Sportserie „Nach-Spiel-Zeit“

Titelhamster, Meistertrainer, Regisseur: Das Eishockey-Leben von Thomas Zellhuber

Nach seiner Zeit beim ESV Kaufbeuren feierte Thomas Zellhuber nach Profi-Stationen in Wolfsburg, Leipzig, Crimmitschau und später beim ERC Sonthofen auch als Trainer beim EV Füssen große Erfolge. Heute ist der 45-Jährige stellvertretender Präsident beim EVF.

Nach seiner Zeit beim ESV Kaufbeuren feierte Thomas Zellhuber nach Profi-Stationen in Wolfsburg, Leipzig, Crimmitschau und später beim ERC Sonthofen auch als Trainer beim EV Füssen große Erfolge. Heute ist der 45-Jährige stellvertretender Präsident beim EVF.

Bild: Benedikt Siegert

Nach seiner Zeit beim ESV Kaufbeuren feierte Thomas Zellhuber nach Profi-Stationen in Wolfsburg, Leipzig, Crimmitschau und später beim ERC Sonthofen auch als Trainer beim EV Füssen große Erfolge. Heute ist der 45-Jährige stellvertretender Präsident beim EVF.

Bild: Benedikt Siegert

2014 beendete der Oberstdorfer Thomas Zellhuber nach 32 Jahren seine Karriere. Heute leitet er die Geschicke des EV Füssen. Ein Blick hinter die Kulissen.
25.08.2021 | Stand: 08:30 Uhr

Seinen Abschied aus dem Profibereich hat Thomas Zellhuber „gar nicht so bewusst wahrgenommen“ – immerhin stand Eishockey für den Goalie auch nach seiner Ära als Vollprofi weiterhin im Vordergrund. Wenn der 45-Jährige heute an sein Karriereende denkt, kommen daher auch als erstes die Erinnerungen an die erfolgreiche Zeit beim ERC Sonthofen. „Im letzten Spiel haben wir den Aufstieg in die Oberliga klargemacht. Das war wichtig und für Sonthofen der letzte Schritt in den Profibereich“, erzählt Zellhuber. Er hatte bereits zu Beginn der Saison 2013/14 entschieden, dass das seine letzte Spielzeit auf dem Eis werden sollte.

„Mit dem Aufstieg habe ich das Kapitel zugemacht“, sagt er. Mit 37 Jahren hätte Zellhuber zwar noch einige Zeit weiterspielen können, er wollte jedoch mehr Zeit für seine Familie haben. Im April 2014 wurden seine Freundin Jasmin und er Eltern der kleinen Nela. Der Tagesablauf, der den Goalie um 7 Uhr das Füssener Zuhause in Richtung der Sonthofer Arbeitsstätte verlassen und gegen 23 Uhr nach dem Training heimkommen ließ, passte für den frischgebackenen Papa nicht mehr in seine Vorstellung von Familienleben.

Zellhuber: "Es war ein schöner Moment, um aufzuhören"

So verabschiedete er sich mit dem Meistertitel und dem Aufstieg vom ERC. Selbst im letzten Spiel ging er aber nicht mit gemischten Gefühlen aufs Eis – auch danach hat er seine Entscheidung nie bereut. Im Gegenteil: „Ich würde jedem Spieler einen solchen Abschied wünschen. Viele haben Zweifel, ich nicht. Es war ein schöner Moment, um aufzuhören, und ich würde es jederzeit wieder so machen“, bekräftigt Zellhuber. Danach brauchte der gebürtige Oberstdorfer Abstand. Zwischenzeitlich schloss er sich zwar zwei Jahre den Oldies des EVF an – nach einem Kreuzbandriss, den er sich 2020 beim Skifahren zuzog, stand er nun seit über anderthalb Jahren nicht mehr auf dem Eis.

Nach seiner Zeit beim ESV Kaufbeuren feierte Thomas Zellhuber nach Profi-Stationen in Wolfsburg, Leipzig, Crimmitschau und später beim ERC Sonthofen auch als Trainer beim EV Füssen große Erfolge. Heute ist der 45-Jährige stellvertretender Präsident beim EVF.
Nach seiner Zeit beim ESV Kaufbeuren feierte Thomas Zellhuber nach Profi-Stationen in Wolfsburg, Leipzig, Crimmitschau und später beim ERC Sonthofen auch als Trainer beim EV Füssen große Erfolge. Heute ist der 45-Jährige stellvertretender Präsident beim EVF.
Bild: Benedikt Siegert

Eishockey spielt in seinem Leben allerdings nach wie vor eine große Rolle. „Ich bin mit dem Herz voll drin“, sagt Zellhuber. Als der EV Füssen, der durch finanzielle Schwierigkeiten den Zwangsabstieg verkraften musste, mit der Bitte auf ihn zukam, beim sportlichen und wirtschaftlichen Wiederaufbau zu helfen, war er sofort im Boot.

