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Maximal 1000 Euro für die Pflege im Heim: Was würde eine Deckelung des Eigenanteils bedeuten?

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Maximal 1000 Euro für die Pflege im Heim: Was würde eine Deckelung des Eigenanteils bedeuten?

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    Die Pflege im Pflegeheim gilt als besonders teuer. Denn Pflegebedürftige müssen jeden Monat einen hohen Eigenanteil aus der eigenen Tasche zahlen.
    Die Pflege im Pflegeheim gilt als besonders teuer. Denn Pflegebedürftige müssen jeden Monat einen hohen Eigenanteil aus der eigenen Tasche zahlen. Foto: Kzenon, stock.adobe.com (Symbolbild)

    In der Pflege besteht dringender Reformbedarf. Steigende Pflegefallzahlen, Personalmangel, zu hohe Kosten und Finanzierungslücken belasten das System der Pflegeversicherung zunehmend. Ein höherer Pflegebeitrag galt 2025 als Übergangslösung, eine von Bund und Ländern eingerichtete Kommission soll nun bis zum Jahresende langfristige Vorschläge zur Zukunft der Pflegeversicherung erarbeiten. Für Sachsen sitzt Sozialministerin Petra Köpping (SPD) in dem Gremium. Wie die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende im Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung deutlich machte, will sie insbesondere Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern den finanziellen Druck nehmen und spricht sich für eine Deckelung des Eigenanteils aus. Was würde das konkret bedeuten?

    Übrigens: Die Forderungen zur Pflege gehen in unterschiedliche Richtungen. Wirtschaftsweisin und Ökonomin Monika Schnitzer hat sich etwa jüngst dafür ausgesprochen, die Generation der Babyboomer – sozusagen die Pflegebedürftigen von morgen – stärker in die Pflicht zu nehmen. Sie sollten gezielt für einen möglichen Pflegefall vorsorgen. Die Kosten der Pflege könnten nicht allein von der Allgemeinheit getragen werden, sagte die Expertin. Auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) schließt eine Pflicht zur privaten Vorsorge im Rahmen einer Pflegereform nicht aus. Auch sie will aber „den rasanten Anstieg der Eigenanteile“ stoppen. Im Koalitionsvertrag wäre sogar die Grundlage einer Karenzzeit gegeben. Pflegebedürftige müssten dann eine bestimmte Wartezeit erfüllen, bevor sie Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung hätten.

    Eigenanteil auf 1000 Euro deckeln: Wie hoch wären die Kosten für einen Platz im Pflegeheim?

    Die Pflege im Pflegeheim gilt als die teuerste Pflegeform – das bekommen auch Pflegebedürftige immer deutlicher zu spüren. Die Eigenbeteiligung ist einer aktuellen Datenauswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) vom 1. Juli 2025 zufolge erneut gestiegen. Während im Januar noch von einer wackelnden 3000-Euro-Marke berichtet wurde, hat der durchschnittliche Eigenanteil diese Marke nun durchbrochen. Die Eigenbeteiligung liegt jetzt im Bundesdurchschnitt bei 3387 Euro monatlich.

    Im Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung hat Petra Köpping gefordert, den Eigenanteil auf 1000 Euro pro Monat zu begrenzen – finanziert aus Steuermitteln. Damit meint sie den sogenannten einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) und nicht die gesamte Eigenbeteiligung.

    Der EEE kurz erklärt: Die Kosten im Pflegeheim setzen sich laut der Verbraucherzentrale aus unterschiedlichen Posten zusammen:

    Die Pflegeversicherung beteiligt sich im Rahmen der stationären Pflege als Versicherungsleistung nur an den Kosten für Pflege und Betreuung. Diese sind meist aber höher als die Leistung der Pflegekasse. Die restlichen Pflegekosten fassen Pflegeheime für ihre Bewohnerinnen und Bewohner mit dem EEE zusammen. Dieser ist für alle Pflegebedürftigen in einem Pflegeheim gleich hoch, variiert aber von Einrichtung zu Einrichtung.

    Welche Auswirkungen hätte eine Deckelung des Eigenanteils? Für Juli 2025 hat der vdek einen bundesdurchschnittlichen EEE in Höhe von 1862 Euro ermittelt. Damit macht er über die Hälfte der kompletten Eigenbeteiligung aus. Bei einer Deckelung des Eigenanteils auf 1000 Euro müssten Pflegebedürftige aktuell im Schnitt 862 Euro weniger bezahlen. Statt 3387 Euro pro Monat läge die Eigenbeteiligung dann im Bundesdurchschnitt bei 2525 Euro. Das ist aber nicht der Betrag, den Pflegebedürftige selbst zahlen müssten.

