Gestiegene Corona-Zahlen in München

Söder stellt Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen in Aussicht

In München und anderen Corona-Hotspots in Bayern soll es eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen geben.

In München und anderen Corona-Hotspots in Bayern soll es eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen geben.

Bild: Peter Kneffel, dpa

In München und anderen Corona-Hotspots in Bayern soll es eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen geben.

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Zuletzt wurden in Bayern Corona-Beschränkungen gelockert. Doch weil vor allem in München die Neuinfektionen viel zu hoch sind, müssen Söder & Co. gegensteuern.
dpa
21.09.2020 | Stand: 12:58 Uhr

Aktualisiert um 13 Uhr - In München und anderen Corona-Hotspots in Bayern soll es eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen geben, wo Abstandsregeln nicht eingehalten werden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stellte dies angesichts hoher Neuinfektionszahlen am Montag für die Landeshauptstadt bereits konkret in Aussicht. Und an diesem Dienstag will das Kabinett eine entsprechende Soll-Regel für sämtliche bayerischen Kommunen beschließen, in denen die Neuinfektionszahl bei mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen liegt. Das kündigte Söder am Montag in München an.

Auf welchen öffentlichen Plätzen genau die Maskenpflicht greift, ist nach Worten Söders dann die Entscheidung der betroffenen Kommunen. Auch über die genauen Uhrzeiten werde man im Kabinett noch einmal sprechen. Söder plädierte jedenfalls für eine Maskenpflicht ab den Abendstunden: "Ab einer bestimmten Uhrzeit auf jeden Fall", sagte Söder vor einer Videoschalte des CSU-Vorstands. Und auf bestimmten Plätzen solle es dann auch ein Alkoholverbot geben. Ausnahmen soll es nach Worten Söders nur in Fällen geben, in denen das Infektionsgeschehen klar auf bestimmte Ausbruchsherde zuordenbar sei. In München beispielsweise sei das aber aktuell nicht mehr möglich.

Er sei sehr dafür, auf öffentlichen Plätzen, "wo kein Abstand halten möglich ist oder gewollt ist", eine Maskenpflicht einzuführen, sagte Söder schon am Morgen dem Bayerischen Rundfunk. Dann könnten auch die Ordnungsbehörden entsprechend reagieren. "München ist zu groß, um es einfach jetzt zu ignorieren und laufen zu lassen." Er stehe in engem Austausch mit Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). "Wir stimmen uns da eigentlich täglich ab miteinander." München werde auch von sich aus Maßnahmen ergreifen, sagte Söder. Seit dem Morgen tagt bereits der Krisenstab der Landeshauptstadt und berät über Konsequenzen.

 

Er habe sehr gemischte Gefühle, sagte Söder mit Blick auf Fotos von gewissen Wiesn-Ersatzfeiern am Wochenende in München. "Die Bilder vom Viktualienmarkt, die waren schon verstörend", kritisierte er. Fotos zeigten Menschen dort dicht gedrängt, ohne Abstand und ohne Maske.

"Ich will keinem die Freude nehmen", betonte der Ministerpräsident. "Aber Freude und Vernunft sollten besser zusammenkommen." Man müsse nun reagieren, um die Corona-Zahlen wieder unter 50 je 100.000 Einwohner zu bekommen.

Viktualienmarkt statt Wiesn: Am Samstag hätte eigentlich das Oktoberfest in München begonnen. Stattdessen gab es verschiedene Aktionen und Veranstaltungen in der Landeshauptstadt statt.
Viktualienmarkt statt Wiesn: Am Samstag hätte eigentlich das Oktoberfest in München begonnen. Stattdessen gab es verschiedene Aktionen und Veranstaltungen in der Landeshauptstadt statt.
Bild: Felix Hörhager, dpa

Ungeachtet der wieder gestiegenen Corona-Zahlen in vielen Kommunen hatte die Staatsregierung zuletzt noch an einem weiterern Lockerungsschritt festgehalten: Seit Samstag dürfen auch Bars und Kneipen wieder öffnen - wenn auch nur unter bestimmten Auflagen.

Söder bereiten vor allem private Feiern Sorgen

Söder betonte, Sorgen bereiteten ihm nicht professionell organisierte Veranstaltungen. "Das Problem sind die privaten Feiern." Er wiederholte in dem Zusammenhang auch seine klare Prioritätensetzung: Ziel sei es, den Betrieb in Schulen und Kitas weiter zu ermöglichen und die Wirtschaft vor einem zweiten Lockdown zu bewahren.

Am Sonntag hatten die Corona-Zahlen in München den Wert von 55,6 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner in einer Woche erreicht. Söder sprach in diesem Zusammenhang von starkem Leichtsinn einiger. "München hat sehr hohe Zahlen, zu hohe Zahlen." Er kündigte an, die Bundeswehr solle in München nun das Gesundheitsamt personell unterstützen. "Wir werden die Bundeswehr bitten, 100 Leute zur Verfügung zu stellen, um die Nachverfolgung zu verbessern."

Supercup in Budapest: Söder will schärfere Regeln für zurückkehrende Fans

Angesichts des bevorstehenden Supercup-Spiels zwischen dem FC Bayern München und dem FC Sevilla im Corona-Risikogebiet Budapest kündigte Söder zudem schärfere Quarantäneregeln für zurückkehrende Fans an. Man werde die entsprechende Quarantäneverordnung ändern. Bisher gelte für bestimmte Fälle eine Ausnahmeregelung: Wer sich weniger als 48 Stunden in einem Risikogebiet im Ausland aufgehalten hat, müsse nicht in häusliche Quarantäne. "Wir werden das ändern und ändern müssen."

 

Die Ausnahmeregelung für Geschäftsreisen könne nicht bei Fußball oder Kulturveranstaltungen gelten. "Ungarn ist Hochrisikogebiet. Deswegen ist es aus meiner Sicht zwingend erforderlich, dass wir dann die normalen Quarantäneregeln haben." Jeder solle sich genau überlegen, ob er da wirklich hinfahren wolle, mahnte Söder. Man könne es sich nicht leisten, dass 2000 bis 3000 Menschen möglicherweise am Ende für eine "Riesen-Infektionswelle" sorgten. Für Geschäftsreisende soll es nach Darstellung Söders aber bei der Ausnahmeregelung bleiben.

Die Europäische Fußball-Union UEFA hält bislang an ihren Plänen fest, das Supercup-Finale am Donnerstag (21.00 Uhr) in der Puskás Arena vor Zuschauern zu spielen. Die Stadionkapazität von 67.000 Zuschauern soll bis zu 30 Prozent ausgelastet werden. Beiden Clubs stehen jeweils rund 3000 Tickets zur Verfügung. Rund 2100 Fußballfans wollen den FC Bayern nach Angaben vom Sonntag nach Budapest begleiten.