Sportlicher und wirtschaftlicher Aufbau beim EV Füssen

Drei Jahre war bei seinem Heimatclub gleichzeitig Trainer und Manager, danach räumte er die Trainerbank und kümmerte sich die folgenden drei Jahre um die wirtschaftlichen Belange des Clubs. Innerhalb von vier Jahren führte er den EVF von ganz unten bis in die Oberliga: drei Aufstiege in vier Jahren. „Es ist ein wichtiger Erfolg, dass wir wieder dort sind, wo wir hingehören“, freut sich der Ex-Goalie.

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Eishockey

Vorbereitungs-Auftakt: EV Füssen ist wieder heiß aufs Eis

Thomas Zellhuber selbst hat mit 16 Jahren in Füssen seine Heimat gefunden. Bis 15 Jahre spielte der gebürtige Oberstdorfer beim ECO. Für seine Leidenschaft wechselte der Auswahl-Spieler dann aufs Internat nach Hohenschwangau. Bei aller Liebe zum Sport verlor er auch nach dem Abitur die berufliche Laufbahn nicht aus den Augen und begann in Kempten ein BWL-Studium.

Die Jahre, in denen er morgens von Füssen nach Kaufbeuren zum ersten Training fuhr, danach nach Kempten zum Studium, nachmittags zum zweiten Training und abends heim nach Füssen, waren „eine harte Zeit. Es hat sich aber gelohnt, denn das Studium ermöglicht mir eine berufliche Zukunft, gerade BWL hat mir viel gebracht“, erklärt der Diplom-Betriebswirt, der als Leiter eines Unternehmens in der Metallbranche tätig ist.

Abgesehen von der Sonthofer Zeit erlebte Zellhuber seine Highlights in seiner zehnjährigen Profilaufbahn, die ihn in die 2. Bundesliga geführt hat. „Jede Meisterschaft und alle Aufstiege sind mir in Erinnerung“, sagt er. „Das Highlight“ erlebte er aber mit dem EHC Wolfsburg, als er 2004 den Meistertitel und den DEL-Aufstieg feierte.

Danach wechselte er zu den Blauen Löwen nach Leipzig. Zellhuber hätte die Option gehabt, bei den Grizzlys zu bleiben, hätte in der DEL jedoch eine untergeordnete Rolle spielen sollen, was er nicht wollte. Leipzig hingegen war damals ein aufsteigender Verein mit starkem Konzept, das ihn überzeugte.

2000er Jahre: Aufstiege in Serie

In der Sachsenmetropole erlebte der Allgäuer 2004/05 seine beste Saison, wechselte danach aber zum ETC Crimmitschau. „Ich wäre gerne geblieben, aber der Verein war in finanziellen Schwierigkeiten, musste sich zurückziehen und ist im Amateurbereich verschwunden“, erzählt der 45-Jährige. In Crimmitschau feierte Zellhuber den nächsten Aufstieg. Von dem „super Team“, zu dem auch sein langjähriger Weggefährte Björn Friedl gehörte, schwärmt er noch heute. Das Ende seiner Crimmitschauer Zeit hatte jedoch einen faden Beigeschmack, als der Verein Spieler nicht mehr bezahlen konnte. Zellhuber ging nach Ravensburg, nach einem Jahr zum EVF und später aus beruflichen Gründen nach Sonthofen –– für fünf erfolgreiche Jahre.

„Heute weiß ich die Vorzüge des Allgäus sehr zu schätzen“, betont der 45-Jährige, der seine Freizeit in den Bergen verbringt, wo er Mountainbike-, Wander- und Skitouren unternimmt. Da seine Wohnung in Füssen so zentral liegt und überall hin kurze Wege bietet, radelt er viel, auch täglich die sechs Kilometer zur Arbeit. Zu den ehemaligen Teamkollegen aus seiner langjährigen Profizeit hat Thomas Zellhuber noch sehr viel Kontakt, pflegt das auch weiterhin. Denn wenn der 45-Jährige aus seiner aktiven Zeit etwas vermisst, dann sind das die Zeiten, die er im Mannschaftskreis nach den Trainings oder den Spielen in der Kabine verbracht hat.