Tourismus im Allgäu

Viele Allgäuer Hotels sind mit Sternen ausgezeichnet - doch was sagen diese eigentlich aus?

Auch im Allgäu sind viele Hotels mit Sternen ausgezeichnet. Doch was sagen sie eigentlich genau über die Qualität von Hotels aus?

Auch im Allgäu sind viele Hotels mit Sternen ausgezeichnet. Doch was sagen sie eigentlich genau über die Qualität von Hotels aus?

Bild: Stefan Sauer, dpa (Symbolbild)

Auch im Allgäu sind viele Hotels mit Sternen ausgezeichnet. Doch was sagen sie eigentlich genau über die Qualität von Hotels aus?

Bild: Stefan Sauer, dpa (Symbolbild)

Sterne gelten als Qualitätssiegel für Hotels. Was Urlauber in klassifizierten Unterkünften erwarten können und warum Allgäuer Betreiber das System kritisieren.
22.04.2022 | Stand: 16:38 Uhr

Viele Allgäuer Hotels werben mit ihren Sternen. Groß und golden prangen sie über Eingangsbereichen, an Hauswänden und Internetseiten. Doch was sagt die Auszeichnung eigentlich aus? Welche Ausstattung und welchen Service können Kunden in den unterschiedlich klassifizierten Unterkünften erwarten und wie werden die Sterne vergeben?

Eines steht vorweg fest: "Auf die Hotelsterne können sich Reisende verlassen", sagt Stefanie Baier-Ruchti vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) im Ostallgäu, die auch das Hotel Ruchti in Füssen leitet. Wo also vier Sterne drauf sind, sind auch vier Sterne drin. Eine unabhängige Kommission der Deutschen Hotelklassifizierung - einem Tochterunternehmen des Dehoga - vergibt die Sterne. Alle drei Jahre wird aufs Neue getestet: Und die Hoteltester achten dabei auf jedes Detail.

Sowohl der Gesamteindruck als auch kleine Details fließen in die Bewertung ein

Erst vor rund zehn Jahren gründeten die Hotelverbände in Österreich, Deutschland, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz, Tschechien und Ungarn die Hotelstars Union, um eine einheitliche Klassifizierung einzuführen. Damit gibt es zumindest in diesen Ländern klare Regeln, wann ein Hotel wie viele Sterne erhält. Mittlerweile gehören insgesamt 18 Länder der Organisation an. (Lesen Sie auch: Tannheimer Tal: Anreise, Einreise, Wandern, Veranstaltungen - Wichtige Infos auf einen Blick)

Die Klassifizierung basiert auf 270 Kriterien. Einige davon sind, wie Armin Hollweck, Kreisvorsitzender der Dehoga im Oberallgäu und Leiter des Hotels Adler in Oberstaufen sagt, "Muss-Kriterien", andere "Kann-Kriterien". Es gilt das Prinzip: Je mehr Sterne, desto mehr Merkmale müssen vorhanden sein. Nicht nur die Sauberkeit oder die Größe der Zimmer spielen dabei eine Rolle. Öffnungszeiten der Rezeption, Fernseher auf dem Zimmer, die Beleuchtung werden bewertet. Punkte gibt es auch für einen Fitnessraum, eine Sauna und einen Seminarraum. Details wie ein Zahnputzbecher im Bad oder ein Schuhlöffel im Zimmer und der Gesamteindruck des Betriebes in fließen die Bewertung ein.

Oberallgäuer Hotelbetreiber: Spa- und Wellnessbereiche sollten höher bewertet werden

"Die Kriterien sind bundeseinheitlich", sagt Hollweck. Hotels im Allgäu müssen also nicht aufgrund ihres Standorts in der Nähe der Berge andere Kriterien erfüllen als Hotels in der Münchner Innenstadt. Im Allgäu gibt es laut Hollweck viele Ferienhotels mit eigenem Schwimmbad oder Wellnessbereich, wohingegen Unterkünfte in der Stadt oftmals mit Seminar- oder Tagungsräumen und Co-Working-Spaces ausgestattet sind. Beides wird nach dem Kriterienkatalog des Dehoga ähnlich bewertet. Dabei sei ein Wellnessbereich oder ein Pool teurer und deutlich arbeitsaufwendiger als Gruppenarbeitsräume, sagt Hollweck. "Es wäre schön, wenn das bei der Klassifizierung berücksichtigt würde und man zum Beispiel mehr auf die Unterschiede zwischen Ferien- und Stadthotellerie eingehen würde."

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Je nach Lage des Hotels seien viele Betriebe mit einem hauseigenen Fahrrad- oder Skiverleih ausgestattet. In manchen gebe es einen hauseigenen Bergführer. Auch diese Angebote sollten laut Hollweck bewertet werden.

