. Die Funktion der Wahl, die ein wesentlicher Bestandteil des demokratischen Systems ist, wird geleugnet." Le Monde (Frankreich)

  • "Niemand hielt es für möglich, aber die USA sind aus der Präsidentenwahl noch gespaltener hervorgegangen, als sie es vorher waren. Ob Joe Biden oder Donald Trump - die amerikanische Demokratie befindet sich mitten in einer Schicksalsstunde, die - so unglaublich es auch klingen mag - in allem enden könnte, von einem Drama um das Wahlergebnis im Gerichtssaal bis zu sozialen Unruhen mit Straßenkämpfen. Oder beides. (...) Die USA haben noch nie in einen breiteren und tieferen Abgrund von Spaltung, Wut und Hass geblickt. Das kann verhängnisvoll sein." Politiken (Dänemark)

  • "Das Ende dieses heißesten Wahltages wird etwas sein, was immer in Erinnerung bleibt: Noch war der Name des neuen Präsidenten der USA nicht bekannt, da wurde schon klar, dass im politischen System der größten Demokratie der Welt zweifellos dramatische Wandlungen zu verzeichnen sind." La Repubblica (Italien)

Pressestimmen 4. November:

  • "Egal ob aus dieser Schlacht, und die vergangenen Monate lassen nichts als solch eine brutale Rhetorik zu, Joe Biden oder Donald Trump als Sieger hervorgeht - ein ganzes Land hat nach diesen vier Jahren verloren. Eine weitere Amtszeit von Donald Trump würde das Scheitern noch weiter zementieren. Ein Präsident Joe Biden würde den Schmerz über das, was aus den USA geworden ist, im besten Fall ein wenig lindern. Der Weg zurück zu einer gemeinsamen Idee von Amerika jedoch wird lang und anstrengend. Und es scheint in diesen Tagen immer wahrscheinlicher, dass am Ende dieses Weges die Erkenntnis steht, dass es diese Idee nicht mehr gibt." Zeit online
  • "Die rechten und rechtsextremen Parteien in Europa haben den Verfall der europäischen Sozialdemokratie eingeleitet. Die US-Demokraten laufen Gefahr, einen ähnlichen Weg zu nehmen. Sie werden sich entscheiden müssen, ob sie eine dezidiert "linke" Politik machen - die nämlich wirklich das Sozialsystem stabilisiert, Gerechtigkeit herstellt und die Dominanz von Geld und Vermögen zurückdrängt. Denn mit Biden und Harris war die linke Komponente ein Feigenblatt, nicht mehr. Die Feudalherrschaft, die die politischen und wirtschaftlichen Eliten in den vergangenen Jahrzehnten in den USA und weltweit errichtet haben, ist nicht mehr mit einer sozialen Fassade aufrechtzuerhalten. Es wird an einer neuen linken Bewegung liegen, die totalitären Tendenzen abzuwehren, die das in seinen letzten Zügen liegende, mitunter oligarchische System für sein Überleben einsetzen wird. Es wird aber auch an einer neuen linken Bewegung liegen, die neuen digitalen Oligarchen in die Schranken zu weisen." Berliner Zeitung
  • "Bereits jetzt steht fest, dass keiner der beiden Kandidaten bei diesen historischen Wahlen ein überzeugendes Mandat für sich reklamieren kann. Der von den Demokraten erhoffte und einigen Demoskopen vorausgesagte Erdrutsch-Sieg Bidens blieb aus. Bis auf Arizona und den zweiten Wahlbezirk von Nebraska, der einen eigenen Wahlmann stellt, blieben die Mehrheiten in den 50 Bundesstaaten weitgehend unverändert." Mittelbayerische Zeitung

