13-Dörfer Gemeinde Pfronten

Mächler, Berge, Sterneküche: Was man über Pfronten wissen sollte

Ein richtiges Postkartenmotiv: Die Pfrontener Kirche St. Nikolaus eingebettet von Löwenzahnwiesen im Frühjahr.

Ein richtiges Postkartenmotiv: Die Pfrontener Kirche St. Nikolaus eingebettet von Löwenzahnwiesen im Frühjahr.

Bild: Pfronten Tourismus, E. Reiter

Ein richtiges Postkartenmotiv: Die Pfrontener Kirche St. Nikolaus eingebettet von Löwenzahnwiesen im Frühjahr.

Bild: Pfronten Tourismus, E. Reiter

Wer von Pfronten spricht, der sollte genauer sein: Denn die Gemeinde am Breitenberg hat insgesamt 13 Dörfer. Das ist aber nicht die einzige Besonderheit.
30.04.2022 | Stand: 15:31 Uhr

  • Die 13-Dörfer-Gemeinde Pfronten liegt am Fuße des Breitenbergs im Ostallgäu
  • Bekanntes Wahrzeichen sind die Burgruine Falkenstein und die Kirche St. Nikolaus
  • Rund um den Breitenberg und Aggenstein gibt es viele Bergwanderwege
  • Im Winter gibt es zwei Skigebiete: auf dem Breitenberg und im Skizentrum im Tal

Dass die Pfrontener eine ganz eigene Sippe sind, dass wissen vor allem die Einwohner der Nachbargemeinden. Im Kessel zu Fuße des Breitenbergs dreht sich heute viel um Erholung und Bergsport. Doch es waren vor allem findige Tüflter und Mächler, die einst frei von den Regeln der Zünfte für die erstaunliche Entwicklung der Gemeinde beitrugen. Teils entstanden daraus wie beispielsweise im Falle der Firma "Maho" weltweit agierende Konzerne. Doch das ahnen die Besucher heute meist nicht, wenn sie vor allem wegen des Tourismusangebots nach Pfronten kommen.

Bergtourismus in Pfronten: Breitenbergbahn und Ostlerhütte

Neben Nesselwang und Schwangau gehört Pfronten zu den drei Gemeinden im südlichen Ostallgäu, in denen sich vor allem wegen des Wintersports der Tourismus entwickelte. So fanden in Pfronten bis 1987 Weltcup-Rennen am Fuße des Breitenbergs statt. Alleine die österreichische Skilegende Annemaria Moser-Pröll gewann sieben Mal die Abfahrt auf der Standard-FIS Strecke. Schon lange zuvor hatte Pfronten mit dem Bau der Breitenbergbahn den Hausberg der Gemeinde touristisch erschlossen. Ab März 1951 ging es in kleinen, knallroten Vierer-Gondeln hinauf auf 1501 Meter. 1993 wurde die in die Jahre gekommene Breitenbergbahn komplett modernisiert.

In 4er-Gondeln geht es mit der Breitenbergbahn hinauf auf das Plateau der Hochalpe.
In 4er-Gondeln geht es mit der Breitenbergbahn hinauf auf das Plateau der Hochalpe.
Bild: Pfronten Tourismus

Oben auf der Hochalpe erschließt sich den Bergwanderern mit dem Brentenjoch, dem Aggenstein und dem Breitenberg die Pfrontener Bergwelt. Gleich neben dem Gipfelkreuz des Breitenbergs steht seit 1929 die Ostlerhütte. Sie wurde nach dem Bau der Breitenbergbahn erweitert und ist heute ein beliebtes, weil leicht erreichbares Ausflugsziel. Im Winter ist das Hochalp-Plateau auf dem Breitenberg ein kleines Skigebiet, in dem vor allem Fans von Naturschneepisten auf ihre Kosten kommen. Im Sommer starten Drachen- und Gleitschirmflieger vom Breitenberg aus, auf ihren Rädern brettern Mountainbiker ins Tal. Dort unten ist im Winter im Skizentrum Skifahren angesagt. Das beschneite Areal ist vor allem für Familien ideal.

