Noch zwei Mal schlafen. Dann ist Olympia schon wieder Geschichte. Vor Ort war es letztlich besser als erwartet. Viele düstere Prognosen sind nicht eingetroffen. Wobei die „olympische Bubble“, also die Blase, in der man sich bewegen durfte, die Bewegungsfreiheit schon extrem eingeschränkt hat.
Kein Kontakt zur chinesischen Bevölkerung, kein Restaurant-Besuch außerhalb des Hotels, kein Laden, keine Bar, keine Tankstelle, nichts. Kein Joggen (ok, ohnehin nicht mein Ding…), einfach nur Hotel - Bus - Ski Arena - Bus - Hotel. Ende. Zudem erlaubt: Bewegung zwischen den Wettkampforten. Also Peking, Yanqing und Zhangjiakou. Was die Angelegenheit aber nicht unbedingt einfach und erstrebenswert macht.
Reise-Farce zwischen Wettkampforten
Eine Fahrt nach Peking etwa, zum Eishockey beispielsweise, von unserem Hotel in Yanqing, führt zunächst 25 Minuten mit dem Bus zu einem Umsteige-Bahnhof. Dort wartet man 30 Minuten auf den Bus zum Bahnhof Yanqing, um mit dem Transrapid mit etwa 300 km/h Richtung Peking zu fahren. Dieser Bus fährt allerdings wieder Richtung Hotel Yanqing zurück, am Hotel vorbei zum Bahnhof, der Luftlinie rund 500 Meter vom Hotel entfernt ist. Bis zum Einsteigen vergehen satte zwei Stunden. Die 500 Meter zu Laufen ist verboten.

Der Zug wiederum fährt erneut gefühlt am Hotel vorbei (das dritte Mal jetzt), dann am Bus-Umsteige-Bahnhof und ist 40 Minuten später in Peking. Von dort gehts weiter per Bus zum Hauptpressezentrum und weiter mit dem nächsten Bus zur Eishalle. Fahrzeit: dreieinhalb Stunden. Eine Strecke natürlich.
Wachmann wird zum Running Gag
Egal. Es bleiben auch lustige Momente. Der „Bergschauer“ etwa, ein Kontrollposten an der Mittelstation der Gondel. Ein Wachmann, der in einem Container mit dem Rücken zur Gondel immer Richtung Berge schaut.
Irgendwann haben wir ihn den „Bergschauer“ genannt, was von Kollegen sogar übernommen wurde. Der Schweizer Alpin-Experte Marc Berthod hat mich darauf angesprochen. Auch Kommentator-Kollege Oliver Polzer vom ORF. „Der ’Bergschauer’ hat sich heute bewegt“, frotzelte er beim Abendessen. Gut so. Ja, der wird mir fehlen. Der „Bergschauer“. Der ganz einsam vor sich hin in die Berge geschaut hat.
Die ersten drei Teile des Olympia-Tagebuchs:
- Wie Kommentator Bernd Schmelzer die ersten Tage in Peking erlebt
- Kommentator Bernd Schmelzer berichtet von "Robotern im Dauereinsatz" bei Olympia
- Kommentator Bernd Schmelzer berichtet vom Vorteil des frühen Vogels bei Olympia