Demokratie in Amerika gehört zu den Verlieren - und der Anstand auch

  • "Die trumpeske Verrohung des politischen Diskurses ist längst Teil unseres Miteinanders. Die Herabwürdigung aller Menschen, deren Haltung nicht der eigenen entspricht, hat der Immobilien-Milliardär zwar auf die Spitze getrieben. Aber sie ist mehr denn je auch tonangebend in unseren eigenen Debatten. Wer's nicht glaubt, möge einfach mal bei Facebook vorbeischauen. Die Demokratie gehörte schon vor dieser US-Wahl zu den Verlierern, der Anstand allerdings auch. Am Ende mag es einen Sieger geben. Aber so fühlt es sich nicht an." Mannheimer Morgen
  • "Politik ohne Skrupel: Diese Wahlen werden prominent in die Geschichtsbücher eingehen. Selbst wenn Donald Trump am Ende als Verlierer dastehen sollte, er hat der Welt gezeigt, dass in den USA mit Skrupellosigkeit und radikaler Rhetorik erfolgreich Politik gemacht werden kann. Die Wahlbeteiligung war ausgesprochen hoch, neben Joe Biden hat Trump also auch seine Wähler mobilisieren können. Unabhängig von der schwierigen Wirtschaftslage hat Trump in den Augen seiner Anhänger als Staatschef geliefert. Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben ihm nicht geschadet. Sollte sich Biden durchsetzen, dann ist das für Europa kein Grund für Entspannung. Der nationalistische Populismus hat eine Delle bekommen, verschwunden ist er nicht. Zum Fürchten war der Auftritt Trumps in der Wahlnacht. Rechtswidrig erklärte er sich zum Wahlsieger, obgleich die Auszählung nicht beendet war. Damit zeigte der mächtigste Politiker des Westens, was er tatsächlich von der Demokratie hält: nichts." Schwäbische Zeitung
  • "Aus hiesiger Sicht ist dabei verstörend, dass all dies mit Ansage kommt. Jeder, der Trump wählte, wusste, was passieren würde. Hinzu kommt, dass etwa die Hälfte der US-Wähler keinen Anstoß an seiner Performance der vergangenen vier Jahre nahm, sondern sich offensichtlich diese oder eine sehr ähnliche Politik gewünscht hat, und zwar inhaltlich und wohl auch stilistisch." Stuttgarter Zeitung
  • "Der Austritt der USA aus dem Weltklima-Abkommen ist vollzogen - just am Tag nach der Präsidentenwahl. Das ist ein Skandal, was sonst. Ausgerechnet das Land, das historisch mit Abstand die meisten Treibhausgase in die Atmosphäre gepustet hat und heute noch globaler Einheizer Nummer zwei ist, stiehlt sich aus der Verantwortung. Der von Präsident Trump durchgesetzte Austritt, sollte er nicht von einem noch möglichen Nachfolger Biden revidiert werden, erhöht die Gefahr einer Heißzeit auf dem Globus. Es sinkt der Druck auf die anderen Big Player, wie China, die EU, ihre bisher zu lasche Klimapolitik den Paris-Anfordernissen anzupassen. Zuletzt kamen mutmachende Signale. Die EU plant einen Green Deal, China peilt erstmals Klimaneutralität an, Japan und Südkorea streben die "Netto-Null" für 2050 an. Das darf nicht alles wieder entwertet werden. Diese Länder sollten Vorreiterallianzen bilden. Zur Not eben ohne die USA." Frankfurter Rundschau

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Die US-Wahl 2020 in Fotos: Wut, Hass und Jubel

Donald Trump "verhext" die ganze USA

  • "In einem erschütternden Akt der Demokratieverachtung hat sich Amtsinhaber Donald Trump in der Wahlnacht vorzeitig zum Sieger erklärt, "die anderen" des Betrugs bezichtigt und gedroht, die Auszählung der Stimmen stoppen zu lassen. Dergleichen kennt man aus Diktaturen. Womöglich einer der letzten Tiefpunkte seiner Präsidentschaft? Selbst wenn es für den früheren Vizepräsidenten Joe Biden reicht und es Trump nicht gelingt, sich mithilfe der Gerichte im Amt zu halten, so hat die Wahl gezeigt: Trump war kein Betriebsunfall der US-Demokratie, der Republikaner ist 2016 nicht aus Versehen gewählt worden. Das Gefühl, der Spalter und Zerstörer müsse weg, war nicht so verbreitet, dass Biden der von den Demokraten erhoffte Erdrutschsieg in den Schoß gefallen ist." Ludwigsburger Kreiszeitung
  • "Sollte Trump gewonnen haben (hoffentlich ebenfalls ohne jeden Betrug), dann wäre auch diese Entscheidung des amerikanischen Volkes selbstverständlich zu respektieren. Bejubeln könnte man sie freilich so wenig wie die vielen Millionen Amerikaner, die Trump nicht wählten. Denn gesiegt hätte dann nicht nur ein Republikaner über einen Demokraten, sondern auch die Charakterlosigkeit über den Anstand, das Spalten über das Versöhnen und die Lüge über die Wahrheit." Frankfurter Allgemeine Zeitung
  • "Donald Trump scheint das halbe Land zu verhexen: Ein ins Trudeln geratener Unternehmer wird zum Vorbild für Wirtschaftslenker, ein moralisch zweifelhafter Mann zum Wächter religiöser Werte, ein Dauerlügner, der die Wissenschaft verachtet, elektrisiert wie ein Popstar Durchschnittsamerikaner. Es bleibt zu hoffen, dass Joe Biden mit seiner versöhnlichen Botschaft es doch noch schafft und der Welt vier weitere Jahre Trump erspart bleiben - denn das bedeutet neue Dauerangriffe auf die Demokratie und eine Abwärtsspirale aus Rassismus und extremen Aktionen." Westfälische Nachrichten

