Bestattungskultur

Kaufbeuren rüttelt an der Sargpflicht

Die Sargpflicht soll in Kaufbeuren fallen.

Die Sargpflicht soll in Kaufbeuren fallen.

Bild: Kay Nietfeld/dpa

Die Sargpflicht soll in Kaufbeuren fallen.

Bild: Kay Nietfeld/dpa

Fällt die Sargpflicht in Kaufbeuren? Derzeit werden Änderungen in den Bestimmungen erarbeitet. Warum die Stadt anderen Religionen mehr Raum geben möchte.
10.06.2021 | Stand: 06:30 Uhr

Die Stadt möchte die in unseren Breiten bestehende Sargpflicht lockern. Der Hauptgrund: Nach muslimischer und teilweise auch jüdischer Tradition sollen die Toten bei der Beisetzung lediglich in ein Tuch gehüllt sein. „Als weltoffene Kommune, in der Vielfalt und Integration gelebt wird, wollen wir eine würdevolle Beisetzung nach individuellen Bedürfnissen eines jeden Menschen möglich machen“, heißt es in einem Antrag der Fraktionen von CSU und Grüne/FDP.

Die Stadt bringe damit auch „Respekt und Wertschätzung“ gegenüber anderen Kulturen zum Ausdruck. „Auch wenn das Bestattungsrecht in Deutschland eine komplizierte Angelegenheit ist“, sagte Bürgermeister Oliver Schill (Grüne). Der Verwaltungsausschuss, der sich einstimmig dafür aussprach, beauftragte die Verwaltung, Anpassungen für die Bestimmungen im Bestattungswesen auf den Weg zu bringen. Am Ende entscheidet darüber der Stadtrat.

Viele Fragen sind zu prüfen

Nachdem in Bayern die entsprechenden Gesetze gelockert werden, soll das Ortsrecht folgen, damit künftig auf Basis von „hygienischen und sittlichen Bestimmungen“ Bestattungen in Leichentuch ohne Sarg möglich sind. Nach Angaben aus dem städtischen Rechtsamt müssen in ein Konzept Überlegungen für Transportwege, technische Fragen der Bestattung, Bodenbeschaffenheit und Ausrichtung der Gräber berücksichtigt werden.

Bestattungsunternehmen und muslimische Gemeinschaften sollen miteinbezogen werden. „Die Friedhofskultur ist im Wandel“, sagte Christian Sobl von der CSU. „Zudem werden heute noch viele Tote für die Bestattung in muslimische Länder überführt.“

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