Corona

Burgberg baut in der Schule auf Frischluft

Grundschule Burgberg

Die Burgberger lassen in ihre Schule eine Lüftungsanlage einbauen. Das wollen aber viele Schulen. Deshalb ist noch nicht klar, wann der Einbau kommt.

Bild: Liss

Die Burgberger lassen in ihre Schule eine Lüftungsanlage einbauen. Das wollen aber viele Schulen. Deshalb ist noch nicht klar, wann der Einbau kommt.

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Gemeinde investiert in eine Lüftungsanlage und arbeitet dabei mit einem Fachmann zusammen. Blaichach setzt auch auf solche Geräte, Rettenberg wartet noch.
10.08.2021 | Stand: 17:00 Uhr

„Vor Corona waren die Klassenzimmer noch ein blinder Fleck.“ Das sagt Markus Meyer. Der Kaufbeurer ist Fachmann in Sachen Lüftungstechnik und für die Gemeinde Burgberg tätig. Früher habe es keine Regeln gegeben, wie die Luft in Klassenzimmern sein muss. Jetzt sei das anders. Aerosole, die auch Viren übertragen, sollen vermindert werden. Luftreiniger können das oder auch Lüftungsanlagen. Die Gemeinden sind gefordert. Meyer informierte bei einem Termin die Gemeinderäte von Burgberg, Blaichach und Rettenberg.

Lüftungstechnik sei früher kein Thema gewesen. Da waren die Häuser undicht: Durch Tür- und Fensterspalten drang Luft ein. Heute wird gedämmt, da sei das anders, sagt Meyer, der „viele Jahre beim Energie- und Umweltzentrum Allgäu (Eza) arbeitete“, bevor er sich selbstständig machte.

Für gute Luft Sorge tragen

Aus seiner Sicht sollten insbesondere in Corona-Zeiten die Bauherren auch in Schulen Sorge tragen, dass dort „gleichbleibend eine gute Luft ist“. Das machten Lüftungsanlagen möglich, denn Luftreiniger, so sagt Meyer, würden die Luft nur umwälzen und filtern. Die Filter müssten dann regelmäßig gewechselt werden. Wirklich Frischluft gebe es nur mit weit aufgerissenen Fenstern – oder Lüftungsanlagen. Aber die müssten – im Gegensatz zu den Luftreinigern – eingebaut werden. Das sei aufwendiger und teurer. „Wenn die Frischluftzufuhr aber zu gering ist, dann gibt es Leistungseinbußen“, zitierte Meyer aus einer Studie. Er sagte auch: „In Skandinavien sind Lüftungsanlagen seit 30 Jahren Pflicht.“

Die Burgberger haben sich schon entschieden: Sie lassen eine Lüftungsanlage einbauen. Bürgermeister André Eckardt weist auf die Bundesförderung für „coronagerechte stationäre raumlufttechnische Anlagen“ hin. Der neue Einbau in Kindergärten und Grundschulen werde mit 80 Prozent gefördert. Die Burgberger haben deshalb „Gas gegeben, den Antrag gestellt und bereits einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 360 000 Euro erhalten“. Das Geld steht im Haushalt bereit. Ob es allerdings schon abgerufen wird, bleibt fraglich. Vor 2022 wird kein Einbau möglich sein, sagt Fachmann Meyer. Die Nachfrage nach solchen Geräten sei enorm.

Rettenberg stellt vorsorlich einen Zuschussantrag

In Rettenberg, so sagt Bürgermeister Nikolaus Weißinger, gibt es noch keine Entscheidung. Er stellt den Antrag auf einen Zuschuss „vorsorglich“. Auf welchen Zuschuss, lässt Weißinger offen. Es gibt auch Fördermittel für Luftreinigungsgeräte in Bayern: Pro Klassenzimmer ist ein Förderbetrag von 50 Prozent der Anschaffungskosten (maximal 1750 Euro) möglich.

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In Blaichach gibt es bereits in zwei Trakten der Grund- und Mittelschule Lüftungen, sagt Bürgermeister Christof Endreß. Jetzt soll nachgerüstet werden. Die Verantwortlichen der Schule „und auch die Eltern haben sich gegen Luftreinigungsgeräte ausgesprochen“, sagt Endreß und fügt an: „Aus meiner Sicht machen Luftreinigungsgeräte in jedem Klassenzimmer keinen Sinn, wenn ich wegen der Frischluftzufuhr dennoch immer wieder die Fenster aufreißen muss.“

Wnn die CO2-Ampel auf gelb springt, wird gelüftet

So ist es derzeit auch in Burgberg. Dort gibt es aber in den Klassenzimmern sogenannte CO2-Ampeln, um den CO2--Gehalt in der Luft zu messen. Denn wenn der CO2-Gehalt steigt, dann steigt auch die Anzahl der Aerosole. „Wenn die Ampel von grün auf gelb springt, lüften wir“, sagt Schulleiterin Susanne Herz. Auch in Rettenberg werden immer wieder die Fenster weit aufgerissen. „Dort sitzen die Schüler, die nicht so kälteempfindlich sind“, sagt Schulleiterin Anita Scherm. Im Winter hätten die Kinder – und sie selber – manchmal drei Kleidungsschichten übereinander. Auf Dauer sei das nicht die ideale Lösung.

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