Die Demokratie wird bei den US-Wahlen entscheiden

  • "Puuuh, ist das spannend! Da kann ein TV-Thriller kaum mithalten - wobei da am Ende in der Regel immerhin ein happy end steht. Ob die US-Wahlen ebenfalls gut ausgehen, das ist an diesem Morgen völlig offen. Wobei "gut" nach vier Jahren Donald Trump leider auch heißt: friedlich." Nürnberger Nachrichten
  • "Sollte Trump am Ende triumphieren, ist der Wählerwille zu akzeptieren. Dann hat er auch bei seinen härtesten Gegnern eine zweite Chance verdient. So funktioniert Demokratie. Bis dahin kommt es wirklich auf jede Stimme an. Und Gerichte und demokratische Institutionen müssen das geordnete Ende dieser Wahl sichern. Man möchte dafür beten, dass sie es schaffen und dass alles friedlich bleibt." Hamburger Abendblatt
  • "Was der Wahltag schon jetzt zeigt, bevor das endgültige Ergebnis vorliegt: Amerikas Demokratie ist lebendig - trotz aller Einschüchterungen, Manipulationen, Bedrohungen vor der Wahl. Das polarisierte, zerrissene Land ist nicht in politischer Apathie versunken, sondern zu den Wahlurnen geströmt. Die hohe Wahlbeteiligung gibt der Welt ein Beispiel für politische Mitwirkung - und das mitten in einer lebensbedrohenden Pandemie." ZDF

Amerikas Rolle wird für immer anders sein

  • "Die USA waren bereits ein stark zerstrittenes Land, bevor Trump an die Macht kam, doch er hat die Gegensätze noch weiter vertieft. Dieser Präsident wurde zum Symbol der Spaltung. Nicht nur in der Politik. Selbst die klassischen Medien ergriffen Partei und sogar bei großen Publikationen wurde das Streben nach einigermaßen Objektivität über Bord geworfen. Man war entweder für oder gegen Trump, und das bestimmte die Berichterstattung." De Tijd (Belgien)
  • "Wenn Trump sich gegen alle Widrigkeiten durchsetzt, ist es unwahrscheinlich, dass sich der Verlauf der letzten vier Jahre ändern wird. Amerika wird für immer anders sein als früher und der Bruch seiner traditionellen Beziehungen zum Rest der Welt wird lange dauern oder sogar permanent sein. Wenn Biden gewinnt, bleiben einige der Narben dieser bizarren Periode in der Geschichte sowie die Spaltungen und das Misstrauen, die im In- und Ausland gesät wurden, weiter bestehen." Sydney Morning Herald (Australien)

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Von Washington bis Trump: Die bekanntesten Präsidenten der USA

Pressestimmen am 3. November:

  • "Europa, und vor allem Deutschland, hat sich klugerweise nicht mit unbedachten offiziellen Äußerungen in den inneramerikanischen Wahlkampf eingemischt. Was die Merkel, Macron und Co. vom US-Präsidenten halten, ist ohnehin klar. Umgekehrt gilt das ebenso. Auch jetzt muss weiter diplomatische Zurückhaltung geübt werden." Mittelbayerische
  • "Wie vor einem Hurrikan werden die Schaufenster in New York und anderen Großstädten verbarrikadiert. Die Angst, dass der politische Sturm rund um die Präsidentenwahl zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen in den USA führt, ist gegenwärtig. Nach vier Jahren Trump bleibt festzuhalten: Die Demokratie in den Vereinigten Staaten ist bedroht und der Staatschef treibt die Spaltung der Gesellschaft aktiv voran. Was bedeutet das für Europa oder Deutschland? Sollte Trump bestätigt werden, und diese Möglichkeit ist trotz des Umfragenvorsprungs von Biden durchaus vorhanden, steht die Weltnachkriegsordnung auf der Kippe. Internationale Abkommen sind für ihn Ausdruck von faulen Kompromissen. Welthandel, Klimaschutz, Sicherheitspolitik, alles unfair, soweit sich Trump nicht breitbeinig durchsetzt. Den Sinn des Verteidigungsbündnisses Nato versteht Trump nicht wirklich, von der EU erst gar nicht zu reden. Gründe genug, die Wahlen genau zu verfolgen." Schwäbische Zeitung (Lesen Sie auch: Alles, was Sie zur US-Wahl 2020 wissen müssen)

