Revierbesuch in Schwangau

Die Nachfrage für nachhaltigen Baumschutz wächst

Mehrere Stationen besuchten die Teilnehmer des Ausflugs nach Schwangau.

Mehrere Stationen besuchten die Teilnehmer des Ausflugs nach Schwangau.

Bild: BBV Kaufbeuren

Mehrere Stationen besuchten die Teilnehmer des Ausflugs nach Schwangau.

Bild: BBV Kaufbeuren

Mitglieder des Bayerischen Bauernverbands im Ostallgäu besichtigen die Rotwildfütterung in Schwangau. Dabei erfahren sie, wie viel Wild dort gejagt wird.
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Von Redakton Allgäuer Zeitung
23.09.2022 | Stand: 05:45 Uhr

Die Nachfrage nach nachhaltigem Baumschutz steigt. Die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kaufbeuren verkaufe immer mehr der alternativen Schutzarten. Denn vielen Waldbesitzern sei Nachhaltigkeit inzwischen sehr wichtig. Unter anderem das erfuhren die Mitglieder der Kreisverbände Ostallgäu und Landsberg des Bayerischen Bauernverbands bei ihrem Besuch des Gemeinschaftsreviers Schwangau.

Dabei ging es um jagdliche sowie waldbauliche Fragen. Die Teilnehmer des Ausflugs besichtigten die Rotwildfütterung der Gemeinschaftsjagd Schwangau. Berufsjäger Roland Schörkhuber berichtete zunächst über die Jagd sowie die Fütterungsstrategie beim Rotwild. Das Revier in Schwangau umfasse etwa 3000 Hektar. Es unterteilt sich in 800 Hektar Körperschaftswald und 300 Hektar Gemeindewald. Der Rest sei eine Gemeinschaftsjagd mit Privatbesitzern.

So viel Wild wird in Schwangau jährlich gejagt

Pro Jahr werden im Schnitt 77 Stück Rotwild, 73 Rehe und zwölf Gämsen erjagt. Je nach Vorkommen fallen auch bis zu zehn Stück Schwarzwild an. Schörkhuber erklärte, dass bei Beginn der Fütterung Anfang November mit einer energieintensiven Futtermischung begonnen wird, um das Rotwild an die Fütterung zu binden. Im Laufe des Winters wird ausschließlich Heu und Grummet gefüttert, da das Rotwild dann vom Stoffwechsel in Winterruhe geht. Zum Winterausgang wird mit energiereicher Fütterung versucht, das Rotwild möglichst lange an der Fütterung zu halten, so dass der Verbiss in den Bergwäldern reduziert werde. Um im Herbst sicherzugehen, dass das Rotwild komplett aus dem Bergwald verschwunden ist, führt die Jagdgenossenschaft immer zu Beginn der Fütterungszeit eine Drückjagd durch, die rund 800 Hektar umfasst und auf dem Berg Richtung Tal verläuft. Im Wald verbliebene Tiere werden so aus dem Wald gelockt. Allein bei dieser Drückjagd werden im Schnitt 25 Stück Rotwild erlegt.

Um der Öffentlichkeit die Bedürfnisse des Wildes näher zu bringen, führt die Jagdgenossenschaft Schaufütterungen durch. Interessierte können sich so einen Eindruck vom Rotwild verschaffen. Die Jagdgenossen erhoffen sich so mehr Verständnis für die Jagd und mehr Rücksichtnahme in der freien Natur.

Nahe alle Bäume können ohne Schutz aufwachsen

In einem weiteren Bereich der Schwangauer Rechtler verschafften sich die Teilnehmer ein Bild über die Verjüngungssituation. Nahezu alle Baumarten können ohne Schutz aufwachsen, da zum einen die Rotwildbestände mit dem Wald in Einklang gebracht wurden, zum anderen Schwerpunktbejagungen in Verjüngungsgebieten stattfinden. Eine Besonderheit ist die Vergabe von Waldpatenschaften. Verjüngungsflächen werden von Waldpaten nicht nur angepflanzt, sondern auch betreut. Gerade junge Rechtler bekommen so ein gutes Gespür dafür, was der Wald braucht.

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Matthias Beck, ein Vertreter der Bergwaldoffensive, stellte dann verschiedenen Baumschutz vor, der ohne Kunststoff auskommt. Es seien nur erste Versuche. Beispiele sind Schutzmaßnahmen aus Holz oder Gitter aus Baumwolle. Die Produkte seien jedoch aufgrund der geringen produzierten Stückzahl noch relativ teuer. Der Baumschutz, der komplett aus Holz errichtet wird, sei wegen des Gewichts als unhandlich bezeichnet.

Karl Sobek von der FBG Kaufbeuren berichtete, dass die FBG mittlerweile jährlich über 2000 Stück von diesen Aufstellern baut und oft die Nachfrage nicht gedeckt werden könne. Vielen Waldbesitzern sei die Nachhaltigkeit auch im Baumschutz ein wichtiges Anliegen. Dafür seien sie auch bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. Es herrschte bei der Gruppe Konsens, dass das nur eine vorläufige Maßnahme sein könne. Am besten sei es, wenn solche Schutzmaßnahmen wegen angepasster Wildbestände gar nicht mehr notwendig werden.