Hotels im Allgäu: Was bringt die Auszeichnung mit Sternen?

"Gäste haben so einfach einen Anhaltspunkt, was sie erwarten können", sagt Armin Hollweck. Durch die Klassifizierung seien Hotels transparenter, was Touristen schnell Überblick über die Leistungen und Angebote der Beherbergungsbetriebe verschafft, sagt auch Baier-Ruchti. Reisende könnten so besser abwägen, welche Unterkunft für sie geeignet ist. (Lesen Sie auch: Im Allgäu sind die Urlauber am zufriedensten - Region auf Platz 1 der Gästezufriedenheit)

Auch Hotels profitieren von der Klassifizierung, sagt Hollweck. Sie ermöglicht den Beherbergungsbetrieben eine deutlichere Positionierung und damit weitaus bessere Absatzchancen.

Doch was können Gäste nun konkret in verschieden klassifizierten Hotels im Allgäu erwarten?

  • Ein-Stern-Hotel: Einen Stern erhält ein Hotel, das einfachen Ansprüchen genügt. Alle Zimmer müssen ein eigenes Bad mit Dusche und Toilette und einen Fernseher haben. Personal reinigt die Zimmer täglich und es gibt Handtücher, Seife sowie ein Tisch und mindestens ein Stuhl. Auch Frühstück dürfen Gäste in einer Unterkunft mit einem Stern erwarten.
  • Zwei-Sterne-Hotel: Einen zweiten Stern bekommen Hotels, die zusätzlich ein reichhaltiges Frühstücksbuffet anbieten. Auf den Zimmern muss ein Leselicht am Bett sowie ein Schaumbad oder Duschgel im Bad bereitstehen. Hygieneartikel wie eine Zahnbürste, Zahncreme, Einmal-Rasierer stehen zur Verfügung. Gäste können mit Karte bezahlen und es gibt WLAN auf dem Zimmer.
  • Drei-Sterne-Hotel: Bei einer Unterkunft mit drei Sternen ist die Rezeption mindestens 14 Stunden täglich besetzt und rund um die Uhr telefonisch erreichbar. Mitarbeiter sprechen Deutsch und Englisch und auf den Zimmern stehen ein Telefon sowie ein Föhn, Papiertücher und Getränke zur Verfügung. Einen Ankleidespiegel und eine Kofferablage sind ebenfalls Pflicht. Der Umgang mit Kunden spielt in Hotels mit drei oder mehr Sternen eine noch wichtigere Rolle. Sollte sich ein Gast sich beschweren, müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angemessen reagieren. Das heißt: entschuldigen, mit Geschenken und Aufmerksamkeiten wiedergutmachen, für die Beschwerde danken und über eine nachhaltige Lösung für das Problem nachdenken.

  • Vier-Sterne-Hotel: Mit vier Sternen bewegen sich Hotels bereits im First-Class-Berich. Die Rezeption mindestens 16 Stunden täglich besetzt sein und rund um die Uhr erreichbar sein. In einer schön eingerichteten Lobby gibt es Sitzgelegenheiten und eine Hotelbar - zusätzlich zur Minibar auf den Zimmern. Neben einen Frühstücksbuffet wird eine Frühstückskarte und ein Getränke-Roomservice angeboten. Zur Ausstattung im Zimmer gehört ein Beistelltisch und ein Sessel. Gäste erhalten auf Nachfrage Bademäntel und Hausschuhe. Zum Angebot von Hygieneartikeln im Bad gehören nun auch eine Nagelfeile und Wattepad. Das Badezimmer hat auch eine großzügige Ablagefläche, eine Heizmöglichkeit und einen Kosmetikspiegel.
  • Fünf-Sterne-Hotel: Fünf Sterne gibt es, wenn das Hotel den höchsten Ansprüchen genügt, die Ausstattung und der Service luxuriös sind. Das heißt: Die Rezeption ist rund um die Uhr besetzt, Concierge und Hotelpagen kümmern sich um die Gäste. Urlauber werden mit frischen Blumen oder einem Geschenk auf dem Zimmer begrüßt. Die Zimmer verfügen über einen kleinen Safe und ein Bügel- und ein Schuhputzservice ist inklusive. Hygiene- und Pflegeartikel gibt es in Einzelflakons. Abends schüttelt das Personal Kissen und Betten auf und legt den Pyjama zurecht. Die Mitarbeiter des Hotels sprechen mehrere Sprachen und es gibt 24 Stunden lang Speisen und Getränke im Roomservice.

Hotels können sich zu den Sternen die Auszeichnung "Superior" verdienen: Eine Unterkunft bekommt dieses Siegel, wenn sie die Punktezahl in einer Kategorie deutlich überschreitet, aber einer der Mindeststandards oder die nötige Gesamtpunktzahl für den nächsten Hotelstern fehlt.

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