"Trumpismus" bleibt auch, wenn Trump geht

  • "Wenn Trump im Januar das Weiße Haus verlassen sollte, wird er die politische Kultur seines Landes tiefgreifend verändert haben - und ein Stück weit auch den Rest der Welt. Das zentrale Versprechen seines Herausforderers Joe Biden ist es, das polarisierte Land wieder zu einen und auch die außenpolitische Verlässlichkeit der USA wiederherzustellen. Ist das unter diesen von Trump in nur vier Jahren geschaffenen Voraussetzungen auf absehbare Zeit überhaupt möglich? Das Freiheitsversprechen, das Amerika nicht nur groß, sondern auch zu einem Anziehungspunkt machte - der 45. Präsident der Vereinigten Staaten hat es bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Der Trumpismus wird erst mal bleiben, auch wenn Trump geht." Handelsblatt
  • "In der US-Wahl am 3. November geht es deshalb um viel mehr als um eine einzelne Person oder konkrete politische Inhalte. Es geht um die Fundamente der Demokratie und des internationalen Zusammenlebens." Stuttgarter Zeitung (Lesen Sie auch: Wann ist mit dem Ergebnis der US-Wahl zu rechnen?)

Das schreiben internationale Medien zur US-Wahl

  • "Dass ein Präsident regelmässig die strafrechtliche Verfolgung und Inhaftierung seiner Konkurrenten anregt, erinnert an diktatorische Regime. Eine solche Rhetorik bereitet zunehmender Eskalation den Boden. (...) Das Land hat in den letzten Jahren an Strahlkraft eingebüßt. Deshalb ist es nicht übertrieben, wenn es derzeit heißt, die Wahl am Dienstag sei ein Kampf um die Seele Amerikas. Auch ein Sieg Bidens bedeutete keine rasche Rückkehr zum einstigen Grundkonsens, dafür ist das Land zu zerrissen. Aber er böte immerhin die Chance auf Anstand und Berechenbarkeit im Weißen Haus. Eine zweite Amtszeit Trumps hingegen wäre die Legitimierung und Normalisierung eines Verhaltens, das vor wenigen Jahren noch als undenkbar galt - mit nachhaltigem Schaden für die Demokratie." NZZ (Schweiz)
  • "Eine der seltsamsten, am meisten polarisierenden und bedeutsamsten Präsidentschaftswahlen geht heute zu Ende. Millionen von Menschen graut davor, dass Präsident Donald Trump eine zweite Amtszeit gewinnen könnte, Millionen andere haben große Angst, dass er verlieren könnte. (...) Dies ist eine Wahl wie ein Kulturkrieg. Und viele befürchten, dass daraus mehr entstehen könnte als ein verbaler Kampf der Ideologien. Jedes Lager glaubt, dass seine Gegner die Werte zerstören werden, die ihm am wichtigsten sind. Angesichts dessen sind Teile von Städten wie Los Angeles und New York aus Angst vor Gewaltausbrüchen mit Brettern vernagelt, egal wer gewinnen wird. Joe Biden sagt, dies sei ein "Kampf um die Seele Amerikas". Beide Seiten könnten dem inbrünstig zustimmen. Nur dass sie diametral entgegensetzte Ansichten dazu haben, wer diese Seele retten würde." The Times (England)
  • "Donald Trump und die heutige Republikanische Partei respektieren die Demokratie nicht. Sie tun ihr Bestes, um die Möglichkeiten ihrer Widersacher zum Wählen zu begrenzen und die Wahlbeteiligung unten zu halten. Und Trump gibt nicht einmal vor, die Spielregeln respektieren zu wollen. Wahrscheinlich geht das in den kommenden Tagen so weiter. Vielleicht ruft er sich zum Sieger aus, bevor die Wahl durch ist, vielleicht wirft er den Demokraten Wahlbetrug vor und versucht dann, die Auszählung zu stoppen. Niemand weiß es, was sich absurd anfühlt, weil das ja eine Wahl in den USA und nicht in irgendeiner Bananenrepublik ist. Eines ist aber bereits sicher: Unsere liberale Demokratie ist zerbrechlicher, als viele von uns geglaubt haben." Aftonbladet (Schweden)

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Rückblick in Bildern: So war die erste Amtszeit von US-Präsident Donald Trump