Wanderung im Allgäu

Der Grünten: Warum dieser Berg die Menschen im Allgäu wie kaum ein anderer bewegt

Der Grünten mit dem Sendemasten ist der wohl bekannteste Berg im Allgäu.

Der Grünten mit dem Sendemasten ist der wohl bekannteste Berg im Allgäu.

Bild: Ulrich Wagner

Der Grünten mit dem Sendemasten ist der wohl bekannteste Berg im Allgäu.

Bild: Ulrich Wagner

Der Grünten steht wie kein anderer Berg im Allgäu im Blickpunkt. Naturschützer und Investoren streiten um seine Zukunft. Jetzt war er auch in den Tagesthemen.
03.11.2020 | Stand: 09:19 Uhr

Der Streit um die Zukunft des Grünten im Allgäu war am Donnerstag auch Thema bei den Tagesthemen in der ARD. Hier ein Überblick, um was es geht.

Das ist der Grünten: Beliebt für Wanderungen und Ausflüge

Der Grünten ist ein 1738 Meter hoher Berg im Oberallgäu. Angrenzende Orte sind Burgberg und Rettenberg. Markant ist seine Lage und seine Optik: Auf dem Grünten befindet sich ein 94,5 Meter hoher Sendeturm des Bayerischen Rundfunks. Der Berg wird "Wächter des Allgäus" genannt. Wanderungen auf den Grünten sind beliebt.

Wer zum Gipfel wandern, will muss etwa 4 Stunden veranschlagen. (Wichtig: Die Seilbahn befördert seit 2014 keine Personen mehr!) Oftmals wird die Tour verbunden mit einer Fahrt zum Grüntensee, der etwa 11 Kilometer entfernt liegt und über einen beliebten Campingplatz verfügt. Die Lifte am Grünten sind im Winter ein beliebtes Ausflugsziel für Skifahrer. Auch Leistungssport wird am Grünten betrieben.

Bedeutung: Daher kommt der Name Grünten

Grünten kommt von grindig, was kahl oder nackt bedeutet. "Grinden" werden im Schwarzwald viele Gipfel genannt, die kahl und nicht bewaldet sind. "Grindig" nannte man Menschen, die wegen einer Hauterkrankung keine Haare mehr auf dem Kopf hatten. Das wurde auf die Berge übertragen. Kahl ist der Grünten freilich seit 1951 nicht mehr: Damals wurde der Sendeturm errichtet. Für viele Allgäuer ist der Grünten ein Berg, den sie als Symbol für ihre Heimat sehen.

Einkehr am Grünten: Grüntenhütte oder Grüntenhaus?

Beides ist möglich. Die Grüntenhaus liegt auf 1535 Metern Höhe und war das erste Hotel in den Allgäuer Alpen. Heute ist es ein Berggasthof mit Übernachtungsmöglichkeiten (4 Zimmer im Dachgeschoß mit je 10 Betten bzw. Lager). Die Grüntenhütte liegt auf 1477 Metern Höhe. Sie hat 2 Familienzimmer mit je 6 Betten. Außerdem gibt es zwei Matratzenlager mit jeweils 15 Schlafplätzen. Die bisherigen Pächter der Grüntenhütte gaben Anfang 2020 bekannt, dass ihr Pachtvertrag ausläuft.

Grünten im Allgäu: So magisch sieht der Wächter des Allgäus im Winter aus.
Grünten im Allgäu: So magisch sieht der Wächter des Allgäus im Winter aus.
Bild: Ralf Lienert


Grünten: Lifte und Skifahren

Seit über 60 Jahren bringen mehrere Lifte am Grünten oberhalb von Kranzegg (Burgberg) Skifahrer nach oben. Doch nach der Insolvenz der Betreiberfamilie gab es in den beiden Wintern 2017/18 und 2018/19 keinen Wintersportbetrieb mehr. Die alten, noch mit Dieselmotoren betriebenen Anlagen standen still. Im Winter 2019/2020 wurde der Skiebetrieb an den alten Grüntenliften unter der Investorenfamilie Hagenauer wieder aufgenommen. Angesichts der Schneearmut und des milden Wetters aber auf Sparflamme.


Diskussion um den Grünten und die geplante Grüntenwelt


Die Oberallgäuer Investorenfamilie Hagenauer, die auch die Alpsee-Bergwelt bei Immenstadt betreibt, hat die Liftanlage nach der Insolvenz der alten Betreiber übernommen. Die Hagenauers planten den Bau einer modernen Zehner-Kleinkabinenbahn für den Sommer- und Winterbetrieb. In der kalten Jahreszeit sollte zudem für Wintersportler eine kuppelbare Sechser-Sesselbahn laufen. Ferner waren der Ausbau der Beschneiungsanlage geplant sowie eine Walderlebnisbahn als Sommer-Attraktion.

1100 Umweltschützer zogen eine rote Linie gegen den Ausbau der Liftanlagen am Wächter des Allgäus.
1100 Umweltschützer zogen eine rote Linie gegen den Ausbau der Liftanlagen am Wächter des Allgäus.
Bild: Ralf Lienert

Oben, wo jetzt die Grüntenhütte steht, soll laut Plan ein modernes Bergrestaurant errichtet werden. Von Gesamtinvestitionen in Höhe von 30 Millionen Euro ist die Rede. Die alten Liftanlagen sollen abgebaut werden.

Doch nicht alle waren von den Plänen begeistert. So formierte sich die Initiative „Rettet den Grünten“, die insbesondere gegen Sommerbetrieb und Walderlebnisbahn mobil macht. Auch die Befürworter fanden sich zusammen: Sie gründeten die Initiative „Zukunft Grünten“ und stärkten der Unternehmerfamilie den Rücken in der Öffentlichkeit.

Ende 2019 gab die Familie Hagenauer bekannt, dass die Pläne für eine Walderlebnisbahn nicht weiter verfolgt würden. Damit wurde in gewisser Weise Kompromissbereitschaft signalisiert. Und erstmals seit zwei Saisons gab es im Winter 2019/20 wieder einen Skibetrieb.

Unklar ist, ob und wann am Grünten neue Anlagen für den Winter- und Sommerbetrieb entstehen werden.

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