Gemeinde am Schloss Neuschwanstein

Berge, Hütten, Seen und Geschichte: Was Schwangau über Neuschwanstein hinaus zu bieten hat

Das Wahrzeichen Schwangaus schlechthin: Schloss Neuschwanstein mit Hohenschwangau im Hintergrund rechts.

Das Wahrzeichen Schwangaus schlechthin: Schloss Neuschwanstein mit Hohenschwangau im Hintergrund rechts.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand

Das Wahrzeichen Schwangaus schlechthin: Schloss Neuschwanstein mit Hohenschwangau im Hintergrund rechts.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand

Dass sich in Schwangau viel ums weltberühmte Schloss Neuschwanstein dreht, ist klar. Doch es gibt noch mehr Wissenswertes über die Gemeinde im Ostallgäu.
11.04.2022 | Stand: 14:13 Uhr

  • Schwangau im Ostallgäu lebt vor allem vom Tourismus rund um die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau
  • Die Tegelbergbahn und die Ammergauer Alpen ziehen Wanderer und Bergsportler an
  • Die Geschichte Schwangaus geht bis in die Römerzeit zurück
  • Mit dem Forggensee, Alpsee, Schwansee und Bannwaldsee liegen vier Gewässer auf dem 76 Quadratkilometer großen Gemeindegebiet

Königsschlösser in Schwangau: weltberühmte Urlaubermagnete

Mit in Spitzenjahren bis zu 250.000 Übernachtungen im Jahr ist für Schwangau der Tourismus der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig der Gemeinde. 1,4 Millionen Besucher pro Jahr besichtigen allein das Schloss Neuschwanstein – im Sommer drängen sich täglich mehr als 6000 durch die Burg des Märchenkönigs. Obwohl nie fertiggestellt wurde Neuschwanstein bereits sieben Wochen nach dem Tod König Ludwigs II. im Jahr 1886 fürs geöffnet. Das Schloss gehört heute dem Freistaat Bayern und ist wohl die bekannteste Sehenswürdigkeit Deutschlands.

Etwas tiefer als Neuschwanstein liegt das Schloss Hohenschwangau auf einem Fels oberhalb des malerischen Alpsees. 1832 erwarb Kronprinz Maximilian die Burg und ließ sie zum heutigen Schloss umbauen. Direkt am Alpsee unterhalb von Hohenschwangau liegt das Museum der Bayerischen Könige. Dort können die Besucher die Geschichte der Wittelsbacher und der bayerischen Könige erleben.

Geschichte Schwangaus reicht zurück bis in die Römerzeit

Weil am Nordufer des Bannwaldsees entsprechende Werkzeuge gefunden wurden, gehen Historiker von einer Besiedlung Schwangaus bereits in der mittleren Steinzeit aus. Die unter dem römischen Kaiser Claudius erbaute Via Claudia Augusta verlief durch den heute aufgestauten Forggensee und verband Norditalien mit dem süddeutschen Raum. 1934 wurden am Fuße des Tegelbergs die Fundamente eines römischen Gutshofs entdeckt. 1966 und 1996 legten Arbeiter beim Bau der Tegelbergbahn sowie der Sommerrodelbahn weitere römische Gebäude-Überreste frei.

Malerischer geht es kaum: Die Kirche St. Colomann im Morgennebel. Rechts zu sehen: Ein Teil Schwangaus und das dahinter liegende Füssen.
Malerischer geht es kaum: Die Kirche St. Colomann im Morgennebel. Rechts zu sehen: Ein Teil Schwangaus und das dahinter liegende Füssen.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Schwangau als „Castrum Swangowe“ im Jahr 1090. Damit war die Doppelburg Vorder- und Hinterschwangau gemeint - auf dem Felsen des heutigen Schlosses Neuschwanstein. Letzteres ließ Märchenkönig Ludwig II. von Bayern an der Stelle der Doppelburg ab dem September 1869 nach den Plänen von Dominicus Quaglio errichten. Seit 1926 ist Schwangau ein anerkannter Luftkurort und erhielt 1986 das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“.

Schwangau im Ostallgäu: Einwohner, Geographie und Verwaltung

Etwas über 3300 Einwohner hat Schwangau derzeit. Das Hauptdorf liegt auf rund 800 Metern Höhe, höchster Punkt der Gemeinde ist die Hochplatte in den Ammergauer Alpen mit 2082 Metern. Schwangau grenzt im Westen ans Gebiet der Stadt Füssen an. Südlich befindet sich bereits das österreichische Tirol, östlich die Gemeinde Halblech. Zur Schwangau gehören die Ortsteile Alterschrofen, Brunnen, Erlisholz, Hohenschwangau, Horn, Mühlberg, Schwangau und Waltenhofen. Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt 76 Quadratkilometer. Ein Viertel ihrer Fläche verlor sie Gemeinde durch die Aufstauung des Forggensees ab dem Jahr 1953.

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Vor 1972 gehörte Schwangau zum Landkreis Füssen, seit der Gebietsreform nun zum Landkreis Ostallgäu. Seit Mai 2014 ist der CSU-Politiker Stefan Rinke der Bürgermeister von Schwangau. Er erhielt als gemeinsamer Kandidat der CSU, der Freien Wählen und der Freien Dorfgemeinschaft 95,2 Prozent der Stimmen. Das Rathaus und die die Tourist Information befindet sich zentral gelegen in der Münchner Straße 2.

