Stadtpolitik

Kemptens Bürgermeisterin Sibylle Knott verlässt Freie Wähler

Bürgermeisterin Sibylle Knott kehrt den Freien Wählern den Rücken. Sie wird vermutlich zur CSU wechseln.

Bürgermeisterin Sibylle Knott kehrt den Freien Wählern den Rücken. Sie wird vermutlich zur CSU wechseln.

Bild: Ralf Lienert

Bürgermeisterin Sibylle Knott kehrt den Freien Wählern den Rücken. Sie wird vermutlich zur CSU wechseln.

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Das Stühlerücken im Kemptener Stadtrat geht weiter. Sibylle Knott kritisiert Aufnahme der ehemaligen CSU-Räte Andreas Kibler und Alexander Buck.
15.04.2020 | Stand: 23:33 Uhr

Bürgermeisterin Sibylle Knott ist am Dienstag aus der Fraktion der Freien Wähler ausgetreten. Sie begründet ihren Schritt mit der Aufnahme der beiden ehemaligen CSU-Stadträte Andreas Kibler und Alexander Buck bei den Freien Wählern: „Seit einiger Zeit sehe ich eine Entwicklung unserer Gruppierung und auch in der Fraktion zu einer Parteipolitik, die ich nie wollte.“ Vermutlich wird Knott zur CSU wechseln.

Seit 24 Jahren sitzt die 58-jährige Kemptenerin für die Freien Wähler im Stadtrat. 1996 war sie angesprochen worden und habe sich von der überparteilichen Bewegung angezogen gefühlt, sagt sie dazu. „Ich wollte stets offen sein für eine Zusammenarbeit im Stadtrat mit anderen Gruppierungen ohne parteipolitische Scheuklappen.“ Nach der Aufnahme von Kibler und Buck „in einer Sitzung mit komischer Atmosphäre“ sei jedoch die Zusammenarbeit von Freien Wählern und CSU und damit „die Politik der politischen Mitte stark belastet“.

Kritik indirekt gegen Alexander Hold

Bereits seit Längerem gefalle ihr auch anderes nicht mehr bei den Freien Wählern. Ihre Kritik richtet sich indirekt gegen den Fraktionsvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Alexander Hold. Es seien Anträge im Namen der Fraktion an den Oberbürgermeister gestellt worden ohne vorherige Absprache mit den Stadträten. Am meisten habe sie eine Unterschriftenaktion für die Sanierung des Bachtelweihers gestört. Nicht in der Sache, da das Naherholungsgebiet dringend aufgewertet gehört, sagt sie. Nachdem eine Sanierung jedoch im zuständigen Stadtratsausschuss aufgrund der hohen Kosten mit Zustimmung der Freien Wähler-Stadträte vertagt worden sei, müsse man eine Unterschriftenaktion als Angriff auf den Oberbürgermeister werten. „Mir ist von anderen Stadträten gesagt worden, ihr seid die größte Opposition gegen Kiechle“, sagt Knott.

Alexander Hold reagiert gelassen: „Ich habe ihre Arbeit geschätzt, lasse sie ohne Groll ziehen. Unsere Fraktion hat aber seit einiger Zeit gespürt, dass Frau Knott ihre Perspektiven gewechselt hat.“

Hans-Peter Hartmann: "Ich kann sie verstehen"

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Hans-Peter Hartmann, zeigt sich „geplättet“ von dem Austritt. Knott habe zwar vor der Aufnahme von Kibler und Buck offen gesagt, dass sie dies nicht mittrage, die strikte Konsequenz überrasche ihn dennoch. „Ich kann sie aber verstehen“, sagt Hartmann. Er räumt ein, „dass nicht jeder Antrag vorher durchdiskutiert wird und abgestimmt ist“.

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Der Austritt schmerzt Hartmann, da er Knott „für ihre gute Argumentation“ schätzt, gerade weil sie manchmal „konträr“ sei. Dies befruchte. Für die Freien Wähler stelle sich nun die wichtige Frage des Bürgermeisteramtes. Aufgrund des Wahlergebnisses werde die Fraktion diese Position „wieder einfordern. Nur, wer macht das dann?“

Bereits mit Thomas Kreuzer telefoniert

Wie sieht die politische Zukunft von Knott aus? Ihr Lebenspartner ist der CSU-Fraktionsvorsitzende Erwin Hagenmaier, dessen Politikstil Kibler und Buck als wesentlichen Faktor für ihren Austritt genannt hatten. Sie habe zwar noch keinen Antrag bei der CSU gestellt, sagt Knott, jedoch mit deren Kreisvorsitzendem Thomas Kreuzer telefoniert. Dieser kann sich persönlich die Stadträtin „als Bereicherung gut vorstellen“, entscheiden könne dies aber nur die Gesamtfraktion.