Serie: So schmeckt das Allgäu

Wegen Ernährungstrends: Ändert sich die Kulturlandschaft im Allgäu?

Allgäu Alpsommer

Die Alpwirtschaft spielt im Allgäu eine große Rolle. Ohne sie sähe es auf den Bergen ganz anders aus. Darum muss sie erhalten bleiben, sagen Experten.

Bild: Ralf Lienert (Archivbild)

Die Alpwirtschaft spielt im Allgäu eine große Rolle. Ohne sie sähe es auf den Bergen ganz anders aus. Darum muss sie erhalten bleiben, sagen Experten.

Bild: Ralf Lienert (Archivbild)

Das Allgäu ist geprägt von Grünland. Warum es kaum Alternativen dazu gibt und wie sich der Trend hin zu pflanzlicher Ernährung auf die Region auswirken könnte.
30.01.2022 | Stand: 04:49 Uhr

„Was ich esse, gestaltet die Landschaft“: Was zunächst verwirrend klingt, ergibt bei näherer Betrachtung durchaus Sinn. „Was unsere Speisepläne bestimmt, prägt auch unsere Region, und andersherum“, sagt Elisabeth Bischofberger, Ökotrophologin und zuständig für die Ernährungsbildung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Kempten. Im Allgäu landeten viele Milchprodukte auf dem Tisch. Auch, weil davon in dieser Region reichlich vorhanden ist.

„Das Allgäu ist geprägt von Milchwirtschaft und extensiver Weidehaltung“, sagt Bischofberger. Und das dürfe sich nicht ändern, wenn die bei Einheimischen und Urlaubern beliebte Kulturlandschaft erhalten bleiben solle. „Die Alpflächen würden zuwachsen“, sagt Dr. Michael Honisch, Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, wenn auf den Bergen keine Kühe mehr grasten. Auch die große Artenvielfalt wäre bedroht, wenn die Alpen nicht mehr bewirtschaftet würden. (Lesen Sie auch: Bio-Landwirt aus Seeg: Mit natürlichen Mitteln und umweltschonend arbeiten, sei am Ende Kopfsache)

Produktive Grünlandwirtschaft im Allgäu durch geografische und klimatische Verhältnisse

Doch was tun, wenn eine geringere Nachfrage nach tierischen Produkten und ein Wandel hin zu veganer, pflanzlicher Ernährung die Milchwirtschaft im Allgäu bedroht? „Es gibt bei uns kaum Produktionsalternativen. Wir leben in einer Grünlandregion“, sagt Honisch. Falls ein solcher Wandel kommt, müsse man sich Gedanken machen. Aber aufgrund der hohen Niederschläge sei Ackerbau ausgeschlossen. „Alles andere als Grünland kann ich mir nur schwer vorstellen“, sagt Honisch. Denn die große Stärke des Allgäus sei es, dass aufgrund der geografischen und klimatischen Verhältnisse sehr produktiv Grünlandwirtschaft betrieben werden könne.

Eine Bedrohung für die herkömmliche Alpwirtschaft sei jedoch auch das viel zitierte Höfesterben. Die Alpen seien auf die Höfe im Tal angewiesen. „Wenn die Landwirte keine Tiere mehr auf die Alpen bringen, wird es auch für uns problematisch.“ Allerdings sei das hier noch kein großes Problem, da laut Honisch keine Region in Bayern eine solch stabile Struktur hat wie das Allgäu. Um das langfristig zu erhalten, müsse „die Landwirtschaft in hinreichendem Maße entlohnt werden“. (Lesen Sie auch: Das wünschen sich Allgäuer Bauern von den Grünen Ministern)

Trend zu regionalen Produkten erhält Kulturlandschaft im Allgäu

Von Vorteil sei der Trend hin zum Kauf regionaler Produkte, sagt Elisabeth Bischofberger. „Faktoren wie das Tierwohl und die Herkunft der Lebensmittel werden eine immer größere Rolle spielen“, fügt die Ernährungsexpertin hinzu. „Es sollte das Bewusstsein gestärkt werden, dass durch den Kauf regionaler Produkte auch unsere Kulturlandschaft erhalten bleibt“, ergänzt Michael Honisch.

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