Der Brenner ist sicherlich eine der bekanntesten Autobahnen Österreichs. Viele Touristen aus Deutschland passieren sie, um an den Urlaubsort in Österreich oder in Italien zu gelangen - beispielsweise an den Gardasee. Dementsprechend viel Verkehr herrscht auf der Straße. Das zeigt sich nun auch am Zustand der Luegbrücke. Das 1,8 Kilometer lange Bauwerk wurde bereits 1968 eröffnet - der Zahn der Zeit nagt inzwischen unablässig daran. An diversen Stellen wurde die Brücke bereits mit Stahlträgern abgesichert.
Doch all die Sanierungsmaßnahmen zögern nur das Unumweichliche hinaus. Die Brücke komme "immer eindeutiger an das Ende ihrer Nutzungsdauer, das zeigen die laufenden Überwachungen des Tragwerks", sagte der Betreiber der österreichischen Brennerautobahn Asfinag gegenüber des Merkurs. Ein Neubau muss dem staatlichen Unternehmen zufolge her. Die Planungen dafür stehen bereits. Eigentlich sollten die Bauarbeiten 2024 starten und sechs Jahre später beendet sein.
Tiroler Dorf Gries stellt sich gegen Brenner-Brücken-Neubau aus Befürchtung vor noch mehr Verkehr
Aber die Rechnung wurde offenbar ohne die Gemeinde Gries am Brenner gemacht. Das Dorf, durch dessen Gebiet die Brücke führt, stellt sich gegen den Neubau. Dort befürchtet man, dass das neue Bauwerk noch breiter als bisher und damit noch mehr Verkehr anziehen würde.
Für die Bewohner des Ortes ein untragbares Szenario. Bereits jetzt leiden sie unter dem Lärm und den Abgasen, die von der Autobahn ausgingen. Wie der Merkur berichtet, wurden im vorigen Jahr 2,48 Millionen Lkws gezählt - also 283 Lastwagen pro Stunde. Bürgermeister Karl Mühlsteiger berichtet: "Der Lärm rund um die Uhr ist immens, die Feinstaubbelastung wächst, nicht nur durch Abgase, sondern auch durch Gummiabrieb der Reifen und Bremsabrieb." Festmachen lasse sich das unter anderem an den Krebserkrankungen in der Gemeinde. Die Anzahl derer sei nach oben geschossen.
Gries am Brenner fordert statt Brücken-Neubau einen Tunnel
Deshalb fordern die Grieser, statt einer neuen Brücke einen Tunnel zu bauen. So könne sich das Tal erholen und auch der Tourismus könnte wieder aufblühen. Doch die Asfinag und der Staat Österreich lehnten einen Tunnelbau bereits ab. Ein Gutachten habe ergeben, dass der Bau der unterirdischen Variante mindestens zehn Jahre in Anspruch nehmen würde.
Klein beigeben will die Gemeinde aber nicht. Bürgermeister Mühlsteiger hat Beschwerde gegen den Bescheid des Verkehrsministeriums zur Generalsanierung der Luegbrücke erhoben. Damit kann der für das kommende Jahr geplante Baubeginn nicht erfolgen. Wie lange das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht dauern und wie es ausgehen wird, ist nicht vorherzusagen.
Wer im Oktober über den Brenner fahren möchte, muss wohl etwas Geduld mitbringen. Denn zwischen dem 8. und dem 24. Oktober finden an der Luegbrücke und auch im Grenztunnel Sanierungsarbeiten statt. Die Fahrbahn steht hier zeitweise nur einspurig zur Verfügung.
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