    Seit 2022 beteiligt sich die Pflegeversicherung nämlich mit einer zusätzlichen Leistung an den stationären Pflegekosten. Abhängig ist diese Entlastung von der Bezugsdauer vollstationärer Pflegeleistungen – also von der Aufenthaltsdauer in einem Pflegeheim. Der EEE und damit die Eigenbeteiligung sinken also mit der Zeit. Geregelt ist das in Paragraf 43c SGB XI. Demnach erhalten Pflegebedürftige, die einen anerkannten Pflegegrad von 2 bis 5 haben, abhängig von der Aufenthaltsdauer Zuschläge von der Pflegekasse:

    • Pflegebedürftige bis 12 Monate Aufenthalt: 15 Prozent des Eigenanteils
    • Pflegebedürftige ab 12 Monaten Aufenthalt: 30 Prozent des Eigenanteils
    • Pflegebedürftige ab 24 Monaten Aufenthalt: 50 Prozent des Eigenanteils
    • Pflegebedürftige ab 36 Monaten Aufenthalt: 75 Prozent des Eigenanteils

    Bei einer Deckelung des Eigenanteils (D.d.E.) würde das ausgehend von den Daten des vdek für Juli 2025 im Bundesdurchschnitt folgende Kosten für Pflegebedürftige bedeuten:

    bis 12 Monateab 12 Monateab 24 Monateab 36 Monate
    EEE ohne D.d.E.1583 Euro1303 Euro931 Euro466 Euro
    EEE mit D.d.E.850 Euro700 Euro500 Euro250 Euro
    Investitionskosten507 Euro507 Euro507 Euro507 Euro
    Unterkunft und Verpflegung1018 Euro1018 Euro1018 Euro1018 Euro
    Gesamt ohne D.d.E.3108 Euro2828 Euro2456 Euro1991 Euro
    Gesamt mit D.d.E.2375 Euro2225 Euro2025 Euro1775 Euro

    Deckelung des Eigenanteils auf 1000 Euro: So kommt Köppings Vorschlag an

    Köppings Vorschlag würde pflegebedürftige Menschen entlasten, zumindest den Teil, der in einem Pflegeheim gepflegt wird – laut dem Statistischen Bundesamt sind das etwa 14,1 Prozent. Obwohl der Sozialverband Deutschland die Idee begrüßt, sieht Pressesprecher Peter Zernechel laut dem MDR genau hier einen Knackpunkt. Mit der Begrenzung des Eigenanteils könnte nämlich nur einem kleinen Teil der Betroffenen geholfen werden; Menschen in häuslicher Pflege würden keine Entlastung spüren. Außerdem geht Zernechel die Idee nicht weit genug. Eine Deckelung dürfe sich demnach nicht nur auf den pflegebedingten Eigenanteil beziehen, sondern müsse alle Kosten berücksichtigen.

    Zernechel fordert eine Pflegevollversicherung. Eine Idee, die Top-Ökonom Heinz Rothgang von der Universität Bremen bereits Ende Januar 2025 vorgestellt hat. In seinem Gutachten zu einer Bürgerversicherung für die Pflege erklärte er, wie alle Kosten für die Pflege übernommen werden könnten. Dabei handelt es sich aber auch um einen Vorschlag, der genau wie Köppings Idee auf Kritik gestoßen ist.

    Obwohl die Idee einer Begrenzung des Eigenanteils nicht neu ist und politisch auch diverse Unterstützer hat, sieht der Arbeitgeberverband Pflege den Vorstoß kritisch. Zur Finanzierung durch den Steuerzahler sagte Verbandsgeschäftsführerin Isabell Halletz laut dem MDR: „Aus Unternehmersicht muss man sagen, dass Steuern immer ein variabler Bestandteil sind. Mit denen kann man leider nicht hundertprozentig rechnen.“ Das sei insbesondere bei der aktuell schwierigen Wirtschaftslage der Fall. Hinzukomme, dass die Ersatzgelder aus der Deckelung erst von Bund oder Ländern verteilt werden müssten. Halletz befürchtet, dass Pflegeheime dann länger auf ihr Geld warten müssen und in finanzielle Not geraten könnten.

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