Strafverfolgung von Gewalttaten

Umfrage zeigt hohe Dunkelziffer bei Gewalt und Belästigung in der EU

Jeder zehnte Befragte gab bei der Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte, körperliche Gewalt in den vergangenen fünf Jahren erlebt zu haben.

Jeder zehnte Befragte gab bei der Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte, körperliche Gewalt in den vergangenen fünf Jahren erlebt zu haben.

Bild: Maurizio Gambarini, dpa (Symbolbild)

Jeder zehnte Befragte gab bei der Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte, körperliche Gewalt in den vergangenen fünf Jahren erlebt zu haben.

Bild: Maurizio Gambarini, dpa (Symbolbild)

Eine Studie der EU-Agentur für Grundrechte zeigt, dass weniger als ein Drittel der Gewaltopfer sich an die Polizei wandten. Über die Gründe.
Jeder zehnte Befragte gab bei der Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte, körperliche Gewalt in den vergangenen fünf Jahren erlebt zu haben.
dpa
19.02.2021 | Stand: 09:53 Uhr

Bei Gewaltdelikten und Belästigungen ist die Dunkelziffer in Ländern der EU laut einer Umfrage sehr hoch. Weniger als ein Drittel der Gewaltopfer hat sich an die Behörden gewandt, wie aus einer am Freitag veröffentlichten repräsentativen Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) unter 32 500 EU-Bürgern hervorgeht.

"Die Ergebnisse sind sehr aufschlussreich für das Ausmaß von Gewalt und Belästigung in der EU", sagte der FRA-Kriminalstatistiker und Studienautor Sami Nevala der Deutschen Presse-Agentur. Hochgerechnet kommt die EU-Agentur jährlich auf EU-weit 22 Millionen Opfer von Gewalt und 110 Millionen Fälle von Belästigungen.

Viele Menschen haben Bedenken eine Tat zur Anzeige zu bringen

Fast jeder Zehnte gab in der 2019 durchgeführten Umfrage an, in den letzten fünf Jahren körperliche Gewalt erlebt zu haben. Belästigungen sind noch deutlich weiter verbreitet. 41 Prozent der Befragten erklärten, in den letzten fünf Jahren belästigt worden zu sein, dabei nicht zuletzt in den sozialen Medien. Die FRA definiert Belästigung als Beleidigungen oder Bedrohungen, die persönlich oder online übermittelt werden. "Menschen, die älter sind, ein niedrigeres Bildungsniveau haben oder Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen, sind im Allgemeinen weniger bereit, die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten", sagte FRA-Direktor Michael O'Flaherty.

Nationale Unterschiede: Besonders viele Belästigungen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden

Belästigungen wurden laut Umfrage häufiger in Westeuropa erlebt als in Osteuropa. Die meisten Fälle wurden in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland verzeichnet. Gerade Frauen würden oft online Ziel von üblen verbalen Attacken. "Die Ergebnisse zeigen, dass junge Menschen, Menschen, die sich als nicht heterosexuell identifizieren, und Menschen mit Behinderungen besonders stark von Straftaten betroffen sind", so O'Flaherty.

Menschen in Westeuropa schalten eher die Polizei ein

In Westeuropa würden Zeugen einer körperlichen Auseinandersetzung der Studie zufolge eher die Polizei rufen, in Osteuropa würden die Menschen eher selbst einschreiten, so die Studie. In Deutschland speziell ist der Schutz von Kindern durch Außenstehende ausgeprägt. Jeder dritte Befragte in Deutschland sagte, er würde eingreifen, wenn er sähe wie ein Vater oder eine Mutter ein Kind schlägt.

Die EU-Agentur forderte die Staaten auf, Gruppen besonders zu schützen, die überdurchschnittlich von Gewalt und Belästigungen betroffen seien.

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