Berge, Hütten und Wanderziele in Schwangau

Hausberg von Schwangau ist der Tegelberg mit dem Branderschrofen als seine höchsten Erhebung dem Branderschrofen. Wer den Aufstieg scheut, der nimmt die Tegelbergbahn, die einen Höhenunterschied von 892 Metern überwindet. Sie wurde 1968 gebaut, ab 2019 erfolgte eine umfangreiche Modernisierung mit neuen Kabinen. Vom Tegelberg aus starten bei gutem Flugwetter Drachenflieger und Gleitschirmflieger. Regelmäßig finden dort auf Wettkämpfe statt.

Weitere beliebte Berge auf dem Gemeindegebiet: Hochplatte (2082 m, die höchste Erhebung im Landkreis Ostallgäu), Hoher Straußberg (1933 m), Alpleskopf (1905 m), Gabelschrofen (1989 m) und die Krähe (2010 m).

Wanderer haben viele Hütten zur Auswahl, die alle einfach über Zufahrtswege erreichbar sind. Rund 350 Höhenmeter sind es auf die Drehhütte (1225 m). Im Winter geht es mit dem Rodel ins Tal, auch im Sommer ist die Hütte ein beliebtes Ausflugsziel. Nur wenige Wanderminuten nebenan liegt die Rohrkopfhütte, die auch über den Schutzengelweg von der Tegelbergbahn erreichbar ist (1.320 m.). Über das Pöllattal geht es zum Berggasthaus Bleckenau. König Maximilian II. ließ es um 1850 als Jagd- und Wochenendhaus errichten.

Wer noch Kondition hat, kann weiter zur Jägerhütte (1422 m) wandern. Gehzeit von Hohenschwangau aus sind dann aber schon rund drei Stunden. Alle erwähnten Ziele sind auch mit dem Mountainbike gut zu erreichen. Einkehren kann man auch auf dem Tegelberg – und zwar im Tegelberghaus (1707 m) und der Bergstation der Tegelbergbahn. Kletterer können sich zuvor an den Klettersteigen „Gelbe Wand“, dem „Tegelbergsteig“ und dem „Fingersteig“ austoben. Tipps zu Klettersteig-Touren gibt es hier.

Schwangau: Vier Seen auf dem Gemeindegebiet

Mit dem benachbarten Füssen und Roßhaupten teilt sich Schwangau den Forggensee. Er ist ist mit 15,2 km² Fläche der fünftgrößte See Bayerns und der flächenmäßig größte Stausee Deutschlands. Seinen Namen erhielt der See von dem ehemaligen Weiler Forggen, der beim Bau überflutet wurde. Über den Winter wird der See abgelassen, dann können Siedlungs-Überreste besichtigt werden. Wegen seiner Größe sind auf dem Forggensee vor allem Wassersportler und Segler unterwegs.

Ein Drachenflieger startet vom Tagelberg aus. Im Tal sind der Forggensee und der Bannwaldsee zu sehen.
Ein Drachenflieger startet vom Tagelberg aus. Im Tal sind der Forggensee und der Bannwaldsee zu sehen.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand

Schwimmer und Bad-Fans zieht es aber auch an den malerischen Alpsee, an dessen Nord-Westufer es eine kleine Badeanstalt gibt. Beliebt ist zudem der Schwansee, der mit dem Alpsee einen Blick auf die Königsschlösser gemeinsam hat. Einen Campingplatz gibt es am Bannwaldsee im Osten der Gemeinde.

Pöllatschlucht, Therme, St. Coloman: Weitere Hotspots in Schwangau

Ein berühmtes Fotomotiv ist die barocke Kirche St. Coloman, die unmittelbar vor dem Hauptdorf mitten in Wiesen liegt. Das Gotteshaus entstand im 17. Jahrhundert auf einem Vorläuferbau, der zu Ehren des heiligen Koloman. Der irische Pilger soll bei seiner Reise ins Heilige Land an genau dieser Stelle gerastet haben. Zu seinem Gedenken findet jährlich der Colomansritt statt.

Wegen Felssturzgefahr geschlossen ist die Pöllatschlucht unterhalb von Schloss Neuschwanstein. Der gesicherte Wanderweg hinauf zum Schloss Neuschwanstein bietet den Besuchern ein Spektakel: Die Pöllat stürzt dort in die Tiefe, beliebte Fotomotive sind vor allem die etlichen kleineren und größeren Wasserfälle. Letzteres gilt auch für die Marienbrücke, die südlich vom Schloss Neuschwanstein über die reißende Pöllat führt. Die Marienbrücke wurde zwar unlängst renoviert, bleibt aber wegen statischer Probleme und weiteren Bauarbeiten bis voraussichtlich Herbst 2022 geschlossen.

Wer von Touren und Wanderungen zurückkommt, kann in der Kristall Therme Schwangau entspannen. Dort gibt es Badevergnügen im Thermalsole-Heilwasser sowie ein Wellness-Anggebot von der Sauna bishin zu Massagen. Immer im Blick - wie könnte es in Schwangau auch anders sein - sind die Königsschlösser und der Tegelberg.

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Ausflügler baden im kühlen Wasser des Alpsees.
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Bild: Karl-Josef Hildenbrand