Fakten zur Gemeinde Pfronten: Übernachtungen, Fläche, Einwohner

Rund 130.000 Gäste besuchen Pfronten im Jahr und sorgen für etwa 640.000 Übernachtungen. Die meisten Urlauber kommen in den Monaten von Juni bis September. Das Gemeindegebiet erstreckt sich auf 62,2 Quadratkilometer, Pfronten hat rund 8350 Einwohner in seinen 13 Dörfern: Berg, Dorf, Halden, Heitlern, Kappel, Kreuzegg, Meilingen, Ösch, Rehbichel, Ried, Röfleuten, Steinach und Weißbach. Höchster Punkt der Gemeinde ist der Gipfel des Aggensteins (1986 m), der auch die Grenze zum benachbarten Tannheimer Tal in Tirol ist. So liegt die bei Bergwanderern beliebte Bad Kissinger Hütte am Aggenstein schon auf österreichischem Gebiet. Der aus meherern Dörfern bestehende Hauptort Pfrontens befindet sich auf einer Höhe von knapp 870 m und wird von der Vils durchflossen.

Geschichte: So wurde Pfronten zum einem Ort der Feinmechanik

Einen genauen Zeitpunkt für die Besiedlung des Pfrontener Tals können Historiker nicht bestimmen. Ab dem Anfang des 14. Jahrhundert gehörte Pfronten zum Hochstift Augsburg. Weil die Pfrontner im Mittelalter eine seltene Freiheit hatten, entwickelte sich die Gemeinde zu einer Hochburg der sogennannten Mächler. Das Pfrontner Urbar erlaubte den Dorfbewohnern Besitzrechte, die anderswo im Allgäu nicht galten. Die Pfrontener durften zudem ein Handwerk ohne Zunftzwang ausüben - und so das karge Einkommen aus der Landwirtschaft mit einem Nebenerwerb aufbessern. Viele Mächler, heute würde man sie Tüftler nennen, waren im Handwerk und der Kunst aktiv.

So hat sich Pfronten entwickelt: Der Blick vom Breitenberg im Jahr 1957 (l) und 2013. Das großer Areal auf dem Bild rechts ist der Betrieb von "Deckel Maho"
So hat sich Pfronten entwickelt: Der Blick vom Breitenberg im Jahr 1957 (l) und 2013. Das großer Areal auf dem Bild rechts ist der Betrieb von "Deckel Maho"
Bild: Hanns Lenz / Ulrich Meier / Wikipedia

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Die Heimarbeit wurde immer professioneller und feiner: Reißzeug- und Uhrmacher entwickelten ständig Neues. Der 1775 geborene Thomas Haff startete als Uhrmachermeister und entwickelte dann ab der Jahrhundertwende Vermessungswerkzeuge und Zeichengeräte - der Startschuß der noch heute aktive Firma "Haff Feinmechanik". Hermann Wetzer, ein Lehling der Firma, verließ die Gemeinde und arbeitete nach 1867 für Siemens in Berlin und London. Zurück im Allgäu gründete er 1872 eine Firma zur Herstellung von Telegrafen. Die Firma Wetzer wurde 1976 von der Endress+Hauser AG übernommen und siedelte das Pfrontener Werk schließlich im benachbarten Nesselwang an. Größter noch in Pfronten aktiver Betrieb ist Maho - heute ein Teil der Deckel-Gruppe. Maho ging aus einer Reißzeugfabrik hervor und ist heute ein großer Maschinenbaubetrieb mit rund 1250 Mitarbeitern.

Falkenstein, St. Nikolaus, Sterneküche: Hotspots für Pfronten-Besucher

Von Pfronten aus nicht zu übersehen ist das wohl bekannteste Wahrzeichen der Gemeinde: die Ruine Falkenstein. Auf einem 1268 Meter hohen Felsen gelegen ist sie die höchstgelegene Burganlage Deutschlands. 1883 erwarb König Ludwig II. die mittelalterliche Ruine und wollte auf dem Felsen eine romantische Märchenburg in der Art Neuschwansteins errichten. Das Projekt wurde aber nie realisiert weil der Märchenkönig 1886 unter mysteriösen Umständen im Starnberger See ertrank. Die Burgruine ist über mehrere Wanderwege und Steige aus dem Tal erreichbar.

