Kempten

Von der Manufaktur zum digitalen Unternehmen

Allgäuer Holztag

Allgäuer Holztag

Bild: Martina Diemand

Allgäuer Holztag

Bild: Martina Diemand

Christoph Krauses Credo klingt eigentlich ganz einfach: „Die Zukunft gehört denen, die sie in die Hand nehmen.“ Krause ist Diplom-Designer, Innovationscoach und Digital-Stratege. Nebenbei: Er ist auch noch Schnellredner. Beim traditionellen Holztag im Rahmen der Allgäuer Festwoche riet er den Vertreter der Holzbranche, darunter Zimmerer, Schreiner oder andere verarbeitende Betriebe, sich der zunehmenden Digitalisierung im Handwerk zu stellen.

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Von von Michael Munkler
13.08.2019 | Stand: 17:53 Uhr

Digitales und Holz seien auf den ersten Blick gar nicht so leicht zusammenzubringen, meinte der Kemptener Oberbürgermeister Thomas Kiechle. Schließlich sei Holz zunächst einmal ein Rohstoff, mit dem man den Begriff der Nachhaltigkeit verbindet, dieses Wort stamme ja aus der Forstwirtschaft. „Die Nutzung des Rohstoffs Holz geht nicht ohne Digitalisierung“, erklärte der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Allgäu GmbH ist. In dem in Immenstadt geplanten Holzkompetenzzentrum gehe es deshalb auch in erster Linie um die Aus- und Weiterbildung für die verschiedenen Berufe in der Branche.

Krause rief die Holzbau-Betriebe dazu auf, sich der Digitalisierung der unterschiedlichen Prozesse in einem Betrieb zu stellen. Sonst drohe das Handwerk, den Boden zu verlieren – an industrielle Großbetriebe. Dies geschehe beispielsweise schon heute, wenn Tchibo durchgestylte Badezimmer-Einrichtungen anbiete. Krause: „Lasst Euch das nicht von anderen wegnehmen.“

Wie die Digitalisierung bei der Planung eines Holzhauses genutzt wird, demonstrierte der Innsbrucker Professor Dr. Anton Kraler. „Träumen, klicken, wohnen“: Nach diesem Motto arbeitet der „Holzhaus-Konfigurator, den der Tiroler vorstellte. Bauweise, Energiestandard, Haustechnik, Dachform oder Anzahl der Geschosse: Am Computer kann sich der Kunde sein Holzhaus zunächst einmal so zusammenbauen, wie er es sich vorstellen könnte. Quasi als detaillierte „Anfrage“ schickt er seine Daten dann dem Holzhaus-Hersteller. „So weiß die Firma, was sich der Kunde vorstellt“, erläuterte Kraler. Dieses Tool sei ab nicht dafür da, den Planer oder Architekten zu ersetzen. Es gehe lediglich um eine grobe Skizzierung der Vorstellungen eines zukünftigen Bauherren.

„Die Kunden suchen wieder nach wahren Werten“, sagte Matthias Brack, vom gleichnamigen Wintergarten-Hersteller mit Sitz im Oberallgäuer Altusried. Handwerk habe nach wie vor goldenen Boden, meinte er, „aber wir müssen über den Tellerrand hinausschauen“. In Zeiten der Digitalisierung müsse jedes Unternehmen seine eigene Strategie entwickeln, Handwerksbetriebe sollten miteinander reden und sich gegenseitig helfen. „Keiner kann es alleine“: Das war auch die Erkenntnis, die dem ersten „Holz Barcamp“ in der Kemptener Hochschule heuer im Mai zugrunde lag. Dazu seien 211 Teilnehmer gekommen, berichtete Maike Breitfeld, Moderatorin des Holztags. Erschienen waren zu dem Erfahrungsaustausch in der Hochschule zumeist in Holzbauberufen tätige Menschen sowie Software-Entwickler.