Trump oder Biden - wer wird neuer US-Präsident?

US-Wahl: Kann man den Umfragen dieses Mal trauen?

Biden oder Trump? Wer macht am 3. November das Rennen um das Amt des US-Präsidenten? In Umfragen liegen Biden klar vorn.

Biden oder Trump? Wer macht am 3. November das Rennen um das Amt des US-Präsidenten? In Umfragen liegen Biden klar vorn.

Bild: Patrick Semansky, AP, dpa

Biden oder Trump? Wer macht am 3. November das Rennen um das Amt des US-Präsidenten? In Umfragen liegen Biden klar vorn.

Bild: Patrick Semansky, AP, dpa

Seit Wochen führt Joe Biden in den Umfragen. Die Anhänger Donald Trumps hoffen, dass die Vorhersagen genauso danebenliegen wie in 2016. Warum war das so?
03.11.2020 | Stand: 16:17 Uhr

Als die Menschen in Europa an jenem 9. November vor vier Jahren aufwachten, den Fernseher einschalteten oder auf ihr Smartphone blickten, war das, was sie da sahen, eine faustdicke Überraschung: Denn nicht Hillary Clinton hatte das Rennen ums Weiße Haus gewonnen. Sondern der politikunerfahrene Milliardär Donald Trump, der in den Umfragen immer hinter seiner demokratischen Kontrahentin gelegen hatte

Ein bisschen fühlt man sich in diesen Tagen an das Jahr 2016 erinnert, von dem an sich in Amerika so viel ändern sollte. Denn schließlich führt Joe Biden seit Wochen – dass Trump noch einmal gewählt wird, scheint immer unwahrscheinlicher. Dessen Anhänger hoffen indes, dass die diesjährigen Umfragen genauso danebenliegen wie sie es 2016 getan haben. Die Gretchenfrage, die sich nun, kurz vor der Wahl stellt, ist also diese: Kann man den Umfragen dieses Mal trauen? (Alle aktuellen Entwicklungen zur US-Wahl können Sie in unserem Live-Blog verfolgen)

Bei der US-Wahl 2016 stimmten viele Wähler erst sehr spät ab

Doug Schwartz, Direktor des Meinungsumfragezentrums an der Quinnipiac University in US-Bundesstaat Connecticut, hat diese Frage in den vergangenen Wochen immer wieder gehört. "Die Meinungsforscher haben sich nach dem, was 2016 passiert ist, genau angeschaut, wie es geschehen konnte, dass die Zahl der Trump-Unterstützer unterschätzt wurde", sagt Schwartz. Das Ergebnis: Die Umfragen waren richtig – allerdings gab es ein Problem, das größer war als man gedacht hätte.

"Ein wichtig Grund, warum die Wahl dann doch anders ausgegangen ist, war, dass sich viele Menschen erst sehr spät dazu entschieden haben, Trump ihre Stimme zu geben", sagt Schwartz. Einige Meinungsforscher hätten außerdem die große Anzahl von weißen Wählern ohne Collegeabschluss unterschätzt. "Und das ist bei der ganzen Betrachtung wichtig. Denn diese Wähler unterstützten in der Mehrheit Trump, waren aber in manchen Umfragen unterrepräsentiert. Etwa in so wichtigen Staaten wie Wisconsin, Michigan oder Pennsylvania, wo Trump nur ganz knapp gewonnen hat." (Lesen Sie auch: Fast 100 Millionen stimmten schon zuvor ab.)

Der Kandidat, der mehr Wählerstimmen bekommt, kann trotzdem verlieren

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Aber es sind ja nicht nur die Umfragen, die es so schwer machen, eine Vorhersage zu treffen. Es ist das amerikanische Wahlsystem, das gewissen Unsicherheiten birgt. Denn der Präsident wird nicht vom Volk direkt bestimmt, sondern von den Wahlmännern. Jeder Bundesstaat hat eine gewisse Anzahl an Wahlmännerstimmen, gemessen an dessen Einwohnerzahl. In fast jedem Staat ist es so, dass derjenige alle Wahlmännerstimmen auf sich vereint, der die Mehrheit der Wählerstimmen bekommt – unabhängig davon, wie groß oder klein der Vorsprung ist.

In manchen Staaten steht von vornherein mehr oder weniger fest, wer dort gewinnen wird – in Kalifornien etwa kann man davon ausgehen, dass es die Demokraten sind. In anderen Bundesstaaten indes sind die Vorhersagen schwieriger, weswegen in diesen sogenannten Swing States besonders um die Gunst der Wähler gebuhlt wird. "Dieses ganze System kann dazu beitragen, dass ein Kandidat zwar mehr Wählerstimmen bekommt, aber am Ende dennoch verliert", sagt Schwartz.

Umfragen sind Momentaufnahmen, die Meinungen können sich ändern

So wie eben 2016. Nach der Auszählung von rund 128 Millionen Stimmen erhielt Hillary Clinton 59.935.683 Stimmen und damit 47,7 Prozent. Für Trump votierten dagegen nur 59.701.562 US-Bürger. Er bekam also gut 230.000 Stimmen weniger als Clinton und erreichte 47,5 Prozent – zog aber dennoch ins Weiße Haus ein, weil er durch den Sieg in entscheidenden Bundesstaaten mehr Wahlmännerstimmen bekam. "Das alles führte dazu, dass die Menschen anfingen, an den Umfragen zu zweifeln – doch die waren eigentlich richtig", sagt Schwartz.

Und noch eines dürfe man nicht aus den Augen lassen, sagt der Experte: "Umfragen sind immer Momentaufnahmen. Die Meinungen können sich ändern." Wenn er allerdings auf die Umfragen der vergangenen Wochen blickt, dann zeichne sich eine große Beständigkeit ab. "Was bei diesem Rennen so bemerkenswert ist, ist dass Biden konstant führt – und das obwohl so viel passiert ist. Angefangen bei Anti-Rassismus-Protesten bis hin zu Corona. Es wäre nicht überraschend, wenn die Menschen weiterhin bei ihrer Meinung bleiben."