Beliebtes Wanderziel Die Burgruine Falkenstein oberhalb von Pfronten im Abendlicht.
Beliebtes Wanderziel Die Burgruine Falkenstein oberhalb von Pfronten im Abendlicht.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Etwas unterhalb der Ruine liegt das Burghotel Falkenstein. Dort kocht Simon Schlachter mit seinem Team. Er wurde als jüngster Koch Bayerns vom Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet und betreibt hoch über Pfronten das Gourmat-Restaurant "Pavo", das Teil des Burghotels ist.

Ein Postkartenmotiv ist die Pfarrkirche St. Nikolaus im Ortsteil Berg. In dem Gottenhaus dürfte sich kaum etwas finden, das nicht von heimischen Künstlern angefertigt wurde. Eine Ausnahme ist der rechte Seitenaltar, der ein Altarblatt des venezianischen Malers Giovanni Antonio Pellegrini in sich birgt. Die erste Erwähnung eines romanischen Gotteshauses geht auf das Jahr 1361 zurück. 1687 wurde der Grundstein zur heutigen Kirche gelegt. Die meisten Ortsteile Pfrontens haben übrigens eigene Gotteshäuser.

Diese Pfrontener Berghütten sind beliebte Wanderziele

Neben der schon erwähnten Ostlerhütte liegt auf dem Breitenberg etwas unterhalb die Hochalphütte (1510 m). Sie ist nur wenige Minuten Gehzeit von der Bergstation der Breitenbergbahn entfernt und deshalb einfach erreichbar. Auf einer Hochebene am Edelsberg gelegen ist die Gundhütte (1180 m ). Sie ist das Zeil vieler Mountainbiker und Wanderer, die nicht ganz so hoch hinaus wollen. Durch ihre Lage und den einfachen Zustieg ist die Gundhütte auch als Ziel auch bei schlechtem Wetter zu empfehlen. Ebenfalls am Edelsberg liegt auf 1350 Metern die Kappeler Alm - sie ist ebenfalls bei Mountainbikern hoch im Kurs. Einen guten Blick über Pfronten hat man vom Tiroler Stadl überhalb des Standartslifts des Skizentrums Pfronten. Oberhalb des Ortsteiles Kappel findet sich die Hündeleskopfhütte, die erste vegetarische Berghütte der Alpen.

Wirtin Silvia Beyer kocht auf Hündleskopfhütte ausschließlich vegetarisch.
Wirtin Silvia Beyer kocht auf Hündleskopfhütte ausschließlich vegetarisch.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Aggenstein, Breitenberg, Brentenjoch: Beliebte Bergtouren in Pfronten

Auf den Hausberg Pfrontens, den Breitenberg, führen zahlreiche Wege. Wer es einfach haben will, der geht von der Talstation der Breitenbergbahn auf einem gut ausgebauten Forstweg in Serpentinen unterhalb der Bahn nach oben. Von der Bergstation geht es dann weiter auf einfachen Wegen zur Ostlerhütte. Etwas schwieriger, aber immer noch gut machbar, ist der Aufstieg durch die Reichenbachklamm. Weniger frequentiert ist auch der der Steig über den Tiroler Stadel dirket hoch zur Ostlerhütte. Eine weitere Option ist von Fallmühle aus an der Westflanke des Breitenbergs. Ein Forstweg führt zudem ein paar Kilometer weiter von der Südseite auf den Breitenberg - den benutzen Mountainbiker bevorzugt.

Der Aggenstein ist entweder von Grän im Tannheimer Tal, oder aber von der Pfrontener Seite zu erreichen. Von der Hochalpe auf dem Breitenberg gibt es zwei Möglichkeiten: Westseitig über den "Langen Strich", oder ostseitig über den "Bösen Tritt" . Der Gipfelanstieg des Aggensteins ist mit Stahlseilen versichert und verlangt alpine Erfahrung.

Über den Bösen Tritt erreicht man auch den Gipfel des Brentenjochs, der bereits auf österreichischem Gebiet liegt. Auch das Brentenjoch können Bergwanderer von Grän aus angehen. Eine sehr einfache Tour können Wanderer zudem auf den Schönkarler unternehmen, der hinter der Fallmühle in Richtung Tannheimer Tal gelegen ist. Im Winter ist er ein viel begangener Skitouren-Berg.

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